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Bischof Felix Gmür wünscht den Jugendlichen während dem Gottesdienst im Bieler Volkshaus Kraft, sich für die Menschen am Rande der Gesellschaft einzusetzen.

Denis Theurillat, Weihbischof des Bistums Basel, im Gespräch.

Stationen einer Flucht: Die Jugendlichen werden von Schleppern aus dem Kleinbus gehetzt; mit Schwimmwesten ausgerüstet auf ein . . .

. . . mit Schwimmwesten ausgerüstet auf ein dicht besetztes Schlauchboot gedrängt . . .

. . . an einem Kontrollposten schikaniert . . .

. . . in Zeltlager sich selbst überlassen.

Bischof Gmür: „Denke daran, Gott liebt dich!“

Fünfhundert Jugendliche aus dem Bistum Basel nahmen in Biel am 16. Bistumsjugendtag teil. Unter dem Motto „Stand up for refugees“ stand der Anlass im Zeichen der aktuellen Flüchtlingskrise.

Auf dem Bieler Robert Walser-Platz hinter dem Bahnhof stehen Absperrgitter und Uniformierte mit Schutzmasken, die eine Menschengruppe zur Personenkontrolle drängen. Der Chefbeamte spricht nur arabisch und zwingt die Leute ein ebenfall nur arabisch geschriebenes Dokument zu unterschreiben. Dann werden die Kontrollierten in ein Zeltlager geführt, wo sie ohne weitere Informationen warten sollen.

Über die Flüchtlingsproblematik kann theoretisch diskutiert oder – wie am Bistumsjugendtag – konkret erfahren werden, was Flüchtlinge auf ihrem Weg alles durchmachen müssen. Die teilnehmenden Jugendlichen erlebten auf dem Robert Walser- Platz und dem Neumarktplatz Stationen einer Flucht mit. Zusammengepfercht in einen Kleinbus werden sie als Flüchtlinge an einen unbekannten Küstenort verfrachtet, wo sie, mit Schwimmwesten versehen, auf ein kleines Schlauchboot gedrängt und dann sich selber überlassen werden. Informationen über Fluchtursachen, Asylverfahren, gesetzliche Bestimmungen und Flüchtlingszahlen durch die zahlreichen freiwilligen Helfer und Helferinnen rundeten diese Erfahrungen ab.

Aufschlussreiche Zahlen

Eindruck machte etwa, dass in Libanon pro 1000 Einwohner 232 Flüchtlinge leben, in der Schweiz knapp 5. Die fünf Top-Aufnahmeländer weltweit pro 1000 Einwohner sind Libanon, Jordanien Tschad, Dschibuti, Nauru. Mit riesigem Abstand folgen die europäischen Ländern, wobei Schweden mit 16.9 Flüchtlingen pro 100 Einwohner wiederum mit Abstand den Spitzenplatz einnimmt.

Die Jugendlichen, die aus dem gesamten Bistumsraum nach Biel kamen, stellten auch kritische Fragen und drückten ihre Ängste oder ihr Unbehagen im Umgang mit Flüchtlingen aus. Weshalb könnten manche Flüchtlinge Markenschuhe tragen oder sich ein Handy leisten, wurde etwa argumentiert.

Verein „Stand up for refugees

Michel Angele ist Vorstandsmitglied der Vereins „Stand up for refugees“ und ging vor den Infoplakaten auf dem Robert Walser-Platz auf solche Fragen ein. Er selber hat in Lagern in Kroatien konkrete Flüchtlingshilfe geleistet und ist im Verein im Koordinations- und Veranstaltungsteam aktiv. Die Erfahrungen und Erlebnisse in Kroatien haben ihn geprägt. Bei all diesem entwürdigenden Leiden trotzdem etwas Hoffnung schenken zu können, motiviert ihn zur aktiven Flüchtlingshilfe. Der gemeinnützige Verein „Stand up for refugees“ war auch der Hauptorganisator der Fluchtstationen am Bistumsjugendtag und gab diesem dem Event seinen Namen. Der von Bieler Jugendlichen gegründete Verein hat bereits hunderte von Tonnen Hilfsgüter in die Flüchtlingscamps sowie an Organisationen vor Ort versendet. (Mehr Info: www.sufr.ch.)

Geleitet wurde das Gesamtprojekt von Philipp Christen von der Fachstelle Jugend der röm.-kath. Kirche Biel und seinem Team. Er erhofft sich eine Sensibilsierung der Jugendlichen für die Flüchtlingsschicksale, was diese vielleicht dazu anregt, sich selber an ihren Wohnorten zu engagieren.

Bischof muntert auf

Bischof Felix Gmür munterte sie während dem Gottesdienst im übervollen Bieler Volkshaus auf: „Ich wünsche euch die Kraft, sich für jene einzusetzen, die am Rande unserer Gesellschaft leben.“ Denn angesichts der wenig perfekten Weltlage könnten wir darauf vertrauen, dass Gott  uns alle gerne habe, dass er barmherzig sei, dass Gott uns suche, wie der Hirte das verlorene Schaf.  „Es gibt eine Bewegung von mir zu Gott, von Gott zu mir und diese Bewegungen verbinden uns mit den Mitmenschen, spenden Kraft, sich für die Armen einzusetzen.“ Denn allein im Himmel zu sein, sei nicht lustig, auch nicht alleine auf Erden zu leben. Und noch einmal eindringlich an die Jugendlichen gerichtet: „Denke daran: Gott liebt dich!“

Stimmungsmässigen Höhe- und Schlusspunkt

Einen stimmungsmässigen Höhe- und Schlusspunkt des Tages boten die Tänzer und Tänzerinnen des HipHop Center aus der Region Bern mit ihren Tanzeinlagen und eindringlichen Rap-Texten. Das HipHop Center Bern versteht sich als subkulturorientiertes Jugendzentrum und wird hauptsächlich von kirchlichen Institutionen finanziert. Das Projekt will die jungen Menschen auch mit spirituellen Erfahrungen auf ihrer Suche nach Glück und Anerkennung begleiten und unterstützen. Die Herzen der anwesenden Gäste aus dem ganzen Bistum haben die jungen Künstler jedenfalls erreicht.

Niklaus Baschung (Text und Bilder)

23. September 2016
erstellt von angelus