Für eine Ökumene von unten!

PROJEKT CASA COMUN AUS ANLASS DER 11. VOLLVERSAMMLUNG DES ÖKUMENISCHEN RATES DER KIRCHEN

Der Juni-Newsletter unserer Kolleg:innen und Freund:innen vom Institut für Theologie und Politik in Münster hat es "in sich". Einleitend schreibt Benedikt Kern:

Eine Ökumene von unten, die entschieden global für Frieden, den Schutz der Schöpfung und Gerechtigkeit eintritt, ist in dieser Zeiten wieder drängender denn je. Deshalb wird es aus Anlass der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), die erstmalig in Karlsruhe stattfinden wird, eine Casa Común geben: Ein gemeinsames Haus der Basisökumene in Karlsruhe vom 1. bis 7. September 2022. Dort soll anhand von Themenbereichen wie Feminismus, Migration, Klimagerechtigkeit, Ökonomie und Digitalisierung, Globalisierungskritik und Kirchenreform die Perspektive auf soziale Kämpfe weltweit gelenkt und diskutiert werden, wie eine Basisökumene diese unterstützen kann. 
Wir möchten schon vorab auf ein paar Veranstaltungen aufmerksam machen, an denen das ITP beteiligt sein wird: Am 1. September wird es ein Podium über die Rolle der Sozialen Bewegungen und ihre Erwartungen an die Kirchen geben. Am Thementag zu Klimagerechtigkeit am 2. September laden wir ein zu den drei Podien „Christ:innen und die ökologische Frage“ und „Wo organisieren sich Christ:innen für Klimagerechtigkeit?“ sowie „Neues Akkumulationsregime und grüner Kapitalismus – Was bedeutet das für eine Position der Kirchen?“ Am Podium „Sind die Kirchen noch zu retten? Kirchenreform und Gesellschaftskritik“ am 3. September beteiligen wir uns zusammen mit der LeserInneninitiative Publik Forum. Um den Themenkomplex autoritäre Formierung und Krise der Repräsentation zu diskutieren wird es am 4. September unser Podium geben: „Der Traum ist aus … Das Ende der Demokratie.“ Inhaltlich daran anknüpfend beteiligen wir uns am Thementag Migration am 5. September an Diskussionen zu Frontex und Strategien gegen das Grenzregime. Der 6. September wird der Thementag Feminismus sein, an dem wir einladen zu den Veranstaltungen „Ni una menos! Feministische Aufbrüche in Lateinamerika gegen die Gewalt an Frauen“ und „Frauen*streik, feministische Aufbrüche weltweit und die Rolle der Kirchen“. 
Das Programm ist sehr umfangreich und wir möchten hiermit gerne dazu einladen, nach Karlsruhe zu kommen und sich zu beteiligen. Infos zum Programm der Casa Común und zur Teilnahme gibt es auf der Homepage. Die Zeitung vorab zur Casa Común ist online abrufbar und kann in der Printversion gerne auch in größerer Menge zum Verteilen kostenlos im ITP bestellt werden.
Wir wünschen nun allen einen – hoffentlich erholsamen und den kritischen Geist inspirierenden – Sommer.
Viele herzliche Grüße vom ITP-Team

Benedikt Kern

Newsletter:

 

1) Die Waffen nieder! Kleine theologische Anstöße


Frieden in der Ukraine, Globale Kriege, Aufrüstung nach Innen und Außen, Krieg und Klima, Krieg und Migration, die Ökumene als Friedensprojekt und wie eine befreiungstheologische Friedensethik aussehen könnte: Diese Fragen drängen sich aus unserer Sicht geradezu auf in der gegenwärtigen Zeit. Deshalb haben wir hierzu ein 20-seitiges Heftchen im DIN-A-6-Format erstellt. Es ist geeignet für Schule, Gemeinde, Bildungsarbeit und die persönliche Lektüre. Es kann zur Weiterverbreitung bei uns gerne bestellt werden: 1 Ex. = 0,50 €, 10 Ex. = 5,00 €, 25 Ex. = 10,00 €, 50 Ex. = 15,00 €, 100 Ex. = 25,00 € (zzgl. Versandkosten)


