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Bild: Christopher

Weisheiten der Welt (Irene Neubauer)

Der Weg verweilt im Nicht-Tun,
Doch nichts bleibt ungetan.
Wenn Prinzen und Herren dies beachteten,
Würden sich alle Dinge auf natürliche Weise umwandeln.
Nach der Umwandlung ist Verlangen nach Handlung da,
Sei besser in der ursprünglichen Natur verwurzelt.
Ohne Verlangen ist Gelassenheit da.
Die ganze Welt wird von selbst in Frieden sein.

Lao Tse, Tao Te King, Abschnitt 37

Habgier, Gewalt, Ungerechtigkeit – das prägte die Zeit, als das Tao Te King – Das Buch vom Sinn und Leben –entstand. Wie darauf reagieren? Lao Tse’s überraschende Antwort: Nicht-Tun und nichts bleibt ungetan – und die ganze Welt wird von selbst in Frieden sein. Eine provokative und zugleich so heilsame Einladung.

Was ist gemeint? Sicher nicht, gleichgültig und teilnahmslos zu sein. Gemeint ist, dem Weg (dem Tao), das heisst dem Grundprinzip des Lebens zu folgen: dem Wesen der Dinge, der Menschen, gemäss handeln, jeden Zwang sein lassen, den natürlichen Gang der Dinge zulassen, statt sich in überflüssiger Weise einzumischen. Und an die Adresse der Mächtigen meint Nicht-Tun auch: Kriegstaten und Massnahmen zur Unterdrückung und Ausbeutung des Volkes zu unterlassen.


24. Juni 2011