«Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass die Christen während des Jubiläums über die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit nachdenken. [....].» Papst Franziskus. Foto: Pia Neuenschwander

Die 7 Werke der Barmherzigkeit

Die Sieben und das Christentum – wo es um diesen Zusammenhang geht, fehlen die sieben Werke der Barmherzigkeit nicht. Die Verbindung zwischen der göttlichen Zahl und dem Kern der christlichen Botschaft ist frappant.

Der Evangelist Matthäus hat das, was christliches Leben ausmacht, nicht irgendwo in seinem Evangelium festgehalten. Er hat ihm bewusst einen zentralen Platz zugewiesen und damit seine Bedeutung unterstrichen – in der sogenannten Gerichtsrede, die Jesus wenige Tage vor seiner Passion hielt (Mt. 25, 31–46): «Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.»

Das sind doch nur sechs Werke der Barmherzigkeit, werden jetzt jene einwenden, die genau nachgezählt haben. Stimmt. Das siebte – Tote bestatten – wurde erst vom Kirchenvater Lactantius (ca. 250–317) hinzugefügt. Heute ist der Kanon der sieben Werke der Barmherzigkeit im römischen Katechismus fixiert, wobei zusätzlich zu den sieben «leiblichen» Werken noch sieben «geistliche» aufgeführt sind: «Die Unwissenden lehren, die Zweifelnden beraten, die Trauernden trösten, die Sünder zurechtweisen, den Beleidigern gern verzeihen, die Lästigen geduldig ertragen, für die Lebenden und Verstorbenen beten.»

Papst Franziskus hatte für 2016 das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. In der Verkündigungsbulle schrieb er: «Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass die Christen während des Jubiläums über die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit nachdenken. Das wird eine Form sein, unser Gewissen, das gegenüber dem Drama der Armut oft eingeschlafen ist, wachzurütteln und immer mehr in die Herzmitte des Evangeliums vorzustossen, in dem die Armen die Bevorzugten der göttlichen Barmherzigkeit sind. Die Verkündigung Jesu nennt uns diese Werke der Barmherzigkeit, damit wir prüfen können, ob wir als seine Jünger leben oder eben nicht.»

Anlässlich des 800. Geburtstags der heiligen Elisabeth von Thüringen (2007), einer Symbolfigur der Barmherzigkeit, hat der Erfurter Bischof Joachim Wanke eine Übersetzung der sieben Werke «in unsere Zeit» angeregt. Seine aktualisierte Version lautet: «Einem Menschen sagen: ‹Du gehörst dazu›. Ich höre Dir zu. Ich rede gut über dich. Ich gehe ein Stück mit dir. Ich teile mit dir. Ich besuche dich. Ich bete für dich.» Ob in dieser oder in der herkömmlichen Fassung: Die sieben Werke der Barmherzigkeit «sind bis heute die Grundlage einer zivilen Gesellschaft» (Klappentext zu «Ohne Liebe ist alles nichts», Bonifatius Verlag). Um diese zu erhalten, ist das Engagement der Christen gefordert. So sagt der Luzerner Theologe Fulbert Steffensky: «Wir leben in einem Haus, das auf dem Fundament dieser grossen Lebensvision gebaut ist. Wohin sollten wir gehen, wenn wir es verlassen?»

Synes Ernst


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19. April 2017
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