Die Kirchgemeindeversammlung stimmt dem Budget 2022 zu.
Foto: Niklaus Baschung

Der Werterhalt ist wichtig

Verwalter Pascal Bord beantwortet häufig gestellte Fragen zum Budget der Kirchgemeinde Biel und Umgebung.

Verwalter Pascal Bord beantwortet häufig gestellte Fragen zum Budget der Kirchgemeinde Biel und Umgebung.
 

Es ist anspruchsvoll, ein Budget für die Kirchgemeinde zu erstellen. Welche Faktoren müssen berücksichtigt werden?

Pascal Bord: Am schwierigsten ist es, eine Prognose zur Höhe der Steuereinnahmen zu machen. Diese sind abhängig von der Entwicklung des Bruttoinlandprodukts. Die Kirchgemeinde Biel und Umgebung nimmt 30 Prozent ihrer Steuereinnahmen von juristischen Personen ein. Das ist ein viel höherer Anteil als in anderen Kirchgemeinden der Schweiz. Auf der Ausgabenseite haben wir keinen Einfluss auf die Rohstoffpreise – so sind etwa die Papierkosten mit der Pandemie um 30 Prozent gestiegen. Hingegen ist bei den Gebäuden nicht mit überraschenden Ausgaben zu rechnen, weil deren Unterhalt laufend gemacht wird.

Die Kirchgemeinde hat auch einen Finanzplan für die nächsten fünf Jahre erstellt. Dieser geht von steigenden Personalkosten bei konstanten Steuererträgen aus. Was bedeutet dies?

Ein Personalabbau ist nicht vorgesehen. Die steigenden Personalkosten erklären sich mit geplanten 1.5 Prozent Lohnerhöhung pro Jahr. Nach der Coronakrise ist mit einer Erholung der Steuererträge zu rechnen. Dank unserer Reserven von zwei Millionen Franken können wir die Differenz zwischen Steuererträgen und steigenden Personalkosten kompensieren.

Im Zusammenhang mit dem Budget ist immer wieder von einer «Spezialfinanzierung» die Rede, die als Reserve gebildet wurde. Aus welchen Beweggründen?

Im Jahr 2019, als die Kirchgemeinde einen nicht zu erwartenden Gewinn machte, hat die Kirchgemeindeversammlung der Bildung dieser Reserve zugestimmt, um für schlechtere Jahre gewappnet zu sein.  Die Spezialfinanzierung ist für den Gebäudeunterhalt fixiert. Indirekt werden damit aber die Personalkosten unterstützt. Bei sinkenden Steuereinnahmen werden die Ausgaben für das Personal nicht gekürzt, dafür wird ein Teil der Gebäudeunterhaltskosten von dieser Reserve übernommen.

Bei der Darstellung des Budgets werden spezielle Begriffe verwendet. Besonders wichtig ist das Kürzel «HRM2». Was ist darunter zu verstehen?

Das Harmonisiertes Rechnungsmodell 2 ist ein Rechnungsauslegemodell, welches der Kanton für alle politischen und kirchlichen Gemeinden verpflichtend eingeführt hat. Der Hauptvorteil von HRM2» ist, dass nun Vergleiche zwischen den verschiedenen Gemeinden gemacht werden können, weil alle ihre Rechnung mit demselben Standard darstellen.

Die Kirchgemeinde stellt den Pastoralverantwortlichen der vier Sprachgruppen die Finanzmittel nach einem festgelegten Verteilschlüssel zur Verfügung. Wie sieht dieser aus?

Vor rund zehn Jahre wurde dieser Schlüssel definiert mit der Idee, die jedes Jahr wieder auftretenden emotionalen Diskussionen zu stoppen. Dreissig Prozent des Gesamtbudgets für die Pastoral wird gleichmässig auf die vier Sprachgruppen (deutsch, französisch, italienisch, spanisch) verteilt. Denn alle Sprachgruppen haben Grundausgaben, etwa für die Gottesdienste oder die Katechese, unabhängig von der Anzahl ihrer Mitglieder. Die restlichen 70 Prozent des Pastoralbudgets wird den Sprachgruppen nach ihrer jeweiligen Mitgliederzahl vergeben.

Wer entscheidet, für welche Zwecke die Gelder der Pastoral verwendet werden?

Jede Sprachgruppe erhält nach dem oben genannten Schlüssel einen Budgetrahmen. Innerhalb dieses Rahmens ist die Pastoral frei, ob sie die Mittel eher für die Katechese, Seniorenaktivitäten, Jugendarbeit oder weiteres verwenden will. Als Verwalter schlage ich technische Varianten vor, aber diese sind nicht bindend. Der Kirchgemeinderat genehmigt schliesslich das Pastoralbudget, ohne dabei inhaltlich Einfluss zu nehmen.

Dienstleistungen und Aufgaben, welche die gesamte Kirchgemeinde betreffen, werden direkt durch diese verwaltet. Was sind die wichtigsten?

Dazu gehören die Medien, wie der Angelus, der Gebäudeunterhalt, die «Eine Welt- Kommission» mit der Spendenverteilung, die Sozialkommission mit der Unterstützung sozialer Institutionen hier in Biel. Auf kantonaler Ebene finanzieren wir die Landeskirche, die Caritas. Die Kirchgemeinde spricht auch Beiträge für ökumenische oder gesamtschweizerische Projekte und Institutionen.

38 Prozent der Mittel werden für die Infrastruktur aufgewendet (21 Prozent für Soziales; 10 Prozent für Gottesdienste). Weshalb kann der Infrastruktur-Anteil nicht reduziert werden?

Zu den Infrastrukturkosten gehören die Ausgaben für die Hauswartdienste, für die Heizung und andere Energien, Versicherungen für einen Gebäudewert vom rund 60 Millionen Franken. Die Kosten für die Infrastruktur ergeben sich also durch den notwendigen Unterhalt zum Werterhalt der Liegenschaften. Um hier sparen zu können, müssten Gebäude verkauft werden. Und dies steht momentan nicht zur Diskussion, weil wir Katholiken dank der Migration nicht mit einem grossen Mitgliederschwund rechnen müssen.

Interview: Niklaus Baschung