Damit Mann weiss wohin

Häusliche Gewalt ist ein Ausdruck der Überforderung. Männer und Frauen sind gleichermassen davon betroffen. Den "ZwüscheHalt" als Männer- und Väterhaus gibt es nun auch in Bern. Damit betroffene Männer einen Ort haben, um zur Ruhe zu kommen.

Das Klischee ist klar: Männer sind stark, und in Beziehungskonflikten sind Frauen das Opfer. Die Realität sieht anders aus und ist viel differenzierter. Auch Männer erleben häusliche Gewalt, weiss Sieglinde Kliemen aus Erfahrung. Die Leiterin des ZwüscheHalt in Bern ist Projektcoach und systemische Beraterin. Sie hat in den letzten Jahren das Berner Männerhaus aufgebaut als geschützter Ort für gewaltbetroffene Männer mit oder ohne Kinder. "Männer sind Teil von Gewaltstrukturen in Familien und Beziehungen", erklärt sie: "Oft lastet ein enormer Druck auf ihren Schultern." Von einer kritischen Paardynamik seien Männer wie Frauen gleichermassen betroffen. Sie tragen die Verantwortung für diese Entwicklung zu gleichen Anteilen. Eine Unterscheidung zwischen Opfer und Täter sei häufig eine willkürliche Entscheidung und für die Problemlösung wenig hilfreich. In solch einer Situation solle mann "ein Weggehen ins Auge fassen", heisst es im Prospekt des ZwüscheHalt: Und: "Sie erreichen damit eine Beruhigung im Paarsystem und erhalten einen klaren Kopf für weitere Entscheidungen."

Handeln von Mensch zu Mensch

Ob Frauenhäuser oder ein Männerhaus - die Funktion der Angebote ist ähnlich. Der ZwüscheHalt fragt allerdings nicht danach, wer ein "Opfer" ist. Er dient als Notunterkunft und Schutzhaus für gewaltbetroffene oder gewaltausübende Männer mit oder ohne Kinder. Er ist als unabhängiger Verein organisiert und betreibt neben Bern bereits Männerhäuser auch in Luzern und im Aargau. Wer vorübergehend ins Männerhaus zieht, ist dort anonym untergebracht - aber er steht nicht alleine. In der Wohngemeinschaft mit anderen Männern, die sich in einer ähnlichen Lage befinden, finden die Betroffenen Solidarität und Unterstützung zur Bewältigung der persönlichen Lebenskrise.

So gehört zum Männerhaus das "Handeln von Mensch zu Mensch", wie Sieglinde Kliemen betont. Nach Bedarf ist auch eine professionelle Beratung möglich, damit jemand in Ruhe seine nächsten Schritte vorbereiten kann, zum Beispiel eine Auszeit in der Arbeit, um wichtige Angelegenheiten zu erledigen. Dazu bietet der ZwüscheHalt vielfältige Unterstützung bei einer Aussprache oder Paartherapie, um einen gemeinsamen Weg aus der Krise zu finden. Auch wöchentliche Männerabende und Workshops helfen weiter. Der Austausch untereinander wirkt als eine Art Familienersatz.

Neue Männerbilder

Wer den Schutz des ZwüscheHalts in Anspruch nimmt, ist keineswegs ein Versager - im Gegenteil: Sich und allenfalls die eigenen Kinder zu schützen, ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen von Verantwortung. Das Bild vom Mann, der "seinen Mann" stellen will, funktioniert nicht, wenn jemand deswegen zusammenbricht. Eine Auszeit kann zudem eine Spirale der Gewalt stoppen. Sie soll helfen, dass das Leben geordneter weiter geht. "Nach der Ruhe kommt die Kraft für neue Schritte", heisst es in den Unterlagen des Vereins ZwüscheHalt. Egal, ob es um eine Hoffnung auf eine weitere gemeinsame Zukunft gehe, oder ob das Ziel eine geordnete Lösung einer Beziehung sei.

Das Männerhaus will helfen, einen für Eltern und Kinder schonenden und gewaltfreien Weg zu finden. Denn das Wohl der Kinder ist ein zentrales Anliegen des ZwüscheHalt: Kinder sollen nicht als "Geiseln" genommen werden, ihre eigene Meinung ist wichtig und sie haben Anrecht auf eine Beziehung mit beiden Eltern. Ein Aufenthalt im Männerhaus kann die entscheidende Basis legen für eine möglichst unbelastete Weiterentwicklung der Verbindung mit den Kindern.

Das Angebot des "ZwüscheHalt" ist ein wichtiger Baustein, um Menschen in einer Krise beizustehen. Dies entspricht auch dem diakonischen Auftrag der Kirche, deshalb wird das Projekt von der Katholischen Kirche Region Bern finanziell gefördert. Der Kleine Kirchenrat der römisch-katholischen Gesamtkirchgemeinde Bern und Umgebung entschied im Dezember 2017, den ZwüscheHalt aus dem Fonds für diakonische und pastorale Projekte mit 12'000 Franken zu unterstützen.

kjr

http://www.zwueschehalt.ch

8. Juni 2018
erstellt von Kommunikationsstelle
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