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"Das Herz schlägt im Lager"

Auf der Wiese oberhalb von Aesch am Rande des Kantons Zürich schlummern ein paar Kinder. Andere sitzen in kleineren oder grösseren Gruppen zusammen und plaudern oder spielen. Einige plagen sich mit riesigen Kochtöpfen, die sich an einer Wasserstelle mit Bürste und Lappen bearbeiten. Es ist kurz nach Mittag im Kasola, dem kantonalen Sommerlager der Jungwacht Blauring des Kantons Bern. Freie Zeit, bevor es in einer Stunde mit dem Programm weitergeht.

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Artikel Limmattaler Zeitung

Rund 180 Kinder sowie über 100 Leiterinnen und Leiter haben sich für das zweiwöchige Lager angemeldet – einen Anlass, den es nur rund alle zehn Jahre gibt. Die Idee dahinter: Alle sollen Gelegenheit haben, einmal als Kind und einmal als Leitende an einem Kasola teilzunehmen. Nächte unter dem Zeltdach zu verbringen und dabei die grossen Fragen des Lebens zu diskutieren. Festzustellen, dass es auch ohne Handy geht. Diese Hühnerhaut-Momente zu erleben, wenn gemeinsam das Lagerlied angestimmt wird. Freunde über die eigene Schar hinaus zu finden.

Den Ärmel hineingezogen

Melanie Meier ist Sekretärin der Jubla Kanton Bern und war in den letzten Monaten etwas wie die Drehscheibe für alles rund ums Kasola. Dabei hat es ihr den Ärmel hineingezogen, jetzt gehört sie als Freiwillige zum Leitungsteam des Lagers. «Da steckt unglaublich viel Kraft dahinter», sagt sie vom begeisterten Zusammenspiel all der Hände, Köpfe und Herzen im Lager, «das Herz schlägt im Lager.» Gefragt nach ihrer wichtigsten Motivation, im Lager zu sein, zögert sie nicht: «Die Leute.»

Im rekordverdächtig grossen Berliner – einer Abwandlung des Sarasani-Blachenzeltes – finden bis zu 800 Personen Platz. Genug also für alle Kinder samt ihren Eltern am Besuchstag in der Lagermitte. Heute Nachmittag sind es allerdings nur eine Handvoll, die sich unter den … Blachen versammelt haben, doch sie haben Grosses vor. Abseilen ist angesagt, von der Aussichtsplattform, die sich in der Mitte des Berliners bis über dessen Spitze hinaus erhebt.

Laura ist OK-Mitglied und eine erfahrene Kletterin. Erst erklärt sie den Kindern, wie man mit Seil und Haken umgeht, dann gilt es Ernst. Der zwölfjährige Ames wagt sich als Erster in den Klettergurt und hinauf auf die Plattform. Dann allerdings verlässt ihn der Mut, von oben sieht es doch deutlich höher aus als von unten. Zehn Minuten lang zögert er, doch Laura und die anderen Kinder haben Geduld. Nach viel gutem Zureden fasst sich Ames ein Herz und lässt sich unter dem Applaus der anderen am Seil herab. Strahlend und stolz steigt er aus dem Klettergurt. Er hat gerade eine wichtige Lektion fürs Leben gelernt: über das Vertrauen in sich selbst und in andere.

Zusammenarbeit ist zentral

Bewegung und viel frische Luft machen Hunger, deshalb ist jedes Lager so gut wie die Küche. In derjenigen der Jublas Lyss-Biel und Ostermundigen ist nach der Hektik vor dem Mittag Ruhe eingekehrt. Noah, Romina und Thea gönnen sich eine Pause, bevor bald schon die Vorbereitungen für das Abendessen beginnen. Spätzlipfanne soll es geben. Das bedeutet unter anderem rund 15 Kilo Teigwaren und 30 Kilo Gemüse für 120 hungrige Kinder.

Zwar gibt es keine zentrale Lagerküche, jede Schar ist fürs Kochen selber verantwortlich. Einige Scharen spannen zusammen, wie Lyss-Biel und Ostermundigen. Zudem teilen sie sich einige Aufgaben mit einer weiteren Küche. «Es braucht viel Kommunikation», sagt Noah, «man ist oft unterwegs, um informiert zu sein». Denn in einem Lager dieser Grössenordnung sei man auf eine gute Zusammenarbeit angewiesen.

Ohnehin ist Zusammenarbeit zentral. Vom Spielplatz Marke Eigenbau über die komfortable Dusche mit Warmwasser bis zum Organisieren von Geländespielen sind vielerlei Kompetenzen gefragt. Hier kommen alle Leitenden mit ihren Fähigkeiten zum Zug. Und die Kinder stehen dem nicht nach. Abwaschen, Toiletten reinigen, den Lagerplatz sauber halten – die Teilnehmenden lernen ganz nebenbei, dass all dies nicht selbstverständlich ist, und dass sie sich selbst einen Gefallen tun, wenn sie Ordnung halten.

Geheimnisvolles Licht

Die Aktivitäten des Lagers gruppieren sich um das Motto «Das Geheimnis vom Drachenberg». Am Abend, wenn sich alle Kinder und Leitenden unter dem Dach des Berliners versammeln, erzählt der weise Aurus, der seit vielen hundert Jahren auf der Dracheninsel lebt, die Geschichte der verschwundenen Drachen weiter. Und in der Ferne ist das geheimnisvolle Licht zu erblicken, bei dem die Kinder am Schluss des Lagers das letzte Drachenei finden werden.

Daneben gibt es aber noch vieles mehr zu erleben. Eine Gruppe ist an diesem Tag schon am Morgen losgezogen, um an der Reuss Flosse zu bauen und sich damit den Fluss hinuntertreiben zu lassen. Eine Gruppe lässt sich den Bauernhof nebenan zeigen, andere schleifen Kiesel oder vergnügen sich bei Geländespielen.

 

Stimmen aus dem Lager

Josua, Jubla Interlaken: «Am besten gefiel mir bisher der Discoabend. Es gab coole Lieder.»

Anna, Jubla Interlaken: «Eine Nacht haben wir in Blachenzelten am Türlersee übernachtet. Das war super.»

Lisa, Jubla Dreif-Bümpliz: «Mein Highlight war das Geländespiel, bei dem zwei Gruppen einander die Flaggen klauten.»

Ron, Jubla Dreif-Bümpliz: «Ich finde es super, dass wir keine Handys dabeihaben. So haben wir viel mehr Zeit füreinander.»

Zebib, Jubla Burgdorf: «Das Gemeinsame Spielen und das Schlafen im Zelt gefällt mir am besten.»

Maja, OK-Mitglied, Jubla Thun: «Als wir gemeinsam den Lagersong sangen und niemand aufhören konnte, das war mein schönster Moment.»

17. Juli 2019
erstellt von Landeskirche
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