News-Artikel

Patricia Lehmann, Präsidentin der Kirchgemeinde Seeland-Lyss, in ihrem Garten in Rüti bei Büren. Foto: Sebastian Schafer

Leitungsteam des Pastoralraums Seeland: Marie-Louise Beyeler und Dr. Matthias Neufeld

Der Pastoralraum Seeland ist errichtet!

Errichtungsfeier Pastoralraum Seeland
Fotogalerie vom Wochenende. Impressionen von der Errichtungsfeier aus Lyss (FOTOS: Oswald Bärtschi).

Bildlegenden
Aus 3 mach 1: die alten Logos werden nicht mehr gebraucht. Die Pfarrei heisst neu Maria Geburt Lyss-Seeland (oben links)
Gruppenfoto mit Bischof Felix Gmür. Die pastoralen Verantwortlichen aus Lyss, Büren und Ins-Täufelen beim Pfarreizentrum Lyss am vergangenen Wochenende (oben rechts)
 Gottesdienst. Bischof Felix errichtet den Pastoralraum und die gemeinsame Pfarrei. „En churze Chut“ war das (unten links)
Von Gospel bis traditionell-europäischem Kirchenlied. Gelungene Begleitung der Feier durch den Kirchenchor. (unten rechts)

Stimmungsvolle Feier in Lyss

Am vergangenen Wochenende errichtete Bischof Felix Gmür in der Pfarrkirche in Lyss den neuen Pastoralraum Seeland. Dieser umfasst die Pfarreien Lyss, Ins-Täufelene und das Pfarr-Rektorat Büren umfassen. Gleichzeitig schlossen sich diese Orte auch zu einer Pfarrei zusammen. Es war eine stimmungsvolle Feier.

Das grosse Engagement der Beteiligten auf dem Weg hin zu diesem Pastoralraum wurde deutlich. Viel Arbeit war nötig. Bischof Felix dankte den Menschen, die diesen Weg, diesen Prozess gegangen sind und nun weitergehen. In seiner Predigt wies er darauf hin, dass wir hier ein Vorbild haben, Jesus Christus. In seinem Geiste „sind wir“, wie der Bischof betonte. Das Christentum schreibe nicht in erster Linie vor, Gott sage jedem einzelnen „du bist“. „Wir sind also angenommen, geliebt, von Gottes Geist erfüllt.“

Mit einem sommerlichen Apéro klangen die Feierlichkeiten bei einem guten Glas Wein aus. Allen Beteiligten viel Glück und Gottes Segen.

Andreas Krummenacher



Hier lesen Sie die Interviews mit den Verantwortlichen Marie-Louise Beyeler, Matthias Neufeld und Patricia Lehmann.

«Den Glauben bei allen Generationen ins Spiel bringen»

Das Leitungsteam Marie-Louise Beyeler und Matthias Neufeld im Gespräch mit Anouk Hiedl, Bistum Basel

Anouk Hiedl: Der neue Pastoralraum Seeland wird die Pfarreien Lyss, Büren an der Aare und Ins umfassen. Frau Beyeler, Herr Neufeld, was wird für die katholischen Gläubigen des Seelands damit anders?
M.-L. Beyeler: Sie gehören jetzt zur einen grossen Pfarrei Seeland. Das mag für einige auch mit Wehmut verbunden sein – die einzelnen Pfarreien sind recht „jung“, es gibt bei vielen Gläubigen noch Erinnerungen an die Gründerzeiten und damit auch eine starke Identifikation mit „ihrer“ Pfarrei. Wir stellen jedoch fest, dass die Gläubigen vermehrt beides schätzen: Gottesdienste, Wallfahrten oder andere Anlässe, für die man auch gerne ein Stück fährt, daneben aber auch das von allen getragene kirchliche Leben in den Pfarreizentren.

