Geschichte

Der katholische Glaube ist schon seit Jahrhunderten im Kanton Bern verwurzelt. Auf ihre staatskirchenrechtliche Repräsentation mussten die hiesigen Katholikinnen und Katholiken aber lange warten. 1982 trat die Synode der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Bern zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen.

Die Schaffung einer mit den anderen Konfessionen gleichberechtigten Landeskirche ist der Abschluss eines jahrhundertelangen Prozesses: Nach der Reformation im Jahre 1528 waren katholische Messfeiern bis 1799 strikt verboten. Danach war das Praktizieren des katholischen Glaubens unter Auflagen "geduldet", bevor im "Kulturkampf" der 1870er-Jahre die Spannungen mit der staatlichen Obrigkeit wieder zunahmen. Zu Beginn des 20. Jahrhundert begaben sich der Kanton und die romtreuen Katholiken auf einen schrittweisen Annäherungskurs. Dieser war Grundlage dafür, dass nach einer Volksabstimmung im Jahre 1979 der Weg frei war für die Schaffung einer Römisch-katholischen Kantonalkirche.

Nach einer rund 30-jährigen Aufbauphase befindet sich die Landeskirche seit 2011 in einem Um- und Aufbruch: Die Professionalisierung schreitet voran. Mit der Erklärung der Synode Bern (ESB) engagiert sich die Römisch-katholische Landeskirche des Kantons Bern auch für pastorale Reformanliegen wie die Aufhebung des Pflichtzölibats, Viri Probati und die Frauenordination. Mit dem neuen Landeskirchengesetz wird das Verhältnis von Kirche und Staat auf eine neue Grundlage gestellt. Und mit dem Projekt "Perspektiven 2020" richtet sich die Landeskirche auf die Zukunft aus.

Geschichte der Landeskirche

Im Kanton Bern verbindet Kirche und Staat eine lange Tradition. Interessantes aus der Geschichte in Referaten von H. Spichiger, ehem. Beauftragter für kirchliche Angelegenheiten des Kantons Bern.

Kirche und Staat im Kanton Bern - Geschichtliches von H. Spichiger

Die Meilensteine in der Geschichte der Landeskirche

1799
Nach einem Unterbruch von 271 Jahren wird auf Wunsch der katholischen Mitglieder am 9. Juni im Berner Münster erstmals wieder eine Messe gefeiert.

1815
Der Jura, Teil des ehemaligen Fürstbistums Basel, wird mit dem Kanton Bern verbunden. Fortan ist die Ausübung der römisch-katholischen Religion in den katholischen Gemeinden des Juras gestattet, die Pfarreien des Juras sind somit staatlich anerkannt. Die Pfarrei der Stadt Bern dagegen wird weiterhin nur geduldet.

1828
Das Bistum Basel wird aufgrund eines Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhl und den Kantonen Luzern, Bern, Solothurn und Zug wiederhergestellt. Die Gebiete links der Aare – inklusive der Stadt Bern – gehören bis 1864 jedoch weiterhin zum Bistum Lausanne.

1864
In Bern wird die erste katholische Kirche der nachreformatorischen Zeit, St. Peter und Paul, eingeweiht. Durch eine Übereinkunft zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Kanton Bern werden die Gebiete links der Aare ebenfalls wieder dem Bistum Basel zugeteilt.

1874
Die romtreuen Katholiken verlieren im sogenannten Kulturkampf die staatliche Anerkennung und ihre Kirchen in Bern und Biel an die Christkatholiken.

1899
Pfarrer Jakob Stammler kann1889 ein Grundstück in Bern kaufen, auf dem die Dreifaltigkeitskirche gebaut wird. 1899 können die Katholiken der Stadt Bern die Dreifaltigkeitskirche beziehen. 

1979
Die Kantonsverfassung wird in einer Volksabstimmung revidiert und ermöglicht die Schaffung der Römisch-katholischen Landeskirche.

1981
Die römisch-katholischen Kirchgemeinden stimmen mehrheitlich der von der Römisch-katholischen Kommission ausgearbeiteten Kirchenverfassung zu.

1982
Die Synode tritt am 12. Juni in Anwesenheit von Bischof Dr. Anton Hänggi zur konstituierenden Sitzung in Bern zusammen.

1994
Die Kirchenverfassung wird revidiert. Wichtigste Änderungen sind die Einführung des Ausländerstimmrechts und der stärkere Einbezug der Landeskirche in pastorale Fragen.

2011

Die Synode beschliesst die Reorganisation des Synodalrates. Die kirchliche Exekutive wird von zwölf auf sechs Mitglieder verkleinert.

2012

Die seit 1804 bestehende Regelung, dass der Staat die Kirchengüter übernimmt und im Gegenzug die Pfarrer besoldet, wird von Politikern erstmals in Frage gestellt. Die Grundsatzdiskussion um das Verhältnis von Kirche und Staat beginnt.

2013
Bischof Dr. Felix Gmür nimmt  Stellung zu den Reformanliegen der Berner Synode (Pflichtzölibat, Viri probati, Frauenordination).

2014
Der Regierungsrat gibt bekannt, dass er von 2016 bis 2019 auf katholischer Seite 2.5 Pfarrstellen abbauen will.

2015

Der Regierungsrat schlägt im Rahmen des Entwurfs zum neuen Landeskirchengesetz vor, dass die Pfarrer künftig von den Landeskirchen, anstatt vom Kanton angestellt sind.

Die Baustelle der Dreifaltigkeits-Kirche 1898
Kirche St. Peter und Paul, Bern