Versöhnung - Beichte
Das Sakrament der Versöhnung (auch "Busssakrament" genannt) ist ein Zeichen der Vergebung Gottes gegenüber dem Menschen, der einen Fehler begangen hat. In der Feier dieses Sakramentes bekennt und bereut der Christ seine Fehler in einem Gespräch unter vier Augen mit einem Priester. In einem weiteren Schritt erklärt er sich bereit, die negativen Folgen seines Verhaltens im Rahmen seiner Möglichkeiten wieder gut zu machen. Der Priester spricht dem Menschen Vergebung und Frieden zu.
Etwa vom 9. Jahrhundert an wurde die Beichte zu einer festen kirchliche Institution, die in der katholischen (und orthodoxen Kirche) zu den sieben Sakramenten gezählt wird.
Der froh machende und festliche Charakter dieses Sakramentes ist jedoch weitgehend verlorengegangen. Viele Menschen haben die sogenannte "Beichte" als bedrückende Last erfahren, fühlten sich durch Fragen des Priesters im Innersten verletzt und haben so den Zugang dazu verloren.
Unter "Beichte" versteht man in der katholischen Kirche entweder nur gerade das Sündenbekenntnis (so auch in diesem Text) oder aber den Gesamtvorgang der Spendung des Busssakramentes. Im Gegensatz zu früher spricht man heute generell aber nicht mehr vom "Beichtsakrament", sondern vom "Sakrament der Versöhnung".
Für eine gültige Beichte müssen fünf Voraussetzungen gegeben sein: Gewissenserforschung, Reue, guter Vorsatz, Bekenntnis und Wiedergutmachung.
Die Gewissenserforschung dient dazu, sich der Sünden bewusst zu werden und bedeutet zuerst einmal, nach seiner Grundstimmung zu fragen: Ist man zufrieden oder spürt man in sich einen Zwiespalt? Wo stimmt etwas nicht? Des Weiteren macht man sich Gedanken über sein Verhältnis zu Gott und zu anderen Menschen – ist es belastet oder gefährdet? Man erkennt Böses, das man getan hat und Gutes, das man hätte tun können oder sollen.
Bei der Reue unterscheidet man zwischen der vollkommenen Reue (aus Liebe zu Gott) und der unvollkommene Reue (aus Angst vor der Verdammnis). Beide sind hinreichend für die Vergebung der Sünden.
Der gute Vorsatz muss darin bestehen, in Zukunft alle schweren Sünden zu meiden.
Für eine gültige Beichte ist es nötig, alle schweren Sünden, die noch nicht durch eine Beichte vergeben worden sind, zu bekennen. Eine Sünde ist dann schwer, wenn ein Gebot Gottes mit klarem Bewusstsein und in freier Entschiedenheit übertreten worden ist.
Die Wiedergutmachung besteht darin, begangenes Unrecht zu begleichen, beispielsweise muss Gestohlenes zurückgegeben werden. Zum anderen soll unter Umständen in Form eines Gebetes Busse getan werden, um die Folgen der Schuld abzutragen.
Begrüssung
Wenn der Beichtende den Beichtstuhl oder das Beichtzimmer betritt, begrüsst ihn der Priester, zum Beispiel mit dem alten christlichen Gruss "Gelobt sei Jesus Christus". Die Antwort lautet: "In Ewigkeit. Amen". Dann macht der Beichtende das Kreuzzeichen und spricht: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen".
Bekenntnis
Es folgt das Bekenntnis der Sünden, deren man sich in der Gewissenserforschung bewusst geworden ist. Der Beichtende kann auch sagen, wofür er dankbar ist. Er kann eventuell einen konkreten Vorsatz für sein Leben formulieren.
Reuegebet
Der Beichtende soll das Bekenntnis mit einem kurzen Reuegebet abschliessen. Er kann zum Beispiel sagen: "Dies sind meine Sünden. Ich bereue sie von Herzen". Oder: "Ich bereue, dass ich Böses getan und Gutes unterlassen habe".
Beichtgespräch
Der Priester wird in der Regel einige Überlegungen anfügen, woraus sich unter Umständen ein Gespräch entwickeln kann. Dann schlägt der Priester dem Beichtenden meistens ein Gebet als Ausdruck der Bussgesinnung vor.
Lossprechung
Schliesslich breitet der Priester segnend seine Hände aus mit den Worten: "Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes". Dazu bezeichnet der Priester den Beichtenden mit dem Kreuzzeichen. Der Beichtende bekreuzigt sich selbst und antwortet: "Amen".
Entlassung
Der Priester entlässt den Gläubigen mit Worten wie "Der Herr hat dir die Sünden vergeben. Geh hin in Frieden."
Danksagung
Nach der Entlassung durch den Priester soll der Gläubige noch eine Danksagung halten und gegebenenfalls das zur Busse aufgetragene Gebet sprechen.
Der Priester - oder der Beichtvater, wie er auch genannt wird – ist zu strengster Verschwiegenheit verpflichtet über alles, was in der Beichte zur Sprache kommt.
Heutzutage gibt es nur noch wenige Leute, die das traditionelle Beichtgespräch suchen. Es besteht allerdings ein Bedürfnis, die Buss- und Versöhnungspraxis anders als bisher zu erleben. Die Geschichte zeigt, dass sich die Form des Buss- und Versöhnungssakramentes immer wieder verändert hat.
In der Deutschschweiz gibt es schon mehrere Jahre ein Projekt "Versöhnung feiern mit Kindern und Eltern", das darauf abzielt, Kindern und auch Eltern das Sakrament der Versöhnung auf neue Art und Weise wieder näher zu bringen. Mit der Hinführung der Kinder und Eltern zum Sakrament der Versöhnung soll auch eine neue Versöhnungskultur im konkreten Alltag der Familie erwachsen.
Das Projekt besteht aus vier Grundpfeilern:
Es ist also wichtig, das vertraute Umfeld der Kinder, sprich Eltern oder andere Bezugspersonen, in den Kontext von Religion und Kirche einzubinden und so den Bezug herzustellen zwischen Alltag, Kirche und Gott. Bis heute hat man mit dem Projekt vor allem positive Erfahrungen gemacht: Die Versöhnung wird als etwas Befreiendes und Schönes erfahren. Die Kinder gehen gerne hin, auch weil sie für das persönliche Gespräch ihre Bezugsperson (Katechetin, Priester, Eltern, Paten)selber wählen können und die Gespräche in einem vertrauten Umfeld stattfinden. Das Projekt versucht stufengerecht Kinder auf den Weg des Versöhnungssakramentes mitzunehmen, ohne bereits die Hochform einzuüben und zu praktizieren.
Weitere Infos zum Projekt Versöhnungskultur
Fachstelle Religionspädagogik
Mittelstrasse 6a 3012 Bern
Tel.: 031 302 39 32
E-Mail:
kathbern.ch
Internet: www.kathbern.ch/religionspaedagogik
Weitere Informationen & Kontakt
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Römisch-katholische Kirche des Kantons Bern
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12.09.2006
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