Bern – St. Antonius

Video vom Gottesdienst | Interview mit Monika Aberegg | Geht Gott an die Fasnacht? | Kleine Linksammlung 

Gottesdienst zum Thema "Fasnacht"

mit Beteiligung der Berner Guggenmusig "Bäregrabeschränzer".

Guggenmesse-Video



 Achtung: lange Ladezeiten!

 Windows Media Player:Modem
Kabel
 Real Player:Modem
Kabel

 Download File auf Platte (Rechte
 Maustaste: Ziel speichern unter):
für Windows Media Player (13 MB)
für Real Player (12 MB)


  
Im "Auftrag" (Zeitschrift für lebendige Pfarrei und Kirchgemeinden) schreibt Willy Bünter: "In vielen Gegenden hat sich das Fasnachtstreiben in den letzten Jahrzehnten erheblich gewandelt. Da findet die Fasnacht vorwiegend auf Strassen und Gassen statt und ist zu einem eigentlichen Fest der Lebensfreude und der Kreativität geworden. Da sind auch die ersten Fasnachts-Gottesdienste gestaltet worden. Es macht Sinn, diese Freude auch in der Kirche zu feiern. Es gibt in jeder Pfarrei Menschen, die mit solchen Gottesdiensten Mühe haben. Darum ist es nötig, frühzeitig darauf hinzuweisen. Aber das soll nicht als Warnung geschehen, sondern als Einladung, sich unvoreingenommen auf eine neue Erfahrung einzulassen. Fasnachts-Gottesdienste können so zu einer für das Leben wichtigen Botschaft werden: Gott ist mit uns in der überbordenden Freude wie in der abgrundtiefen Trauer. Und er lädt uns ein, zu jeder Zeit mit Jesus und den vielen Menschen Gemeinschaft zu erfahren und zu feiern".

Nach den guten Erfahrungen der letzten zwei Jahre ist dies der dritte Versuch, die Fasnacht als Ausdruck von Lebensfreude und Kreativität mit dem gottesdienstlichen Feiern zu verbinden.

Franz Rosenberg, Pfarrer in der St. Antonius-Pfarrei
nach oben nach oben


Interview mit Monika Aberegg

  Monika Aberegg
Monika Aberegg, wie sind Sie zur Guggenmusik gekommen?
Das ist vor etwas mehr als 20 Jahren gewesen: Im Saal III der Dreifaltigkeitskirche wurden einige junge Erwachsene gefragt, ob sie bei einer Kinderfasnacht auftreten wollten. Wir haben zugesagt, und aus Begeisterung über diese Erfahrung gründeten wir die Guggenmusik "Bäregrabe-Schränzer".

"Bäregrabe"-Schränzer. Kann man im reformiert geprägten Bern überhaupt Fasnacht feiern?
Und ob! Wir haben eine vielseitige Fasnacht, die sich vor allem auf den Strassen und Gassen der Altstadt abspielt. Die Lauben stellen natürlich eine wunderbare Kulisse für die Gruppen dar. Wir mussten in Bern weniger auf althergebrachte Traditionen Rücksicht nehmen - dadurch entstand eine kreative, poetische Fasnacht: Sie finden hier Kostüme wie im venezianischen Karneval.

Importieren Sie Ihre Kostüme aus Venedig?
Nein, die machen wir selber! Wir haben eine Kostüm-Kommission, die schon im April damit beginnt, Ideen für die nächstjährige Fasnacht zu entwickeln. Ein Berg von Auswahlstoffen liegt auf dem Tisch; und daraus probieren wir, verwerfen, überlegen neu... In stundenlangen Sitzungen entsteht ein Motto und schliesslich ein Grundkostüm. Das macht riesig Spass! Auf der Grundlage dieses "Prototyps" nähen die Mitglieder unserer Guggenmusik ihre Kostüme dann selbst; die Hüte gestaltet jede und jeder individuell.

Wie gut muss ich ein Instrument spielen, wenn ich bei Ihnen mitmachen will?
Wenn Sie Trompete, Posaune, Susaphon oder Saxophon spielen, sollten Sie das Instrument schon einigermassen beherrschen. Für andere Instrumente braucht es vor allem Rhythmusgefühl. Wichtig ist der Samba-Rhythmus, der an den brasilianischen Karneval erinnert.

Monika Aberegg
  
Welche Stücke interpretieren Sie?
Grundsätzlich ist jedes Musikstück geeignet: Wir spielen den "kleinen, grünen Kaktus" von den Comedian Harmonists genauso wie den Gefangenenchor aus Nabucco oder ein Medley mit Schweizer Volksmusik. Entscheidend ist, dass der Funke überspringt: Wenn die Leute anfangen zu tanzen, dann ist unser Ziel erreicht. Wenn man bei einem Musikstück nicht etwas spürt von der Freude, die wir beim Spielen haben, nehmen wir es bald wieder aus dem Repertoire.