2) Unterwegs zur solidarischen Ökumene – Anreiseangebot aus dem Münsterland/Ruhrgebiet zur Casa Comun


Für den ersten Teil der Casa Común in Karlsruhe wird das Könzgenhaus der KAB/CAJ in Haltern am See vom 1.–4. September 2022 eine gemeinsame Anreise von Haltern aus anbieten. Es ist eine Ferienwohnung in Karlsruhe gebucht. Die Gruppe wird dann am Programm der Casa Común teilnehmen. Ein Online-Vortreffen wird stattfinden am 23.08.2022, 19-21 Uhr. Weitere Infos und Anmeldung online beim Könzgenhaus


4) Internationalismus:

a) Chile #apruebo
Mit Spannung blicken wir nach Chile, wo am 4. September 2022 die Abstimmung über die neue Verfassung stattfinden wird. Warum ist eine Verfassung für einen Politik- und Systemwechsel in Chile wichtig? Barbara Imholz (ITP) erläutert in einem Beitrag, warum wir als ITP die Entwicklungen in Chile aufmerksam beobachten werden.

b) Präsidentschaftswahlen in Kolumbien
Am 19. Juni 2022 gewann Gustavo Petro, ein 62-jähriger Wirtschaftswissenschaftler mit Schwerpunkt Umwelt, Guerillakämpfer in den 1980er Jahren, die Präsidentschaftswahlen in Kolumbien. Seine Vizepräsidentin, Francia Márquez, ist eine 40-jährige Afrokolumbianerin, Feministin und Umweltaktivistin, die die Bevölkerungsgruppen vertritt, die schon immer ausgeschlossen waren: die „Niemanden Kolumbiens“. Petro und Márquez gewannen mit 3% Vorsprung vor dem Kandidaten Rodolfo Hernández, einem Bauunternehmer auch Außenseiter gegenüber den traditionellen PolitikerInnen, die zum ersten Mal in der kolumbianischen Geschichte in der ersten Runde aus dem Rennen geworfen wurden. Der geringe Abstand zwischen den beiden Kandidaten spiegelt die enorme Polarisierung in der Gesellschaft wider.
Kolumbien gilt als das konservativste Land Lateinamerikas und hat seit Jahrzehnten die stabilste „Demokratie“ und Wirtschaft der Region, aber auch eine der größten Ungleichheiten. 
Im Laufe der Zeit hat Petro seinen linken Diskurs in Richtung eines Vorschlags zur Versöhnung gemildert, der die Andersdenkenden einbezieht und auf Frieden setzt, um die sozialen Wunden zu heilen, die das Land seit Jahrzehnten trägt. Die neue Regierung tritt ihr Amt am 7. August 2022 an. Zu den Vorschlägen für die ersten 100 Tage gehören: Ein Notfallplan gegen Hunger, ein Lebensunterhalt in Höhe eines halben Gehalts für alleinerziehende Mütter, die Entsendung medizinischer Teams in die am meisten vernachlässigten Gebiete des Landes, der Schuldenerlass für 10.000 Jugendliche mit Bildungskrediten, die Aussetzung von Fracking-Projekten und die Streichung neuer Ölförderlizenzen.
Dies ist ein historischer Wahlsieg für Lateinamerika und für alle, die sich für eine gerechtere, auf Solidarität und Frieden basierende Welt einsetzen.Die Herausforderung, vor der die neue Regierung steht, ist enorm, ebenso wie die Hoffnungen und Erwartungen breiter Bevölkerungsschichten...  


5) Letzte Rettung Kirchenasyl?!


Die Zahl der Abschiebungen ist hoch – auch wenn es in den letzten Monaten eine enorme Aufnahmebereitschaft für Geflüchtete aus der Ukraine gab. Aus diesem Grund sind Kirchenasyle zum Schutz von Menschen, die von einer Abschiebung bedroht sind, wichtig. Worin liegen hierbei derzeit die Herausforderungen und was bedeutet das konkret für Kirchengemeinden und unsere Unterstützungsarbeit als Institut für Theologie und Politik und Ökumenisches Netzwerk Asyl in der Kirche NRW? Benedikt Kern hat hierzu einen Vortrag unter dem Titel „Letzte Rettung Kirchenasyl?! Entscheidungspraxis des BAMF angesichts der Situation Geflüchteter in Europa“ gehalten beim Fachtag Kirchenasyl der Evangelischen Kirche von Westfalen am 14.05.2022. Die Präsentation zum Vortrag möchten wir hier gerne zum Download zur Verfügung stellen.


