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Alltagsgeschichten - Ruth Rumo Ducrey

Draussen ist es ziemlich grau und kalt. Wir sitzen beim Morgenessen und ach ja, da muss in der kommenden Woche noch ein Entscheid gefällt werden. Ist die Zusatzversicherung der Zusatzversicherung nötig, wie es uns der Versicherungsberater für alle Eventualitäten freundlich empfiehlt. Gehört diese ins Register „Selbstverantwortung“, „alles selber im Griff haben wollen“ oder gar in den Ordner „Angst“?

Im Gottesdienst hören wir dann von den Vögeln, die nicht säen, ernten, in die Scheunen sammeln und trotzdem ernährt werden. Wir hören auch von den Lilien und ihren schönen Kleidern – alles Geschenk. Vielleicht ist es ja auch verantwortungsvoll, wenn nicht jeder Sonderfall versichert ist?

Nach dem Gottesdienst läutet das Natel. Unser afrikanischer Freund „Samire“ ist dran. „Du, kannst du mir helfen, habe Brief bekommen, bin nicht sicher, ob ich richtig verstehe.“ Er liest vor. „Sie erhalten den Ausweis B.“ Wir erklären ihm kurz – er weint vor Glück und stellt immer wieder die Frage: „Dann darf ich jetzt arbeiten?“. Seine Freude stimuliert auch unseren Tränenkanal. Auferstehung für Samire –  mit Ausweis F übrigens minimal versichert. Sicher war er sich in den letzten Jahren nur der Unsicherheit.

Nach einem Apéro und Spaziergang geht’s in den Kino mit dem Film „Dr Goalie bin ig“. Der Goalie, der manchmal ziemlich naiv und etwas unglücklich agiert. Dr Goalie, der eigentlich Tore schoss und nicht im Tor stand. Dr Goalie, der sich in eine Frau verliebt, die bereits liiert ist. Dr Goalie, mit der Sehnsucht nach Wärme und Meer (nach mehr), dr Goalie von Freunden verraten, mehrmals. Dr Goalie, der immer wieder auf seine „Altlasten“ aufmerksam gemacht wird. Dr Goalie, sprachgewandt, immer für einen Witz bereit. Wie war wohl er versichert? Was würde er uns dr Goalie anraten?

Auf dem Heimweg entdecken wir Krokusse, Schneeglöggli, Narzissen– Frühlingserwachen! Ob der Winter noch einmal kommen wird, darüber machen sie sich keine Sorgen und schon gar keine Versicherung. Sie helfen uns zu vertrauen – in das Leben, in uns, in die Mitmenschen und die Schöpfung. Und übrigens – unser Tag - alles andere als ein „grauer Sonntag“.

 

 

8. März 2014