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Mutwillig zerkratzte Bilder der Ausstellung zur Seenotrettung

Mutwillig zerkratzte Bilder der Ausstellung zur Seenotrettung

Aggressionen gegen Flüchtlingsbilder

Bis zum 15. Juni zeigt eine Fotoausstellung auf dem Berner Bahnhofplatz Bilder vom Rettungsschiff Aquarius, das tausende von Flüchtlingen aus der Seenot im Mittelmeer gerettet hat. Damit beginnen die Aktionen von „Beim Namen nennen – 38‘739 Opfer der Festung Europa“ zum Flüchtlingstag. Nun haben Unbekannte viele abgebildete Gesichter mutwillig zerkratzt.

Die Ausstellung zeigt Bilder, die von Fotografen an Bord des Rettungsschiffs Aquarius aufgenommen wurden. Sie geben den Überlebenden der Seenot ein Gesicht und zeigen die Schwierigkeiten der Meeresüberquerung und der Seenotrettung. Über 31’000 Menschen konnten mit der Aquarius und der Ocean Viking gerettet werden.

Am Dienstag, 9. Juni, wurden die Gesichter von Schwarzen Menschen/People of Color, Überlebenden der Seenot, die in der Fotoausstellung gezeigt werden, gezielt verunstaltet. Die Organisatoren sind schockiert, haben aber entschieden, die Ausstellung stehen zu lasse. Gleichzeitig wurde Anzeige erstattet. In einer Stellungnahme heisst es: "Wir werden unsere Arbeit fortsetzen und uns auch weiterhin für Seenotrettung und gegen alle Arten von Rassismus engagieren. Black Lives Matter!"

Seit 1993 sind an den Aussengrenzen Europas 38‘739 Flüchtlinge umgekommen. Dabei handelt es sich nur um die Zahl der dokumentierten Fälle. Mit der Ausstellung von SOS Mediterranee beginnen in mehreren Schweizer Städten Aktionen zum Flüchtlingstag vom 20. Juni. In Bern protestieren damit die Kirchen und 112 Organisationen gegen diese vermeidbaren Todesfälle.

Auch die Stadt Bern unterstützt das Projekt Beim Namen nennen – 38‘739 Opfer der Festung Europa. Stadtpräsident Alec von Graffenried erklärt: «Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun, sagt Molière. Wir dürfen uns heute nicht abwenden, denn wir sind mitverantwortlich für das Schicksal der Menschen auf der Flucht, im Mittelmeer und anderswo.»

Den Flüchtenden ein Gesicht geben

Während sich die Lage im Mittelmeer wieder verschlechtert, ist es entscheidend, über die Zusammenhänge zu berichten und den Flüchtenden und Überlebenden der Seenot ein Gesicht zu geben: «Es besteht ein kollektiver Notstand, in dem die EU-Länder Solidarität praktizieren müssen», erklärt Caroline Abu Sa’da Geschäftsführerin von SOS Mediterranee Schweiz: «Auch in diesem Sommer dürfen Tod und Unmenschlichkeit im Mittelmeer nicht vorherrschen.»

Auch Rapper Knackeboul findet es wichtig, die Flucht der Menschen und die Lage auf dem Mittelmeer zu thematisieren: «Ich hoffe, dass die Bevölkerung politisch offen wird, um diesen Menschen zu helfen. Denn die Schweiz könnte schon lange viel mehr Menschen aufnehmen – die Kapazität und das Budget wären vorhanden.»

Die Fotoausstellung zeigt in 30 grossformatigen Bildern Situationen aus dem Alltag der Seenotrettung auf dem Mittelmeer. Sie gibt Einblick in die unvorstellbare Not von schiffbrüchigen Flüchtlingen, die Verhältnisse auf dem Rettungsschiff, die ärztliche Versorgung und zeigt Momente der Ankunft in einem Hafen. Realisiert wurde sie von Isabelle Descombes und 2019 erstmals am Quai Wilson in Genf gezeigt.

Weiterführende Links:

www.offene-kirche.ch

www.beimnamennennen.ch

www.sosmediterranee.ch

www.evakuieren-jetzt.ch

www.seebruecke.org

10. Juni 2020
erstellt von Kommunikationsstelle
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