Luther-Ausstellung "Here I stand" in Bern eröffnet

Im katholischen Haus der Begegnung ist die informative Ausstellung mit Plakaten übers Wirken und die Auswirkungen von Luther noch bis am 7. Juli werktags zu sehen. Zur Eröffnung gab es anregende Gedanken des lutherischen Pfarrers Falko von Aldern, des katholischen Co-Dekanatsleiters Bernhard Waldmüller und seiner theologischen Mitarbeiterin Silvia Huber - hier ihr kurzes und inspirierendes Grusswort:

"Meine katholische Mutter war als junge Frau in den reformierten Käser im Dorf verliebt. Dass ihre Eltern damals während des 2. Weltkrieges eine solche Beziehung nie toleriert hätten, war ihr klar. Noch kurz vor ihrem Tod mit 93 Jahren trauerte sie um diese nie gelebte Liebe. Anfangs der 70er-Jahre haben sowohl mein Bruder als auch eine meiner Schwestern eine ökumenische Hochzeit gefeiert. 500 Jahre nach der Reformation gibt es kaum mehr theologische Gründe dafür, dass wir in zwei Konfessionen leben. Der inzwischen fast 90-jährige katholische Kämpfer für innerkirchliche Reformen, der Luzerner Hans Küng, liess kürzlich verlauten: Nur 500 Jahre Reformation feiern, ohne die Kirchenspaltung wirklich zu beenden, heisst, neue Schuld auf sich zu laden. Er fordert deshalb von der katholischen Kirche konkrete Taten in 4 Punkten:

1. Rehabilitation Martin Luthers

2. Aufhebung aller Exkommunikationen aus der Reformationszeit

3. Anerkennung der protestantischen und anglikanischen Ämter

4. Gegenseitige eucharistische Gastfreundschaft

Eine 500-jährige Trennung bringt man nicht innert einer Generation wieder zusammen. Aber wir alle haben die Möglichkeit, unendlich viele Wege über alle konfessionellen Grenzen hinweg miteinander zu gehen. Es war für uns eine Freude zu hören, dass dies Bischof Felix anlässlich seines Pastoralbesuches hier in Bern ebenfalls sehr stark betonte.

Ich freue mich deshalb sehr, dass wir in unserem katholischen Haus der Begegnung eine Ausstellung über das Leben und Wirken Martin Luthers zeigen können. Ihm ging es damals nicht um eine Kirchenspaltung, sondern um eine Reform, aus tiefstem Glauben heraus. Ich hoffe, diese Ausstellung werde als Zeichen für das gemeinsame Suchen nach den Wegen zueinander verstanden. Wer weiss, wohin uns die Ökumene führen wird? Wie viele Generationen es noch brauchen wird, bis zwei sich liebende Menschen einfach das christliche Ja-Wort geben können?"

12. Mai 2017
erstellt von Kommunikationsstelle
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