6) Ferienzeit im ITP


Vom 15. Juli bis 15. August 2022 wird das ITP ferienbedingt geschlossen sein. In dieser Zeit sind wir telefonisch gar nicht und per Mail nur eingeschränkt erreichbar. Sie können uns aber Sprachnachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen oder eine Email schicken, die wir schnellstmöglich beantworten. Im Juli wird es auch keinen Email-Newsletter geben. Ab ab dem 15. August starten wir dann wieder mit neuen Kräften.



7) Neuerscheinung: Wir aber hatten so gehofft. Ton Veerkamp: ein unbequemer Denker


Im Februar hat Dick Boer in unserem Verlag Editition ITP-Kompass ein Buch mit dem Titel „Wir aber hatten so gehofft. Ton Veerkamp: ein unbequemer Denker“ veröffentlicht. 
Dick Boer zeichnet in diesem Buch das Lebenswerk des Theologen Ton Veerkamps (1933-2022) nach, der sich gegen eine christentümliche Vereinnahmung der biblischen Texte stellte und Bibelwissenschaft mit großer Kenntnis von ökonomischer Theorie und Philosophie betrieben hat. Sein Werk ist aber auch von einer Melancholie des Endes des messianischen Zeitalters gezeichnet. Wie also mit diesen tiefen Wunden weiterhin Theologie treiben?
Dick Boer: Wir aber hatten so gehofft. Ton Veerkamp: ein unbequemer Denker
Edition ITP-Kompass, Münster Februar 2022, Preis: 13,80 €
Das Buch ist bei uns bestellbar.


8) Neuerscheinung: Kuno Füssels gesammelte Schriften in sieben Bänden


Mit welchem Recht kann Theologie beanspruchen, eine Wissenschaft zu sein? Gibt es einen eigenständigen, religiösen Sprachgebrauch? Welchem Theorietyp lässt sich Theologie zuordnen? Kann es eine produktive Annäherung zwischen Theologie und Historischem Materialismus geben?
Diese und viele weitere Fragen sind Ausgangspunkte des umfassenden Werkes in sieben Bänden zu materialistischer Bibellektüre, Religionskritik, Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, Befreiungstheologie und Politischer Theologie, Marxismus und linker Theorie – allesamt gesammelte Texte des Theologen Kuno Füssels, herausgegeben zu seinem 80. Geburtstag.
Maria Klemm, Odilo Noti, Michael Ramminger (alle Hrsg.): Gesammelte Schriften. Kuno Füssel.
Band I-VII, Edition-ITP-Kompass und Edition Exodus, Luzern/Münster 2021, Hardcover, Preis: 224,00 €. Bestellbar bei uns.
 

9) Termine und Veranstaltungen des ITP

29. Juni 2022 in Rheinstetten: „Befreiungstheologie - die Welt von unten verändern“, Vortrag von Benedikt Kern (ITP), 9.30-11.00 Uhr, Evangelisches Gemeindezentrum Forchheim, Karlsruher Str. 55.
21.-28. Juli 2022 in Fignano/Toscana: Befreiungstheologisches Sommerseminar des ITP auf den Spuren von Franz und Klara von Assisi 
01.-07. September 2022 in Karlsruhe: Casa Común aus Anlass der 11. internationalen Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen.
09. September 2022 in Münster: Feministische Aufbrüche in Lateinamerika mit Maricarmen Montes (Feministische Aktivistin, Mexiko) und Nancy Cardoso (Feministische Theologin, Brasilien/Angola), 18:00 Uhr in der Kollektivkneipe Leo:16, Herwarthstr. 7, Münster
04.-06. November 2022 in Köln: Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche 

 
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