Manifest zur Bischofswahl im Bistum Basel
"Wer allen vorsteht, soll auch von allen gewählt werden." (Papst Leo I. +461)

Bild: Flickr CC, BruSpie
Das Bistum Basel braucht einen neuen Bischof. Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass das Domkapitel die leitenden und beratenden Gremien und Institutionen unseres Bistums einlädt, sich an der Suche nach einem geeigneten Nachfolger von Bischof Kurt Koch zu beteiligen.
Wir verstehen die Bischofswahl auch als Chance für ein erneuertes kirchliches Leben im ganzen Bistum, indem wir unsere Sicht des Zustands der Diözese einbringen und einen Weg der spirituell-theologischen Besinnung gehen.
Die Wahl des Bischofs ist eine Sache des ganzen Volkes Gottes
Mit der Veröffentlichung dieses Manifests will ein offener Kreis von engagierten Mitgliedern der Diözese das Domkapitel bei seiner verantwortungsvollen Aufgabe unterstützen, die Wahl des neuen Bischofs vorzubereiten und durchzuführen.
An einem Brennpunkt unseres Bistumslebens wollen wir mitwirken und aussprechen, was viele Gläubige bewegt. Zugleich laden wir das Domkapitel ein, im Sinne des oben stehenden, altkirchlichen Leitsatzes eine breitere, demokratische Form der Teilhabe aller Gläubigen an den künftigen Bischofswahlen zu reflektieren und in die Wege zu leiten.
Ausserdem bringen wir unser Bedauern darüber zum Ausdruck, dass Frauen und Männer aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Lebensform wegen der gegenwärtigen Zulassungsbedingungen zu den Ämtern von der Wahl ausgeschlossen sind, obwohl auch sie befähigt wären, unsere Bistumskirche zu leiten.
Dank und gute Wünsche an den scheidenden Bischof
Wir danken Bischof Kurt Koch für seinen engagierten bischöflichen Dienst in unserer Diözese von 1996 bis 2010. Wir wünschen ihm zum neuen Amt als Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen die belebende Kraft des heiligen Geistes.
Wir hoffen, dass er die lebendige Auseinandersetzung im Bistum konstruktiv aufnimmt und die positiven und ermutigenden Erfahrungen wie die ökumenische Zusammenarbeit aus der Kirche Schweiz in seine neue Funktion einbringen wird.
Zur Wahl des neuen Bischofs
Die Vorstellungen und Wünsche zum Bischofsdienst und zum Profil des neuen Bischofs, die in diesen Tagen in Gebeten, persönlichen und öffentlichen Erklärungen genannt werden, sind so vielfältig und spannungsreich wie die Menschen des Bistums.
Wir konzentrieren uns hier auf Hinweise, die uns besonders wichtig scheinen und zu denen wir im Bistumsvolk eine hohe Zustimmung wahrnehmen.
- Kirchenferne und Kirchennahe wünschen sich einen lebensbejahenden und zugänglichen Menschen, der es versteht, zuzuhören und zu überzeugen, und der die Spuren der Gegenwart Gottes im konkreten Leben transparent machen kann.
- Nicht nur binnenkirchliche Themen, sondern ebenso der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und ein zeitgemässes „Ins-Spiel-bringen“ der Frohen Botschaft in unsere Gesellschaft sollen das Wirken des Bischofs prägen.
- Das christliche Leben wird in unserem Bistum auf vielfältige Weise verwirklicht. Viel Gutes und Wertvolles ereignet sich in unseren Pfarreien, Vereinen, Gruppierungen, Gemeinschaften und Organisationen. Viele Menschen engagieren sich für Spiritualität, für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, für die Diskussion von christlichen Werten und Haltungen, für christlich motiviertes und soziales Handeln sowie für die wachsende Einheit der Kirchen. In der Unterstützung und Förderung dieses kirchlichen Basislebens soll der Bischof seine Hauptaufgabe sehen.
- Der Bischof soll kommunikationsfähig sein und sich mit Argumenten und nicht mit dem Autoritätsprinzip in Gespräche einbringen. Er muss konfliktfähig sein und Spannungen zwischen Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Kirchenbilder aushalten; er soll offen und bereit sein, auf andere zuzugehen, nicht polarisieren, sondern das Gemeinsame suchen und Menschen mit unterschiedlichen Positionen zusammenführen.
