Pilot in Huttwil
Er fliegt, der neue Pfarrer von Huttwil. Er besitzt einen Pilotenschein, spielt Akkordeon, Gitarre, “ein bisschen Klavier und Trompete und Schach”. Nur jassen kann er nicht. Noch nicht.

“Ich bin ein Kind der JPII Generation”. Pater Wieslaw Reglinski, neuer Pfarradministrator in Huttwil, rechts sein Vorgänger Walter Amgwerd.
Er spricht viele Sprachen. Russisch ist “meine Lieblingsfremdsprache geworden. In welcher Sprache klingen Dostojewksi oder Puschkin schöner und authentischer als in Russisch?”, fragt er rhetorisch.
Der Schönstatt-Pater Wieslaw Reglinski, Doktor der Moraltheologie, Doktor des Kirchen- und Zivilrechtes, 38 Jahre alt, Nachfolger von Walter Amgwerd als Pfarrer in Huttwil und Sumiswald, bezeichnet sich als Student: “Schon 19 Jahre bin ich ein vollamtlicher Student. Kennen Sie jemanden, der länger studiert hat?” Er lächelt verschmitzt. Sein Studium in Theologie, Kirchen- und Zivilrecht in Rom raubte ihm weder Humor noch Menschlichkeit. Im Gegenteil. Er geht den ersten und letzten Dingen in seinem aktuellen Studium der Bioethik auf den Grund. In ein paar Jahren will er auf diesem Fachgebiet habilitieren. “Aber dass das klar ist – zuallererst bin ich Priester, Seelsorger.”
In Polen ist er geboren und aufgewachsen, entschied er sich Theologie zu studieren, Priester zu werden. In einem Zeltlager der Schönstatt Bewegung wurde ihm bewusst, dass er nicht ein “Priester in der Sakristei” werden wollte, sondern einer, der mit den Menschen, den Familien Leben teilt. Die Schönstatt-Bewegung gilt in Polen als modern und aufgeschlossen. Ihre Heiligtümer – kleine marianische Wallfahrtskapellen der Schönstatt-Bewegung - wurden ihm zur wichtigen Beheimatung: “Ich war in meiner Theologie christuszentriert. Maria erweiterte mir den Horizont. Die Menschen heute brauchen eine eigentliche Beheimatung im Glauben, die in aller Vielfalt des multikulturellen Lebens Orientierung und Halt ermöglicht. Die Schönstatt-Spiritualität hat mir das geschenkt.”
Angesprochen auf ihn prägende Theologinnen oder Theologen, sagt er: “Im deutschsprachigen Raum suchen viele theologische Gurus, Drewermann zum Beispiel. In Polen sucht man zuallererst Gott. Ich halte mich da an unseren Papst Johannes Paul II. Ich habe die Weltjugendtreffen besucht, erlebte Aufbruch und echte Spiritualität. Faszinierend fand ich in der Vielfalt der Kulturen und menschlichen Begegnungen die spürbare Einheit des Glaubens. Ich bin ein Kind der JPII Generation, das ist nicht zu leugnen.” Was Wunder, dass er sich eine lebendige Jugendpastoral wünscht. Mit der Huttwiler Pfarreijugend 2008 nach Sydney zu fahren, ist eines seiner Ziele.
Was die Priesterweihe der Frauen betrifft, ist er mit dem katholischen Katechismus einig: “Die Kirche weiss sich durch die Wahl, die der Herr getroffen hat, gebunden.” Und der Zölibat soll, solang er für die Gläubigen ein Zeichen der radikalen Nachfolge Jesu sei, “nicht aufgehoben werden”. Ohne Vertrauen könne niemand leben, meint Pater Wieslaw: “Ich vertraue meinen Oberen, den Bischöfen, ihren Überlegungen und Entscheiden. Damit kann ich mich ganz der Seelsorge widmen.”
Er hält einen Moment inne, erinnert sich an ein römisches Erlebnis: “An einer Weltbischofssynode schlug ein Erzbischof vor, die kirchlich-hierarchischen Ehrentitel Exzellenz, Eminenz abzuschaffen und sie mit dem einfachen Vater (Pater auf Lateinisch) zu ersetzen. Das schaffe mehr väterliches oder auch mütterliches Vertrauen. Allerdings”, und dazu lacht Pater Reglinski herzlich, “haben sich dann der Votant und der Präsident der Versammlung mit Exzellenz und Eminenz verabschiedet.”
In Huttwil, bemerkt Pater Reglinski noch, sei es viel ruhiger als in Rom. Ob er sich ohne Exzellenzen und Eminenzen, ohne Weltstadtverkehr und Touristenströme einsam fühle? “Es ist wunderbar hier, höfliche Menschen, wunderbare Natur, perfekte Organisation. Schon in meinen Huttwiler Sommervertretungen war es sehr ruhig. Manchmal fast ein wenig langweilig.
Das wird sich jetzt mit der Pfarrverantwortung natürlich ändern. Bibelkurse, ökumenische Zusammenarbeit, Seelsorge, Jugendarbeit. Ich freue mich auf die Begegnung mit den Menschen”. Und darauf, dass ihm jemand das Jassen beibringt. Kein Zweifel, er wird es schnell lernen und ein gesuchter Spielpartner werden.
Jürg Meienberg, Pfarrblatt
Pfarrei Huttwil
20.10.2005
Aus cathberne.ch
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