Auf den Spuren schwarzer Geschäfte

In Bern machte man einst Profite mit Sklaven und billigen Rohstoffen aus Übersee. Von diesem „Dreieckshandel“ erzählt im März eine Ausstellung von Cooperaxion im Haus der Begegnung der Katholischen Kirche in der Berner Länggasse.

Die Schweiz besass weder Kolonien noch war sie eine Seefahrernation. Doch die helvetischen Republiken waren Teil eines globalen Wirtschaftssystems, dessen Geschäfte auf Kosten der Menschen florierten. Die Geschäfte von damals prägen die Welt bis heute. Die Berner Stiftung Cooperaxion kennt dies aus der Entwicklungsarbeit mit Nachfahren von Sklaven in Brasilien oder Liberia.

Systematisch eingefangen und verkauft wurden Sklaven vor allem im 17. bis 19. Jahrhundert in Afrika – insgesamt wohl über 20 Millionen Menschen. Aber auch heutzutage werden etwa Kinder aus dem westafrikanischen Mali für 200 bis 300 Euro in die Elfenbeinküste verkauft, zur (Zwangs-) Arbeit auf Kakaoplantagen. Einst und jetzt schwarze Geschäfte mit grossem Profit.

Bernische Verwicklungen und Profite

Der Staat Bern mischte im transatlantischen Dreieckshandel mit: Bei den afrikanischen Fürsten beliebt waren zum Beispiel bedruckte Baumwollstoffe aus der Schweiz, so genannte Indiennes, die auch in hiesigen Kramläden populär waren. Solche Produkte wurden nach Westafrika verschifft und gegen Sklaven eingetauscht, die für Fronarbeit auf Baumwoll-, Tabak- oder Zuckerplantagen nach Amerika verfrachtet wurden. Viele starben bereits vor oder während der Überfahrt. In Übersee wurden im Austausch zur menschlichen Ware Rohstoffe geladen, von Kaffee über Kakao bis Kautschuk. Die Ausbeutung der Sklaven und die Erträge dieses Handels waren entscheidend für den Aufbau des Wohlstands in Europa.

Das Ancien Régime der Berner Patrizier verdiente an diesen Geschäften mit und investierte etwa in Aktien der britischen South Sea Company, die im Sklavenhandel aktiv war. 1723 war der Staat Bern grösster Aktionär des Handelsunternehmens. Dessen Papiere boomten und vervielfachten ihren Wert innert Wochen. Der Verkauf brachte so fette Erträge, dass King George I. himself den Bernern zu ihrem Coup gratulierte. Doch die Freude daran währte nicht lange. Die Berner Bank Malacrida und die mit ihr verbundene Samuel Müller & Cie. in London wurden durch Finanzspekulationen zahlungsunfähig: Die erste „Bubble“ der Wirtschaftsgeschichte platzte. Und die Blase führte zum ersten Berner Banken-Crash ...

Heute denken in Bern engagierte Leute auf andere Weise an die Ereignisse. Die Stiftung Cooperaxion schafft auf den alten Sklavenrouten neue Perspektiven. Im westafrikanischen Liberia etwa wird durch das Fussball- und Kulturprojekt Kick for your Future! Berufsbildung für Jugendliche gefördert. In Nordostbrasilien können sich Quilombo-Dörfer, einst von entlaufenen Sklaven gegründet, mit lokalen Babaçunüssen eine wirtschaftliche Zukunft aufbauen. Und in enger Zusammenarbeit mit der Pastoral da Terra der katholischen Kirche wird die Menschenrechtsarbeit unterstützt. Die Katholische Kirche Region Bern half in den letzten Jahren bei der Finanzierung solcher Entwicklungsprojekte.

Verbindungen zum Weltgebetstag aus Surinam

Die Ausstellung im Haus der Begegnung zeigt nun helvetisch-historische Zusammenhänge. An der Vernissage wird dabei auch ein Bogen zum Weltgebetstag geschlagen – dessen Schwerpunkt liegt 2018 auf Surinam, ein Land, das stark von der Sklaverei geprägt wurde ¬– und die Schweiz samt Bern war daran mitbeteiligt.

Auf den Spuren schwarzer Geschäfte. Die Ausstellung ist frei zugänglich im März von Montag bis Freitag, jeweils 8.00 – 19.30 Uhr, im Treppenhaus des Hauses der Begegnung, Mittelstrasse 6a, Bern-Länggasse

Ausstellungsführungen mit Karl Johannes Rechsteiner: Mo, 12. März, 14.00 Uhr – Di, 20. März, 17.00 Uhr

Stadtführung auf den Spuren schwarzer Geschäfte mit Cooperaxion: ab Waisenhausplatz (beim Schach), Dauer ca. 1,5 h, Fr. 20.-, Do, 22. März, 17.00 Uhr

Hintergründiges zu Surinam und dem Weltgebetstag der Frauen

Weitere Information bei Cooperaxion

23. Februar 2018
erstellt von Kommunikationsstelle