- Wir wünschen uns einen Bischof, der positiv auf die Medien und für möglichst viele verstehbar auf die Öffentlichkeit zugeht.
- Er soll Leitungskompetenz und Teamfähigkeit besitzen und den Einbezug von Frauen und Männern als Mitarbeitende fortsetzen, die ihn mit ihrer speziellen Begabung ergänzen. In der Bistumsleitung soll mit einem feinen Gespür für mehr Demokratie (Synodalität, Kollegialität) in der Kirche gearbeitet werden: durch Teilgabe und Teilnahme an einem andauernden synodalen Prozess, in dem das Subsidiaritätsprinzip ernst genommen und Kirche sich so von unten, von der Gemeinschaft am Ort aufbauen kann; in ökumenischer Gesinnung und im Rahmen der dualen Verfasstheit der Kirche in den meisten Kantonen.
- Der neue Bischof wird der Gemeinschaft mit der Weltkirche verpflichtet sein. Jedoch soll er auch die Erfahrungen seines Bistums deutlich und unerschrocken in die Gesamtkirche einbringen.
- Der Bischof soll nicht zu jung sein, über eine reflektierte Lebenserfahrung verfügen sowie über längere und bewährte seelsorgerliche, pfarreiliche Praxis; er soll nicht zu alt sein, um kraftvoll und mit dem nötigen Elan wirken zu können.
Am 18. August tagt das Domkapitel in Solothurn, um die Rückmeldungen auf seine Umfrage auszuwerten. Um 12 Uhr findet in der Kathedrale St. Urs und Viktor ein Mittagsgebet mit anschliessender Eucharistiefeier statt.
Wir laden alle Gläubigen ein, durch die Teilnahme an dieser Liturgie des Domkapitels und durch eine betende Präsenz vor- oder nachher ein Zeichen für die notwendige Mitwirkung des Volkes Gottes zu setzen.
Wir bitten das Domkapitel, unmittelbar nach der Wahl und nach der Wahlannahmeerklärung den Namen des Gewählten der Öffentlichkeit bekannt zu geben.
Dies gebietet der Respekt gegenüber dem Wahlprozedere und der notwendigen Transparenz kirchlichen Handelns.
Weiter gemeinsam unterwegs
Dieses Manifest soll nachhaltig auch über die Bischofswahl hinaus wirken. Es gilt, an den verschiedensten Orten im Bistum Formen des Gesprächs und des Austauschs zu finden oder weiter zu entwickeln, in denen die Vielfalt und die Kraftquellen heutiger christlicher Existenz zur Geltung kommen können: Zukunftswerkstätten, „offene Mikrofone“, neue liturgische Feiern und ähnliches mehr.
Wir freuen uns, wenn wir den neuen Bischof dabei oft als aktiv Teilnehmenden sehen und hören.
Erstunterzeichnende
Claudia Armellino, Gemeindeleiterin, Biberist – Rita Bausch, Theologin, Kreuzlingen – Elsbeth Caspar, Theologin und Supervisorin, Biel – Florian Flohr, Theologe, Luzern – Ida Glanzmann-Hunkeler, Nationalrätin, Altishofen – Dr. Gerda Hauck, Bern – Eduard Hodel, Luzern – Monika Hungerbühler, Theologin, Leiterin Offene Kirche Elisabethen, Basel – Prof. em. Dr. Leo Karrer, Laientheologe des Bistums Basel, Freiburg – Prof. Dr. Walter Kirchschläger, Universität Luzern – Dr. Xaver Pfister, Theologe, Basel – Dr. theol. Bruno Strassmann, Weinfelden – Dr. Paul Zemp, Priester, Langendorf
Unter www.bischofswahl2010.ch können im Internet Einzelpersonen und Gemeinschaften des Bistums das Manifest unterzeichnen. Dort sind fortlaufend deren Namen in alphabetischer Reihenfolge einsehbar.
16.07.2010
Aus cathberne.ch
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