M. Neufeld: Wir haben unsere Gläubigen während des Pastoralraumprojekts gefragt, was es für sie bedeutet, wenn die bisherigen Pfarreien zu einer neu umschriebenen Pfarrei zusammenwachsen. Wichtig ist für die Menschen die Beheimatung vor Ort und dass sie eine Ansprechperson haben. Das deckt sich mit der Beobachtung aus der Situationsanalyse – die Pfarreizentren sind Anknüpfungs- und Knotenpunkte für das kirchliche Leben im Seeland. In dieser Hinsicht wird sich gar nicht so viel ändern. Auch im neuen Pastoralkonzept legen wir Wert auf die Entwicklung und Pflege des kirchlichen Lebens an unseren vier Standorten in Ins, Täuffelen, Lyss und Büren a. A.

Setzen Sie neue Schwerpunkte?
M. Neufeld: Das Pastoralkonzept gibt die Möglichkeit, wichtige Themen so zu verankern, dass die Seelsorgenden sich ihnen kontinuierlich und nachhaltig widmen können. Ein wichtiges Thema bei uns sind z. B. die Flüchtlinge. Von der Pfarrei Lyss ausgehend hat sich in den vergangenen Jahren die Freiwilligengruppe „Tea & Talk“ gebildet, die zusammen mit dem Durchgangszentrum Aktivitäten für die Asylanten durchführt. Eines unserer neuen Ziele wird sein, diese Freiwilligengruppe strategisch zu fördern. Ein weiterer Schwerpunkt – „Kultur und Dialog“ – steht im Zeichen des Dialogs mit der Gesellschaft, mit Kunst und Kultur und mit den Religionen in unserem Umfeld. Hier geht es letztlich um das Motto „den Glauben ins Spiel bringen“ aus dem pastoralen Entwicklungsplan.

M.-L. Beyeler: Ja, zum Beispiel im Bereich Diakonie. Wichtige Anliegen sind die Synergie-Nutzung und das Zusammenfassen bisheriger Tätigkeiten. An allen Standorten wird viel getan, nun wollen wir unsere Aktivitäten koordinieren. Auch in der Katechese wird möglichst bald ein Konzept erarbeitet, das die Zusammenarbeit ermöglicht und fördert. Dabei wollen wir der Tatsache Rechnung tragen, dass sich die Katechese verändert hat: Wir möchten uns vermehrt dafür einsetzen, den Glauben bei allen Generationen ins Spiel zu bringen.

Gibt es ein Thema, das die Gläubigen im Pastoralraum begleitet?
M.-L. Beyeler: Im Lauf des Prozesses haben wir das Leitbild vom Seelsorgenetz entwickelt: Wir wollen miteinander dafür sorgen, dass im ganzen weiten Gebiet der neu umschriebenen Pfarrei Seelsorge geschieht, dass Mitarbeitende und Freiwillige für Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen da sind.

M. Neufeld: Mit unserem „Seelsorgenetz“ setzen wir den Auftrag des Bistums um, „auf vielfältigere Weise Menschen nahe zu sein“. Im Blick auf die Gemeinschaft und die Zusammenarbeit im Pastoralraum ist es das Ziel, dass möglichst alle vernetzt sind und das Netz halten. Im Blick auf die konkrete Seelsorge ist es der Wunsch, dass Menschen ins Netz greifen und von ihm gehalten werden.

Was lief bei den Vorbereitungen des Pastoralraums gut? Was bereitete Schwierigkeiten?
M. Neufeld: Die Voraussetzungen für das Pastoralraumprojekt waren sehr gut. Die Pfarreien gehörten zu einer Kirchgemeinde, die das Projekt unterstützt. Die Seelsorgenden kamen seit Jahren regelmässig zu Koordinationssitzungen und für die Planung gemeinsamer Anlässe zusammen. Schwierig bzw. komplex wurde es, als wir während des Projektverlaufs auf das Pastoralraummodell einer „Grosspfarrei“ Seeland umgeschwenkt sind. Da ist einiges auf die Projektgruppe zugekommen: Nach aussen hin musste die eine neue Pfarrei gut kommuniziert werden; intern wurde die Frage der Pastoralraumleitung nochmals diskutiert; die notwendigen „Umbaumassnahmen“ auf die eine Pfarrei hin mussten eingeleitet und in Angriff genommen werden.

