Besucherin der Ausstellung «Verschaff mir Recht» im Ring 3, Biel.
Foto: Niklaus Baschung

VIRUS, DER HERZEN BEFÄLLT

DIE AUSSTELLUNG «VERSCHAFF MIR RECHT» SIEHT DIE KIRCHE IN DER MITVERANTWORTUNG FÜR DIE KRIMINALISIERUNG VON LESBEN, SCHWULEN, BISEXUELLEN UND TRANSGENDER.

DIE AUSSTELLUNG «VERSCHAFF MIR RECHT» SIEHT DIE KIRCHE IN DER MITVERANTWORTUNG FÜR DIE KRIMINALISIERUNG VON LESBEN, SCHWULEN, BISEXUELLEN UND TRANSGENDER.

In über 70 Ländern der Welt sind gleichgeschlechtliche Handlungen zwischen Männern strafbar, in 47 Staaten auch weibliche Homosexualität. Fast alle diese Länder befinden sich in Afrika, Asien, der Karibik oder dem Pazifikraum. Die Strafen reichen von Geldstrafen über mehrjährigen Haftstrafen bis hin zur Todesstrafe.

In der Ausstellung «Verschaff mir Recht. Kriminalisierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender und die katholische Kirche» werden auf Bannern zehn Lebenszeugnisse aus neun Ländern gezeigt. Sie sprechen über die Auswirkungen der Kriminalisierung auf ihr Leben, über Erfahrungen von Gewalt, Ablehnung und Diskriminierung. Die Ausstellung wurde im Auftrag der ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. im Rahmen des Projekts „Gleichberechtigung von LSBT in der katholischen Kirche“ konzipiert.

Nach mehreren Stationen in den deutschsprachigen Ländern wurde die Ausstellung unterstützt vom Arbeitskreis für Zeitfragen und dem Pastoralraum Biel-Pieterlen bis Ende Juni im Ring 3 in der Bieler Altstadt gezeigt. An der Vernissage wurden Grussworte ausgerichtet von Cédric Némitz, Vizepräsident der Gesamtkirchgemeinde Biel, Peter Bernd, Leiter des Pastoralraums Biel-Pieterlen und Elisha Schneider, als Vertretung von LGBT-Menschen*.

Für Cédric Némitz sind nicht die Covid-Pandemie, nicht die Klimakrise, nicht der Krieg in der Ukraine die grösste Bedrohung für die Menschheit. «Es ist eine versteckte Gefahr, es ist das Gift des Hasses. Es ist ein Virus, welcher den Geist und das Herz befällt.» Er sieht die Kirchen in der Verantwortung, sich für die Freiheit aller Menschen einzusetzen.

Das sieht auch Elisha Schneider so und zeigt sich gleichzeitig dankbar, in der Schweiz einer Kirche anzugehören, welche sich Mühe gibt, Transgender Menschen einzugliedern. Wer sich Christ oder Christin nenne, stehe in der Pflicht, sich gegen Diskriminierungen weltweit zu engagieren.

Peter Bernd versteht die Kirche als mitschuldig für die Verbrechen an Transgender Menschen, indem sie Gesellschaften stütze, in denen LGBTIQ-Menschen um ihr Leben fürchten müssen, weil sie durch Äusserungen einflussreicher Repräsentanten weltweit Hass und Ressentiments befördern. Wir müssten die Kirchen auftun, erklärt er, lesen was leidenschaftliche Frauen und Männer an befreiender Theologie erarbeitet haben und diese in die Praxis umsetzen. Kein Mensch soll vom Sakrament der Ehe oder einem anderen Sakrament ausgeschlossen werden. «Wir segnen auch Menschen die aus zerbrochenen Beziehungen, Abstürzen und Abgründe des Lebens zu uns kommen.»

Niklaus Baschung