Am Wochenende feierte die Berner Paroisse catholique de langue française ihr 50-jähriges Bestehen. Zeit für eine Rückschau in die wechselhafte Geschichte, aber auch für einen Blick in die Zukunft. Denn seit der Erhebung zur eigenständigen Pfarrei vor 50 Jahren hat sich einiges gewandelt.
Christian Geltinger
In ihrem flammenden Plädoyer betonte Lea Bracher, Präsidentin des Kirchgemeinderats der Paroisse catholique de langue français, die besonderen Werte, die die französischsprachige Pfarrei heute auszeichnet: universalité, diversité et solidarité. Die Pfarrei sei ein Ort, wo jede und jeder eingeladen ist, Gemeindeleben aktiv mitzugestalten. Ihren Appell unterstreicht Lea Bracher mit der herzlichen Aufforderung: "Merci et continuez!"
Sprache der Verwaltung und Diplomatie
In der Tat können die französischsprachigen Katholik:innen in Bern auf eine lange Geschichte zurückblicken. Mit dem Einfall der napoleonischen Truppen wurde vor über 225 Jahren der katholische Kultus in Bern wiederbelebt, wie Ehrengast Abbé Christian Schaller in seinem kurzen historischen Rückblick in Erinnerung rief. Seitdem war die Entwicklung der französischsprachigen Pfarrei eng verbunden mit der Begründung des Bundesstaates, dem Ausbau Berns als Stadt der Verwaltung und Diplomatie.
Kulturelle Vielfalt
Heute zeigt sich das Gesicht der französischsprachigen Gemeinde deutlich vielfältiger. Französisch ist nicht nur eine der vier Landessprachen sowie die Sprache der Diplomatie und ihrer Mitarbeitenden, sie ist auch die Sprache von rund 116 Millionen Menschen in 31 Ländern auf dem afrikanischen Kontinent. Diese kulturelle Vielfalt wird auch an diesem Festtag erlebbar, etwa am Beispiel der beiden Chöre, die gemeinsam den Gottesdienst umrahmen, Chœur Saint-Grégoire et du Chœur Africain. Die Texte des Tages - die Verheissung des Herrn an Abraham und die Verklärung des Herrn - hätten nicht treffender sein können. Kirche ist auf dem Weg und offenbart sich überall dort, wo Menschen gemeinsam Gottes Wort hören.
Enge Koexistenz mit Paroisse réformeé
Zahlreiche Gratulant:innen richteten nach dem Gottesdienst ihre Glückwünsche an die Paroisse, darunter auch Dr. Marie-Andrée Beuret, Déléguée épiscopale des Bischofsvikariats St. Verena, Marie-Louise Beyeler, Präsidentin der Landeskirche, Jerôme Brugger, Präsident der Kirchgemeinde der Dreifaltigkeit. Pfarrer Mario Hübscher verlas ein Grusswort des erkrankten Olivier Schopfer, der darin die enge Koexistenz mit der Paroisse réformeé hervorhob. Ein grosser Dank ging nicht zuletzt auch von den beiden Pfarrern in solidum Mario Hübscher und Raymond Sobakin an alle, die sich für die Paroisse engagieren.
Standortbestimmung
Der Nachmittag war als Fest für alle Generationen geplant. Unter anderem nutzte die Pfarrei dieses besondere Ereignis, um mit den Mitgliedern eine Standortbestimmung vorzunehmen. Wo soll die Reise in den nächsten Jahren hingehen? Was sind die zentralen Anliegen in einer sich wandelnden Zeit? Kirche ist also nach wie vor auf dem Weg, auch in der Paroisse français. Je mehr Facetten dabei zusammenkommen, desto bereichernder kann diese Reise sein. Félicitations Paroisse!
Mehr zur Paroisse catholique de langue français finden Sie HIER.