M.-L. Beyeler: Wir sind „de bonne foi“ in den Prozess gestartet, als Seelsorgeteam hatten wir ja bereits zuvor partiell zusammengearbeitet. Wir sahen von Beginn an deutlich, dass wir mit den Pastoralraum nicht für den heutigen Personalbestand in der katholischen Kirche im Seeland gestalten, sondern für die Zukunft, für Zeiten, in denen weniger Seelsorgende hier tätig sein werden. Schwierigkeiten tauchten da auf, wo wir die Pfarrei-Mäuerchen überwinden, uns Gemeinsames vornehmen mussten. Da waren auf einmal geografische Distanzen, Pfarreikulturen, Festhalten an Gewohntem ein Thema – und wir stagnierten. Es war nötig und ist im Rückblick ein Segen, dass uns dann unsere Projektbegleiterin Theres Spirig Huber anfeuerte und auf neue Denk-Wege schickte.

Gibt es neue Ansprechpersonen für die Gläubigen?
M. Neufeld: An neue Gesichter müssen sich die Gläubigen nicht gewöhnen. Allerdings teilen wir unsere Zusammenarbeit im Seelsorgeteam nach territorialen und kategorialen Gesichtspunkten neu auf. So gibt es für jedes der vier Pfarreizentren eine Ansprechperson aus dem Seelsorgeteam, welche für die Koordination der Arbeiten und Anlässe vor Ort zuständig ist. Für einige Bereiche wie Katechese, Kirchenmusik und Administration sind künftig kategoriale Ansprechpersonen für den ganzen Pastoralraum tätig. Das entlastet die bisherigen Gemeindeleiter, welche dadurch mehr Ressourcen für die Umsetzung der pastoralen Schwerpunkte bekommen.

M.-L. Beyeler: Jein. So ist im Pfarreizentrum Lyss wie bisher Diakon Thomas Weber zuständig für die Seelsorge, im Pfarreizentrum bleibt dies Eberhard Jost. Im Pfarreizentrum Täuffelen ist die Katechetin und Jugendarbeiterin Magdalena Mühling vor Ort, in Büren a. A. übernimmt neu der Theologe Jerko Bozic die Koordination und ist mit mir zusammen Ansprechperson für die Gläubigen.

Was wünschen Sie sich für den Pastoralraum Seeland?
M. Neufeld: Dass der Glaube wächst und gedeiht, und die Menschen im Pastoralraum die Früchte des Glaubens miteinander teilen und geniessen.

M.-L. Beyeler: Die Begleitung des Heiligen Geistes!

Interview: Anouk Hiedl, Bistum Basel

 

Die Zeichen der Zeit

Das «pfarrblatt» im Gespräch mit Patricia Lehmann, Präsidentin der Kirchgemeinde Seeland-Lyss

Patricia Lehmann präsidiert die Kirchgemeinde Seeland-Lyss. Diese umfasst die zwei Pfarreien Lyss und Ins-Täuffelen sowie das Pfarr-Rektorat Büren. Nun werden diese Einheiten im Pastoralraum Seeland vereint. Ein Gespräch über die Zeichen der Zeit.

«pfarrblatt»: Was bedeutet für Sie die Errichtung des Pastoralraumes Seeland?
Patricia Lehmann: Neben der bereits bestehenden Kirchgemeinde gibt es jetzt auch aus den Pfarreien und dem Pfarr-Rektorat eine einzige Pfarrei mit vier Zentren. Gespräche gab es zur Benennung der Pfarrei. Die Kirchgemeinde heisst Seeland-Lyss, wir wollten die Namensgebung eigentlich vereinheitlichen. Das Bistum hat uns aber darauf verpflichtet, den Ort, wo die Pfarrkirche des neuen Pastoralraumes ist, voranzustellen. Das ist Lyss. Deshalb heisst die Pfarrei jetzt Maria Geburt Lyss-Seeland.

