Römisch-katholische Kirche im Kanton Bern

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Kultur & Bildung

Unterwegs sein mit abgewiesenen Asylsuchenden   

Fachstelle Sozialarbeit

Leistet Aufbauarbeit – Béatrice Panaro.
Leistet Aufbauarbeit – Béatrice Panaro.. Foto: jm

Seit letztem September arbeitet Béatrice Panaro bei der Fachstelle Sozialarbeit der katholischen Kirche Bern, FASA. Sie ist zuständig für die Beratung von abgewiesenen Asylsuchenden und hat ihr Büro im Zentrum 5. Im Interview erzählt sie von ihrer Arbeit, von prekären Lebensbedingungen, von Schwierigkeiten, Freuden und Wünschen.

Wen haben Sie im letzten Jahr beraten?
Béatrice Panaro: Von September bis Mai führte ich 230 Gespräche mit Personen aus Nordafrika, Afrika, Asien, dem arabischen Raum, aber auch Europa (Türkei). Davon waren 60 Prozent Männer, 20 Prozent alleinstehende Frauen und weitere 20 Prozent Familien. Mehr als zwei Drittel der Ratsuchenden sind Christen, knapp ein Drittel Angehörige einer anderen Religion; ein Viertel der Personen waren im Asylverfahren, fast 70 Prozent sind abgewiesene Asylsuchende.

Die Meisten leben bereits zwischen sieben und 19 Jahren in der Schweiz, haben hier gearbeitet, waren finanziell unabhängig. Die Kinder besuchten die Schule. Mit der Ablehnung des Asylgesuches wurde alles auf den Kopf gestellt: das Arbeitsverhältnis plötzlich beendet, nur noch Nothilfe, ein Gesuch auf Härtefallregelung musste gestellt werden.

Was finden Sie besonders schwierig bei Ihrer Arbeit?
Die Widersprüche, mit denen die Leute konfrontiert sind. Ein paar Beispiele:
•    Fällt ein Asylentscheid negativ aus, veranlassen die Behörden die Wegweisung der betreffenden Person. Aufgrund der Aufenthaltsdauer und der erfolgten Integration sieht das Gesetz jedoch die Möglichkeit einer Aufenthaltsbewilligung (Härtefallregelung) vor.
•    Wird eine Person ohne Aufenthaltsberechtigung – obwohl sie jeden Tag den Behörden zur Verfügung stehen muss – von der Polizei auf der Strasse kontrolliert, bedeutet das 40 Tage Gefängnis.
•    Damit die Behörden nun auf die Regelung des Aufenthalts eintreten, muss ein abgewiesener Asylsuchender seine volle Integration mit einer Arbeitsstelle und seiner finanziellen Selbständigkeit beweisen, aber er verfügt über keine Aufenthaltsberechtigung, welche ihm eine Arbeitsaufnahme ermöglicht, und keine finanziellen Mittel für die Arbeitssuche.
•    Der Druck und die Perspektivenlosigkeit schwächen die Gesundheit der Betroffenen und gleichzeitig erlaubt ihnen das wenige Geld der Nothilfe nicht, sich genügend und gesund zu ernähren oder medizinisch betreuen zu lassen.

Ein Teil meiner Arbeit ist es, die Person zu unterstützen, damit sie die Kriterien für die Regelung des Aufenthaltes erfüllen kann. Die Begleitung ist „Aufbauarbeit“, damit die Person wieder Vertrauen in sich, in ihre Ressourcen, in den Anderen gewinnt.

Gab es in diesem Jahr auch schöne, erfreuliche Momente?
Die Offenheit, das Engagement der Personen und Institutionen, mit denen ich zusammenarbeite. Einige abgewiesene Asylsuchende, die ich begleitet habe, haben eine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Einer davon sagte: „Bald werde auch ich anderen helfen können, genauso wie mir die Kirche geholfen hat.“

An Ostern nahm ich an der Eucharistiefeier teil, die in Bern zum ersten Mal von einem eritreischen Priester zelebriert wurde. Er sagte: „Euch, die ihr den Weg durch die Sahara, die Überfahrt durch das Mittelmeer überlebt habt, euch allen hier im Exil – frohe Ostern.”

Diese Flüchtlinge haben ihr Leben riskiert für eine neue Zukunft für sich, ihre Familie. Von vielen höre ich immer wieder, dass der Glaube an Gott, an Jesus Christus, der selber Flüchtling war, ihnen die Kraft gegeben hat und weiter gibt, dramatische, schmerzliche Situationen zu durchqueren.
Mit Vertretern der katholischen eritreischen Gemeinschaft Bern, Solothurn und Zürich haben wir den Flüchtlingssonntag in der Dreifaltigkeitskirche gefeiert, Begegnungen mit der Ortsgemeinde erleben dürfen.

Wo werden Sie in nächster Zeit Schwerpunkte setzen?
Die Strategie Migration der FASA sieht einen Schwerpunkt in der Sensibilisierung vor, die den Boden für ein solidarisches Miteinander vorbereitet. Mit Asylsuchenden unterwegs zu sein, bedeutet nicht nur, ihre Schwierigkeiten zu teilen, sondern auch den Reichtum ihres Lebens.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für Ihre Arbeit wünschen?
Dass die Leserinnen und Leser einen Schritt hin zu den Flüchtlingen wagen könnten, in der Begleitung eines Asylsuchenden, beispielsweise bei der Arbeitssuche, im Dienste seiner Integration – nehmen Sie einfach mit mir Kontakt auf.
 

Interview: Heidi Mosimann

Kontaktmöglichkeit
Béatrice Panaro
Fachstelle Sozialarbeit der katholischen Kirche Bern – Asylbereich
Im Zentrum 5
Flurstrasse 26 b
3014 Bern
Telefon 031 381 20 68
beatrice.panaro@kathbern.ch

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