Impuls am Puls 2026 - «Queer, trans und vieles mehr» - Gottes Ebenbild ist bunt
«Und? Was ist es denn geworden? Ein Bub oder Meitschi?» Die Standartfrage an frischgebackene Eltern zeigt es deutlich: Der Wunsch nach rosa und hellblauer Eindeutigkeit bestimmt immer noch unser Menschenbild und unsere Sicht auf die Geschlechter. Dabei ist Gottes Ebenbild bunt – Menschen können sich als queer, trans, gleichgeschlechtlich liebend und vieles mehr erfahren. Die Vielfalt ist gross – die Akzeptanz klein. Wie kommen wir hin zu einer lernenden Kirche und Gesellschaft, in der die ganze vielfältig bunte Palette menschlicher Existenz gesehen wird? Wer sind denn «diese Menschen» überhaupt und was sagen sie über sich und ihr So-Sein in einer Welt, die vorgibt zu wissen, was «normal» ist?
Vier Impulsredner:innen erzählen dazu aus ihrem je eigenem Fachgebiet. Im Anschluss an den Gottesdienst laden wir zum Apéro-Talk mit den Referent:innen ein. Flyer
Sonntag, 17. Mai, 09.30 Uhr
Moni Egger, Dr. theol., Bibelwissenschaftlerin, Märchen- und Bibelerzählerin spricht zum Thema: Von männlich bis weiblich – nach Gottes Ebenbild.
Im Schöpfungslied von Genesis 1 wird die Schöpfung in ihrer ganzen Vielfalt bejubelt. Gott erschafft Lebensraum – von Himmel bis Erde alles – und Lebewesen: Tiere für alle Lebensbereiche (Wasser, Luft, Erde) und Menschen – von männlich bis weiblich alle. In fast allen modernen Übersetzungen ist diese Stelle falsch übersetzt. So schreiben sowohl die Luther- wie auch die Zürcherbibel in Gen 1,27, Gott habe die Menschen "als Mann und Frau" geschaffen. Im hebräischen Text stehen hier aber Adjektive. Wie verändert sich das Menschenbild, wenn wir die hebräische Fassung ernst nehmen? Und welche Auswirkungen ergeben sich daraus auf das Gottesbild?
Sonntag, 30. August, 09.30 Uhr
Csongor Kozma, Direktor der Paulus Akademie spricht zum Thema: Gottes Ebenbild aus dem Blickwinkel der politischen Philosophie
Aus der Perspektive der politischen Philosophie betrachtet, repräsentiert "Gottes Ebenbild" ein universelles Prinzip von Menschenwürde und Menschenrecht. Dieses Prinzip ist in Bezug auf queere Menschen relevant, da es eine Basis für deren Nichtdiskriminierung bildet; es fordert nicht nur die Anerkennung der individuellen Identität, sondern auch der Vielfalt in der Gesellschaft.
Eine Gesellschaft, die «Gottes Ebenbild» als ethischen Kompass ernstnimmt, muss eine Gesellschaft sein, in der jeder Mensch – unabhängig von Geschlecht, Identität oder sexueller Orientierung – die gleiche Würde und die gleichen Rechte genießt, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt ist.
Sonntag, 15. November, 09.30 Uhr
Elke Pahud de Mortanges, apl. Prof. Dr. theol. an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg i.Br. und wiss. Mitglied des Freiburger Zentrums für Anthropologie und Gender spricht zum Thema: Ich bin Ich - Innenansichten aus dem Da_Zwischen
«Na Du. Was bist denn Du? Bub oder Meitschi?» Diese Frage, so Kim de l’Horizon, sie kommt eigentlich immer. Alok Vaid-Menon antwortet darauf: «Ich bin beides: Mann und Frau. Und zugleich weder Mann noch Frau. Ich bin Ich. Ich wurde nicht im falschen Körper geboren, sondern in der falschen Welt.» Alok bringt damit seine eigene und die Grund-Erfahrung all jener Menschen zum Ausdruck, die sich als queer und non-binär verstehen. Was wiederum jene verstört, die glauben, dass einzig ein Entweder-Oder seine «göttliche» respektive «natürliche» Berechtigung hat. Im Rahmen der Impulsrede wollen wir beides bedenken und Ernst nehmen: das Befremden der einen samt ihrem Wunsch nach «habitueller Sicherheit» (Pierre Bourdieu). Die Erfahrung der anderen, beschämt und ausgegrenzt zu werden. In der Gesellschaft und auch in der Kirche.
Vergangene Anlässe:
Sonntag, 22. März, 09.30 Uhr
Geneva Moser, Philosophin, Geschlechterforscherin und freie Publizistin, ist Mitglied von «Out in Church» und arbeitet für die katholische Kirche und spricht zum Thema: Queer glauben – katholisch leben
2025 übertrug der Fernsehsender ZDF erstmalig einen queeren Gottesdienst. Selten waren die Reaktionen so heftig: Braucht es denn wirklich queere Gottesdienste? Diese Impulsrede macht sich auf die Spur: Wie leben queere Menschen ihren Glauben in der römisch-katholischen Kirche? Welche Glaubenspraxen, welche Sprache und welche Gottesbilder haben die queere Theologie und Gläubige entwickelt? Anhand konkreter Beispiele fragen wir: Wo entsteht Hoffnung? Wo braucht es Wandel?