Cercle de silence gegen Homophobie in Bern, 2016. Bild: Zürcher

Im Zeichen des Regenbogens

Das Bistum Basel bietet neuerdings Seelsorge explizit für lesbische, schwule, bi-, trans- und intersexuelle Menschen (LSBTI) an. Unter dem Begriff «Regenbogenpastoral» hat Bischof Felix Gmür einen Arbeitskreis für die Anliegen von LSBTI-Personen ins Leben gerufen. Dies liess das Bistum in einer Medienmitteilung vergangene Woche verlauten. Die Arbeitsgruppe, in der auch die Pastoralverantwortliche Barbara Kückelmann mitarbeitet, wurde in Zusammenarbeit mit Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen aufgebaut. Auf Nachfrage sagt Barbara Kückelmann, dass im Arbeitskreis selber auch engagierte Seelsorgende mitarbeiten würden, die nicht der Zielgruppe angehörten.

Für die Verantwortlichen stehe die spirituelle Begleitung von LSBTI-Personen sowie deren Angehörigen im Zentrum, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Barbara Kückelmann ergänzt, dass auch Grundlagen für eine LSBTI-Pastoral entwickelt werden sollen, «die Vorurteile in der Gesellschaft abzubauen hilft: Vorurteile gegenüber Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihres geschlechtlichen Selbstverständnisses auf Unverständnis oder Ablehnung stossen, inner- oder ausserhalb der Kirche». In diesem Sinne richte sich die «Regenbogenpastoral» einerseits an die Betroffenen, gleichzeitig aber auch an alle im kirchlichen Dienst Tätigen: Die Arbeitsgruppe setze sich ein für eine Sensibilisierung gegenüber den Anliegen von LSBTI-Personen und den gemeinsamen Dialog, erklärt Barbara Kückelmann.

Der Arbeitskreis äussere sich explizit nicht zur geltenden katholischen Morallehre. Darum gehe es der «Regenbogenpastoral» auch nicht, ergänzt Barbara Kückelmann. Vielmehr sei ein ganzheitliches seelsorgerisches Angebot das Ziel, bei dem die Probleme und Bedürfnisse einzelner Personen im Zentrum stehen würden. Entsprechend gehe die Arbeitsgruppe mit der Frage nach der Segnung von LSBTI-Personen um. Jeder Mensch dürfe um den Segen Gottes bitten. Es sei Ziel der Arbeitsgruppe, das Bewusstsein zu fördern, dass jeder Mensch von Gott geliebt und angenommen sei, unabhängig seines Geschlechts oder seiner sexuellen Ausrichtung. Nichtsdestotrotz, Segnungen von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften seien noch nicht möglich, erläutert sie. Was ihr aufgefallen sei, so Barbara Kückelmann, seien die Reaktionen auf die Medienmitteilung. Es habe praktisch keine negativen Rückmeldungen gegeben, was sehr erfreulich sei. Jedoch seien Rückfragen fast ausschliesslich auf die Arbeitsgruppe als Anlaufstelle für homosexuelle Menschen bezogen gewesen. Dass auch inter-, trans- oder bisexuelle Personen im Fokus der «Regenbogenpastoral» stehen würden, sei vielfach ausgeblendet worden. Ebenso seien in der Berichterstattung der Medien die Angehörigen nicht erwähnt. Für Barbara Kückelmann vielleicht ein Zeichen dafür, «wie wenig das Bewusstsein um diese Menschengruppen entwickelt ist».

In der Vergangenheit sind betroffene Menschen oft durch Äusserungen oder eine bestimmte Praxis der Kirche verletzt oder diskriminiert worden. Noch sind nicht alle Fragen und Widersprüche aufgelöst. Der Arbeitskreis «Regenbogenpastoral» Bistum Basel ist nach Meinung von Barbara Kückelmann aber «ein erster und wichtiger Schritt in eine neue Praxis der Kirche LSBTI-Menschen gegenüber».

Sebastian Schafer

Bistum Basel - Regenbogenpastoral

 

 

17. Mai 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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