Kultur & Bildung
Sie kann mich von einer Blume aus ansprechen. Sie begegnet mir in den Augen eines geliebten (oder liebenden) Menschen, sie strömt aus dem Glucksen eines leicht dahinplätschernden Bächleins. Trifft mich unverhofft beim Hören des Gesangs einer Amsel oder dem Geräusch eines Windes durch eine alte Pappel.
Sie berührt etwas in mir, was innehält. Sich besinnt, plötzlich gewahr wird – da! hör! sieh! spür! Da schwingt etwas Heiles mit und taucht mich für einen Moment in eine empfängliche, bejahende Haltung, die mich selbst überrascht. Unterbricht meine vielen Gedanken, schiebt die zahlreichen Wenns und Abers beiseite.
Gebe ich solchen Impulsen des Heilenden in mir Raum, erhellt sich mein Tag. Gebe ich solchen Bildern in mir mehr Gelegenheit, erhellen sich meine Gedanken. Ich werde gnädiger, versöhnlicher mit mir – und dem Leben.
Können Sie sich auch an solch heilbringende Momente erinnern? Ganz unspektakuläre, kleine, aber wesentliche?
Dieses unvermittelte Innehalten, diese Hingabe an den Augenblick, dieses „Trotz alledem“ oder „Annehmen, was ist“ – verwandelt. Es öffnet für die Heilkraft, die wirkt, in so vielen subtilen Möglichkeiten, wie wir sie kaum ahnen. Im Aussen – und im Innen. In jedem Augenblick.
Sylvia Rui
Aus cathberne.ch
Vivre la vieillesse comme un don
Orientations pour la mission des catholiques du Jura pastoral