MUTIG IN DIE ZUKUNFT

ES IST WICHTIG, DASS MENSCHEN INS GESPRÄCH KOMMEN. DESHALB FÜHRT DER PASTORALRAUM BIEL-PIETERLEN EINE RETRAITE DURCH.

ES IST WICHTIG, DASS MENSCHEN INS GESPRÄCH KOMMEN. ES IST WICHTIG, DASS SIE EIN ZEICHEN SETZEN. DESHALB FÜHRT DER PASTORALRAUM BIEL-PIETERLEN EINE RETRAITE DURCH.

Der Pastoralraum Biel-Pieterlen ist in seiner jetzigen Form noch sehr neu. Diskussions- und Gesprächsbedarf sind im Zuge der Coronapandemie zwischen Ängsten, Verunsicherungen und Vorschriften zu kurz gekommen. Darin tauchten sehr persönliche Fragen auf und mussten ungewohnte Wege gegangen werden. Aber auch Grundsätzliches drängte sich auf: Hätte die Kirche nicht mehr zu der Herausforderung dessen sagen müssen, was u.a. Ton Veerkamp die Welt, aber "die Welt anders" nannte. Die prägende Aussage von Dorothee Sölle "Jeder theologische Satz muss auch ein politischer sein" deutet an, in welcher und wessen Tradition auch Kirche vor Ort steht und dass mitunter quälende Finanz- und Personalfragen niemals bestimmend sein dürfen. Dabei ist es wichtig, dass Menschen im Gespräch bleiben, dass man und frau Zeichen setzt.

Daher hat das Pastoralraumteam beschlossen, im Oktober eine Retraite durchzuführen, die der Ausgangspunkt für die Formulierung eines Leitbildes des Pastoralraumes sein soll, das sich an der Mitte der Botschaft Jesu orientiert: Dem «Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit für die Erde». Dieses Leitbild soll konkret werden im Hinblick auf die verschiedenen Kategorien von Pastoral, sagen, was wir tun, konkrete Ziele benennen, die in den Dialog mit den staatskirchenrechtlichen Gremien einfliessen sollen. Stichworte sind z.B.: Ganzheitliche Solidarität, Offenheit für Unangepasste,Teilhabe, herrschaftsfreie Leitung, Vernetzung mit menschenrechtlich engagierten Frauen, Männern und Jugendlichen in Biel/Bienne und in den Dörfern statt abgrenzende Kontrastgesellschaft, liturgische Feiern als symbolische Praxis des Reiches Gottes statt magisch-dogmatischer Kult, Mitarbeit an einer Gesellschaft gleicher Würde und Teilhabe aller, Option für Arme und Bedrängte, Einsatz für eine alle Menschen fördernde und die Natur achtende Sozial-, Entwicklungs- und Friedenspolitik wie bei der Konzernverantwortungsinitiative.

Worum es geht, machte Dorothee Sölle schon 1967 in ihrem Statement Kirche ausserhalb der Kirche mit kraftvollen Worten deutlich, die nichts von ihrer Aktualität eingebüsst haben: «Wenn die Menschen ausserhalb der Kirche als Randsiedler angesprochen werden, so liegt solchem Reden ein Denkbild zugrunde, eine bestimmte leitende Vorstellung, die sich ohne Mühe auf ein Blatt Papier zeichnen lässt. Der Mittelpunkt dieses Bildes ist Christus, um ihn herum im Kreis seine Gemeinde, die den Kern bildet. Um diesen Kreis herum gibt es in einer gewissen Entfernung noch einen weiteren Kreis, dessen Horizontlinie unterbrochen und nur gestrichelt ist – das sind die Randsiedler, deren Abgrenzung von der Kirche diffus bleibt. Ausserhalb dieses zweiten Kreises findet sich dann die Welt und ihre Kinder.

Dieses Bild ist theologisch falsch. Christus ist nicht der Mittelpunkt, der von der Welt durch den Schutzwall der Kerngemeinde getrennt wäre. Auch heute hat Christus seinen Ort noch dort, wo ihn vor 2000 Jahren Jesus von Nazareth fand – bei den Zöllnern und Sündern, bei den Randsiedlern und Atheisten. Warum hat Jesus zu diesen Leuten gehalten? Weil er Menschen nicht ansah nach ihren Lebensgewohnheiten, ihren Ansichten über Gott und Unsterblichkeit, sondern nach ihren Erwartungen.»

Darum wird es gehen: Wahrzunehmen, wo sich «Kirche Jesu» ereignet – auch ohne Bekenntnis und Zugehörigkeit. Sich auf diese Menschen «seines Willens» einzulassen.

Für die Retraite konnten zwei Referent*innen gewonnen werden: Dr. Urs Eigenmann, wegweisender Schweizer Befreiungstheologe, und Jutta Lehnert, Theologin und Pastoralreferentin, die sich durch ihren mutigen Einsatz und ihre feministisch-befreiungstheologische Praxis einen Namen gemacht hat.

Sie können bei uns Ihr Interesse an der Teilnahme anmelden. Für die Diskussionen am Samstag gilt ggf. eine Teilnehmendenobergrenze. Zum Singen mit dem Cantus Cordis am Freitagabend und zum Gottesdienst mit Tafelgesang sind alle Menschen herzlich eingeladen.

Peter Bernd, Pastoralraumpfarrer

 

Programm Retraite

Datum und Ort: Freitagabend, 15. Oktober, bis Sonntag, 17. Oktober in Christkönig Biel/Bienne. Freitag: 18.00 Uhr – Offenes Singen für Familien und alle anderen mit Rebecca Zimmermann: Lustvolles Üben der Gemeindelieder vom Sonntag.

Samstag: 9.00-18.00 Uhr – Werkstatttag mit Dr. Urs Eigenmann und Jutta Lehnert. Ankommen ab 9.00 Uhr; Start um 9.30 Uhr. Input, Werkstatt Gemeinde, Bibelarbeit, Ideensammlung… Gemeinsames Mittagsmahl. Anmeldung für Samstag: Bis 7. Oktober. Tel. 032 366 65 99,

pfarrei.bruderklaus@kathbielbienne.ch

Sonntag: 10.00 Uhr Gottesdienst in Christkönig für den ganzen Pastoralraum mit Tafelgesang. Musikalische Gestaltung: Cantus Cordis unter Leitung von Rebecca Zimmermann; Musiker*innen. Predigt: Jutta Lehnert. – Apéro. – Herzlich willkommen!