In den nächsten Tagen kommen Sie wenig zum Schlafen...
Allerdings! Die Berner Fasnacht beginnt am Donnerstag nach Aschermittwoch, um 20.00 mit der Bärebefreiig und endet am Samstag, irgendwann in der Nacht. Wir spielen beim Maskenball im Alten Tramdepot und am Freitag und Samstag auf den Bühnen, die in der Altstadt aufgebaut sind. Für einen Auftritt in einem Berner Altstadtrestaurant sind wir zu gross.

Sie haben am Sonntag im Gottesdienst in St. Antonius gespielt.
Das war ein wunderbares Erlebnis. Die Idee ist: Alles, was zum Leben gehört, darf auch in einem Gottesdienst erscheinen. Und darum eben auch die Freude, der Spass, das Gemeinschaftserleben, das in unserer Musik und in den Kostümen zum Ausdruck kommt. Da halte ich es mit Theresa von Avila: "Wenn Rebhuhn dann Rebhuhn, wenn Fasten dann Fasten".

Was empfehlen Sie einem Fasnachts-Neuling, der die Berner Fasnacht kennenlernen möchte?
Gehen Sie am Freitagabend in die Stadt! Da herrscht die beste Stimmung. Besonders schön ist es natürlich, wenn man in einer Gruppe geht, die vielleicht sogar gleich kostümiert und geschminkt ist. Aber auch allein kann man den besonderen Charakter der Berner Fasnacht erleben.

Woran erkennt man die Bäregrabe-Schränzer dieses Jahr? Welches Kostüm tragen Sie?
Das wird noch nicht verraten. Nur so viel: Achten Sie auf die Zahl 20. Wir lassen unser Gründungsjubiläum in das Kostüm einfliessen.

Monika Aberegg, danke für das Interview. Viel Spass an der Fasnacht und viel erholsamen Schlaf - hinterher!

Das Interview mit Monika Aberegg führte Hubert Kössler.
nach oben nach oben


Geht Gott an die Fasnacht?

Fasnacht, Fasching, Karneval. Hier in Bern merkt man davon nicht so viel wie in anderen Kantonen oder Ländern. Und doch gibt es auch hier Umzüge, verkleidete Menschen auf der Strasse, Guggenmusik. Sogar in Geschäften und Ämtern sind manche maskiert.

Ich persönlich tue mir ein bisschen schwer damit. "Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht"? Muss ich nicht unbedingt haben. Zugegeben, vielleicht könnte ich da etwas mehr Lockerheit vertragen. Aber das ist wohl eine Frage der Mentalität - spontan sein kann man ja auch nicht auf Befehl.

Das ändert aber nichts daran, dass ich mich freue, wenn ich Kostümierte sehe. Und ich denke mir: Vielleicht verbirgt sich dahinter ein Ur-thema der Menschen. Wer von uns möchte nicht einmal jemand anders werden? In eine andere Rolle schlüpfen. Einmal so sein, wie ich mich sonst nie zeige - aber in Wirklichkeit vielleicht gerade bin. Einmal ausbrechen aus dem Korsett, in das mich der Alltag so oft zwängt. Einmal ausgelassen sein, ohne Angst, dadurch mein Gesicht zu verlieren. Sich wie neugeboren fühlen. Das wäre mal was.

Sich verwandeln. Verwandelt werden. Neugeboren werden. Ein zentrales Thema auch im Glauben, in der Religion. Denn da geht es ebenfalls um Wandlung: Dass ich beschenkt werde mit der Gnade, nicht immer der gleiche bleiben zu müssen. Dass ich so werden darf, wie ich im tiefsten Grunde bin. Vielleicht ist ja mein Alltagsgesicht die eigentliche Verkleidung. Und dass ich, wenn ich mich demaskiert habe, dann auch angenommen und geliebt werde. "Christ sein bedeutet das Recht, ein anderer zu werden", hat Dorothee Sölle einmal gesagt.

Die Bibel ist voll von Geschichten, in denen Menschen eben dies erfahren. Sie wagen es, ein anderer zu werden, und erfahren gerade darin Bestätigung, Sinn, Liebe. Darum müsste es Gott auf einem Maskenball an sich recht gut gefallen. Ob er wohl ab und zu hingeht, wenn er gerade Zeit hat? Wer weiss.

Vielleicht probiere ich dieses Jahr doch einmal ein Fasnachtskostüm an.

Hubert Kössler
nach oben nach oben


Kleine Linksammlung zum Thema Fasnacht

Geschichte der Berner Fasnacht: mypage.bluewin.ch/dwenger/bgschraenzer/cdf_gesc.html
Homepage der Bäregrabe Schränzer Bärn: www.baeregrabe-schraenzer.ch/ oder
www.susiregister.ch/
Kulturgeschichtliche Hintergründe: www.narren-spiegel.de/Texte/fasnachtsfuehrer.htm
Programm und Informationen zur Berner Fasnacht: www.baernerfasnacht.ch
Dachorganisation helvetischer Fasnachtsgesellschaften: www.hefari.ch
Linksammlung schweizerischer Guggenmusiken: www.guggemusig.ch

Übersicht ArchivÜbersicht Archiv    nach oben nach oben