Die Zeit der fünfzig Tage
Die Osterzeit dauert genau fünfzig Tage. Ostern findet ihre Vollendung am Pfingsttag, am 50. Tag nach Ostern. So wird die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten auch die Zeit der „fünfzig Tage“ genannt. Die Osterzeit wird in der Kirche als ein grosser Tag gefeiert, an der die Kirche in nicht enden wollender Freude ihre Erlösung durch Kreuz und Auferstehung feiert. Die Osterzeit ist geprägt im häufigen Singen des Halleluja und während dieser ganzen fünfzigtägigen Zeit brennt die Osterkerze im Kirchenraum in den gottesdienstlichen Feiern. Die Osterkerze ist Zeichen für Jesus Christus, das Licht der Welt, der die Finsternis des Todes überwunden hat.

Der Tod ist für immer besiegt
Vierzig Tage nach Ostern feiert die Kirche Christi Himmelfahrt. Warum eigentlich? Denn nach dem Markus- und Lukasevangelium geschah die Himmelfahrt Christi schon am Ostersonntag, am Tag der Auferstehung Christi. Warum soll man also in der Osterzeit Christi Himmelfahrt feiern? Ausgehend von der Apostelgeschichte feiert die Kirche das Fest Christi Himmelfahrt seit dem vierten Jahrhundert vierzig Tage nach dem Ostersonntag und es fällt so immer auf einen Donnerstag. „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel? Der Herr wird wiederkommen, wie er jetzt aufgefahren ist.“ Diese Worte aus der Apostelgeschichte (Apg 1,11) stehen im Eröffnungsvers am Anfang der Eucharistiefeier des Hochfestes Christi Himmelfahrt. Es sind zwei Männer in weissen Gewändern, die diese Worte an die Apostel richten, die eben erlebt haben, wie Christus vor ihren Augen emporgehoben wurde und sich ihren Blicken entzogen hat. Nach der Überlieferung in der Apostelgeschichte findet Christi Himmelfahrt vierzig Tage nach Ostern statt. Die Apostel erhalten von Christus letzte Weisungen. Ihnen wird verheissen, dass sie die Kraft des Heiligen Geistesempfangen werden. Diese Verheissung erfüllt sich dann auch am Pfingsttag, fünfzig Tage nach Ostern (vgl. Apg 2).
In der Präfation des eucharistischen Hochgebets vergegenwärtigt sich die Kirche, dass Christus nicht zum himmlischen Vater heimkehrt, um die Menschen zu verlassen, sondern dass er den Menschen die Hoffnung gibt, ihm dorthin zu folgen:
„Denn er ist heute als Sieger über Sünde und Tod aufgefahren in den Himmel. Die Engel schauen den Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Richter der Welt, den Herrn der ganzen Schöpfung. Er kehrt zu dir heim, nicht um uns Menschen zu verlassen, er gibt den Gliedern seines Leibes die Hoffnung, ihm dorthin zu folgen, wohin er als erster vorausging.“
(Präfation von Christi Himmelfahrt I)
Mit diesen Worten kommt das ganze österliche Geheimnis zum Ausdruck, dass Christus die Vergänglichkeit dieser Welt durch seine Auferstehung überwunden hat, er hat den Tod für immer besiegt: „Durch seinen Tod hat er unseren Tod vernichtet und durch seine Auferstehung das Leben neu geschaffen.“ (Präfation für die Osterzeit I)
Christus ist Mittler zwischen Gott unserem Vater und seiner Schöpfung, darum beten wir immer „durch Christus unseren Herrn“. Gerade das Fest Christi Himmelfahrt zeichnet diese Verbindung zwischen Himmel und Erde nach und ist wesentlicher Bestandteil der Heilsereignisse, die im Paschamysterium, im Ostergeheimnis, ihre Vollendung gefunden haben. Die Sehnsucht wird in uns wach gehalten, die Auferstehung und das Leben der kommenden Welt zu erwarten. (vgl. Grosses Glaubensbekenntnis).
„Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.“ (Apg 1,8) Und diese Geisteskraft hat die Kirche an Pfingsten empfangen, fünfzig Tage nach Ostern. Das Pfingstfest ist der krönende Abschluss der Osterzeit. Während der ganzen Osterzeit hat die Kirche sich mit weissen liturgischen Gewänder gekleidet. An Pfingsten bringt die rote liturgische Farbe das Feuer des Heiligen Geistes zum Ausdruck, das in den Herzen aller Gläubigen entfacht worden ist und auch nach der Zeit „der fünfzig Tage“ den Menschen Antriebskraft für ihr Leben sein will.
Jürg Stuker, Liturgisches Institut
foto: friedli
05.04.2006
Aus cathberne.ch
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