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Karl Barth

Der Römerbrief-Kommentar und die dialektische Theologie

Karl Barth (1886–1968)

Karl Barth (1886–1968)

„Und siehe da: (Die biblischen Schriften) begannen zu uns zu reden – sehr anders, als wir sie in der Schule der damals ‚modernen‘ Theologie reden hören zu müssen gemeint haben …“

Der da im Juni 1916 die beglückende Erfahrung machte, dass sich ihm eine biblische Schrift ganz neu erschloss, ist der 30-jährige Karl Barth, ref. Pfarrer im aargauischen Safenwil. 1916 war Barth an die Grenzen seiner Theologie gestossen und hatte das Gefühl, seiner Gemeinde nichts wirklich Relevantes sagen zu können. Hinzu kam, dass seine theologischen Lehrer in Deutschland 1914 den 1. Weltkrieg gerechtfertigt und sich, so Barth, „restlos in geistige 42-cm-Kanonen“ verwandelt hatten, was ihn grundsätzlich an der Substanz der sogenannt „liberalen“ Theologie zweifeln liess.

In dieser Krise wurde Barth klar, dass er eine neue biblische Grundlegung seiner Theologie brauchte – und so „begann ich mich, unter einem Apfelbaum dem Römerbrief zuzuwenden“. So entstand ein Römerbrief-Kommentar, der den Ausgangspunkt für die sog. „dialektische“ Theologie bildete.

Neu an Barths Kommentar war, dass er den Brief nicht historisch erklärte, sondern direkt in seine eigene Zeit hineinsprechen liess. Zentral wurde ihm dabei die Unverfügbarkeit Gottes. Gott tritt bei Barth dem Menschen als der vollständig Andere gegenüber, der sich nur durch Offenbarung zu erkennen gibt: „Gott! Wir wissen nicht, was wir damit sagen. Wer glaubt, der weiss, dass wir es nicht wissen.“

Die Stunde der Wahrheit für Barths Theologie schlug im deutschen Nationalsozialismus: Gerade seine dialektische Gegenüberstellung von Gott und Mensch bot die theologische Grundlage für die „Bekennende Kirche“, die sich ab 1934 den „gleichgeschalteten“ deutsch-national(sozialistisch)en Kirchen gegenüberstellte. Nach dem 2. Weltkrieg nahm Barth u. a. pointiert gegen Atomwaffen Stellung und griff auch sonst häufig ins politische Geschehen ein. Bis heute gilt Barth als der ref. Theologe des 20. Jh.

Detlef Hecking

Detlef Hecking, Lehrbeauftragter für Neues Testament am Religionspädagogischen Institut der Theologischen Fakultät der Universität Luzern.

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06.03.2008


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