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Martin Buber

Zeitlose Weisheit

Martin Buber (1878–1965): Religionsphilosoph, Linkszionist und genialer Bibelübersetzer

Martin Buber (1878–1965): Religionsphilosoph, Linkszionist und genialer Bibelübersetzer

Obwohl ein verhätschelter Sohn vermögender Eltern und braver Student der Philosophie, Germanistik, Kunstgeschichte, Psychiatrie und Psychologie in Wien, Leipzig, Zürich und Berlin, hat Martin Buber zeitlebens Unerhörtes getan. In extrem judenfeindlicher Umgebung hat er, der Jude, zusammen mit katholischen und protestantischen Freunden die Zeitschrift „Die Kreatur“ gegründet und den interreligiösen Dialog auf höchstem Niveau gepflegt: ein bis heute unübertroffenes Ergebnis des ihm heiligen dialogischen Prinzips.

Wertvollste Frucht seiner dialogischen Bemühungen ist seine epochale Verdeutschung der Schrift. 36 Jahre lang, von 1925 bis 1961, arbeitete Buber daran, die ersten vier Jahre gemeinsam mit dem schwer kranken Franz Rosenzweig, der über das Ergebnis ihrer gemeinsamen Arbeit fast erschrocken konstatierte: „Es ist ja erstaunlich deutsch; Luther ist dagegen fast jiddisch. Ob nun zu deutsch?“ 1939 erschien die erste Ausgabe, die von Buber bis wenige Jahre vor seinem Tod immer wieder überarbeitet wurde.

„Ich fürchte manchmal, die Deutschen werden diese allzu unchristliche Bibel nicht vertragen.“
Franz Rosenzweig


Der im galizischen Lemberg, also im Herzen des Chassidismus aufgewachsene Buber leistete aber auch Dialogisches innerhalb des Judentums. Obwohl die osteuropäischen Juden im westeuropäischen Judentum als hinterwäldlerische Glaubensgeschwister betrachtet wurden, deren Einwanderung nicht gerne gesehen wurde, etablierte er mit seinen „Erzählungen der Chassidim“ deren geistiges Erbe als einen abendländischen Schatz zeitloser religiöser Weisheit.

Dialogischer Kämpfer war Buber auch im Lager der Zionisten. Seinen Mitstreitern sprach er angesichts des sich anbahnenden jüdischen Rassismus gegenüber den in Palästina einheimischen Arabern prophetisch ins Gewissen: „Das Nebeneinander zweier Völker auf dem gleichen Territorium muss […], wenn es sich nicht zum Miteinander entfaltet, zum Gegeneinander ausarten […] Ein drittes Mal werden wir am Land erprobt.“

Thomas Staubli

Thomas Staubli, *1962, Studien in Freiburg CH, Jerusalem, Berlin und Bern, Dozent für Altes Testament an der Universität Freiburg, Leiter des BIBEL+ ORIENT MUSEUMS Freiburg. Wichtige Publikationen: „Begleiter durch das Erste Testament“ (3. Aufl. 2003); „Die Körpersymbolik der Bibel“ (gemeinsam mit Silvia Schroer, 2. Aufl. 2005); „Musik in biblischer Zeit“ (2007)

Alle bisher erschienenen Artikel finden Sie im Pfarrblatt-Archiv.

07.02.2008


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