Foto: Pia Neuenschwander

Eine Sprache für den Glauben finden

Immer mehr Menschen entscheiden sich im Erwachsenenalter für die Taufe oder die Firmung. Angela Büchel Sladkovic begleitet sie dabei.

Immer mehr Menschen entscheiden sich im Erwachsenenalter für die Taufe oder die Firmung. Die Glaubenskurse «katholisch glauben» bieten die Möglichkeit, in Gemeinschaft mit anderen eine Sprache für den Glauben zu entwickeln.

Christian Geltinger

«Das Interesse, sich taufen oder firmen zu lassen, ist in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegen», so Angela Büchel Sladkovic, Theologin beim Fachzentrum Mensch und Gesellschaft der Katholischen Kirche Region Bern. Büchel Sladkovic leitet für den Pastoralraum Region Bern Glaubenskurse, die Erwachsene ergänzend zur Begleitung durch die Wohnortspfarrei auf Taufe und Firmung vorbereiten. Bislang hiessen sie Katechumenatskurse, doch unter dem Begriff Katechumenat (Erwachsenentaufe) können sich heute die wenigsten etwas vorstellen. Überhaupt sei heute allgemein eine Sprachlosigkeit in Bezug auf Religion und Glaube feststellbar.

Es geht um die grossen Fragen

Die Kurse, die nun «katholisch glauben» heissen, sind offen für alle, die sich für Glaube und Kirche interessieren, die ihr Wissen auffrischen oder mit anderen Menschen ins Gespräch kommen wollen über Gott und die Welt. «Es geht um die grossen Fragen, um Gottes Dasein, um Lebenssinn, Tod und Auferstehung und was es heisst, christlich zu leben. Der Kurs will zentrale Glaubensinhalte erschliessen und im Gespräch dem auf die Spur kommen, was trägt. Firmung bedeutet ja, sich durch Gottes Geist stärken zu lassen.»

Viele Wege zu Gott

Dabei könnte der Titel «katholisch glauben» auf eine falsche Fährte führen. Er ist weder exklusiv noch dogmatisch zu verstehen. Das ist Angela Büchel Sladkovic sehr wichtig. Sie selbst ist eine der Berner Stimmen im ökumenischen und interreligiösen Dialog. «Wir machen hier keinen Katechismusunterricht. Und mir ist durchaus bewusst, dass es viele Wege zu Gott gibt.» Wichtig sei vor allem, einen erwachsenen Zugang zum Glauben zu finden. Denn der Glaube will verantwortet werden. Auseinandersetzung und Reflexion sind gute katholische Tradition.

Dem Leben eine Richtung geben

Die Motivation, warum sich heute wieder mehr Erwachsene für die Taufe oder die Firmung entscheiden, ist unterschiedlich: «Es sind Menschen aller Generationen in den Kursen: junge Leute, die ohne religiöses Bekenntnis aufgewachsen sind; Menschen, die getauft sind, aber den Kontakt zur Kirche verloren haben und nun im Blick auf Heirat oder Kindererziehung ihren Glauben bewusst leben wollen; auch ältere Menschen, die ihr Leben mit Gott gewissermassen abrunden möchten. Im Grossen und Ganzen verbindet sie eine Sehnsucht, dem Leben Richtung und Tiefe zu geben.»

Interesse an Glaube und Spiritualität gestiegen

Gewiss spielen auch die Unübersichtlichkeit der heutigen Gesellschaft und die weltweiten Kriege und Krisen eine Rolle und bestärken das Bedürfnis nach Orientierung und Halt. Glaube und Spiritualität scheinen, so die Einschätzung von Büchel Sladkovic, nicht mehr so out und abwegig wie vor 20 Jahren, sondern werden auch als Ressource wahrgenommen. Auf jeden Fall freue sie sich über das wachsende Interesse und den offenen, unvoreingenommenen Diskurs über Glaube und Kirche.

 

Angela Büchel Sladkovic ist als Theologin beim Fachzentrum Mensch und Gesellschaft der Katholischen Kirche Region Bern beschäftigt. Sie ist unter anderem im Team der Kirche im Haus der Religionen und im Rahmen der Schöpfungsfeier engagiert.

Sie sind selbst an den Glaubenskursen interessiert? Mehr Informationen erhalten Sie HIER.

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