Hätten Sie diese Veränderungen auch ohne den Impuls des Bistums angepackt?
Nein, ich glaube nicht. Aber wir sind schon immer eine Kirchgemeinde über das ganze Gebiet gewesen. Deshalb ändert aus staatsrechtlicher Sicht gebietsmässig bei uns nichts, ausser dass wir jetzt eine Pfarrei mit vier Standorten sind. Unsere Vielfalt bleibt gewahrt. Die Kirchenmitglieder können weiterhin an ihren gewohnten Orten die Kirche und die Anlässe besuchen. Firmungen, Erstkommunionfeiern usw. werden nicht zentralisiert.

Die Pfarreizentren bleiben also bestehen, nur die Strukturen werden verändert?
Ja. Wir lösen die bisherigen Pfarreikommissionen auf und haben vor, neue Fachkommissionen und je einen Zen- trumsrat zu schaffen. Der Zentrumsrat soll sich mit dem Leben und den Bedürfnissen der Kirchenmitglieder befassen und gleichzeitig als Gesprächspartner für die Seelsorger dienen. Zum Austausch zwischen Gläubigen und der Kirche wollen wir Sorge tragen. Wir beschäftigen Seelsorgende mit ihren jeweiligen eigenen Charakteren. Schon heute wählen die Kirchenmitglieder aus, wohin sie in den Gottesdienst gehen. Dies wird so bleiben.

Was ist Ihnen persönlich wichtig?
Mein Mann und ich leben eine offene kirchliche Gebundenheit. Unsere Kinder sind katholisch getauft. Mein Mann ist reformiert, wir leben unsere Ökumene seit 37 Jahren. Die Ökumene ist nicht nur im Reformationsjahr ganz wichtig für unsere Region. Die läuft hier sehr gut.

Kirchliche Offenheit war in Ihrer Biographie immer schon prägend?
Mein Vater ist ein Walliser, meine Mutter war eine Freiburgerin, das war eine eher traditionelle Mischung. Wir gingen jeden Sonntag in die Kirche. Da war schon eine eher kirchlich strengere Erziehung, jedoch mit einer Offenheit gegenüber Veränderungen und anderen Landeskirchen.

Wie haben Sie das mit Ihren Kindern gemacht?
Als Mutter will man Vorbild sein, wir besuchten die Gottesdienste gemeinsam. Der Kirchenbesuch hat sich natürlich verändert. Geblieben ist das offene Reden über den Glauben, die Kirche, den Papst oder die jeweiligen aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen am Familientisch. Ja, ich bin grundsätzlich offener geworden und habe mir dabei einen kritischen Geist bewahrt.

Was heisst das?
Bei der Stellung der Frau müsste unsere Kirche vorwärtsmachen. Ein gutes Beispiel dafür sehe ich an unserer Theologin Marie-Louise Beyeler. Sie wird neu Pastoralraumleitende. In dieser Funktion wird sie mit unserem designierten leitenden Priester Matthias Neufeld den Pastoralraum führen.

Der Pastoralraum ist also auch eine Antwort auf die prekäre Personalsituation?
Im Moment sind wir im Seeland noch gut dran. Wir können aber in Zukunft gezielter Personal suchen, nach Eignung und Fachgebiet, wir können Synergien nutzen und die Finanzen bündeln. Auf die Zukunft hin sind wir mit dem Pastoralraum sicher flexibler aufgestellt.

Sie glauben daran, dass auch die Kirchenmitglieder direkt profitieren werden?
Am Anfang waren bei den Pfarreiangehörigen Unsicherheiten da, etwas Gewohntes zu verlieren. Wir haben an Informationsveranstaltungen in den Pfarreien und im Pfarr-Rektorat aber Vertrauen schaffen können. Die Ansprechpersonen vor Ort bleiben. Der Pastoralraum nimmt ja auch ein Verhalten auf, das unsere Kirchenmitglieder leben. Sie wählen aus, wo sie mitmachen wollen. Ich bin überzeugt, dass wir für die Zukunft eine gute Lösung gefunden haben. An dieser Stelle möchte ich dem Pastoralraum-Projektteam ein grosses Lob aussprechen und ganz herzlich danken.

Interview: Jürg Meienberg

17. Mai 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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