Der soziale Zusammenhalt ist gefährdet

Manche Sparbeschlüsse des Grossen Rats treffen den sozialen Konsens in Bern, befürchtet die Katholische Kirche Region Bern. In ihren eigenen Beratungsstellen und der kirchlichen Sozialhilfe spüre man seit Jahren einen steigenden Druck auf Armutsbetroffene. Dieser werde nun auf Kosten der Schwächsten weiter verstärkt und führe zu einem Auseinanderklaffen der Gesellschaft.

Die Berner Katholiken sind dankbar, dass das „Voilà“-Programm zur Gesundheits­förderung der bernischen Jugend­verbände vom Grossen Rat nicht eingespart wurde. Die engagierten jungen Freiwilligen von Jungwacht und Blauring (Jubla) sowie den katholischen Pfadfindern können aufatmen, ebenso wie die Bera­tungs­stelle Ehe-Partnerschaft-Familie, deren Unterstützung durch den Kanton ebenfalls nicht gestrichen wird.

Bruch mit bewährter Solidarität

Doch die Einsparungen in andern Bereichen machen der Katholischen Kirche der Region Bern grosse Sorgen. Sie führt in dreizehn Pfarreien und Missionen auf eigene Rechnung Sozialdienste. Dabei wurden die Budgets der Sozialhilfe und entsprechender Projekte soeben um 0,7 Millionen Franken erhöht, weil der Druck auf Armutsbetroffene seit Jahren steigt. Immer mehr Menschen können trotz voller Erwerbstätigkeit als „Working Poor“ ihren Unterhalt nicht mehr bezahlen. Wenn der Kanton Bern nun die Leistungen für den so genannten Grundbedarf kürze, gehe dies auf Kosten der Schwächsten der Gesellschaft. Mit seinen Einsparungen breche der Kanton Bern bewährte Solidaritäts­prinzipien, stellt das römisch-katholische Dekanat Region Bern fest. Schweizweite Standards zum Beispiel der SKOS (Schweiz. Konferenz für Sozialhilfe) würden leider nicht mehr eingehalten. 

Das soziale Engagement ist eine Form der Nächstenliebe und eine kirchliche Kernaufgabe. Dafür setzt die römisch-katholische Gesamtkirchgemeinde mit ihren 63‘000 Mitgliedern ab 2018 neu 15 Prozent des Jahresertrags aus Steuern und Liegenschaften (bisher 12 Prozent) ein. Aus dieser Arbeit kennt die Katholische Kirche Region Bern die sozialen Nöte der Menschen von nahem. Deshalb lösen die Sparbeschlüsse des Grossen Rats zunehmend Sorgen aus: Das Auseinanderklaffen der Gesellschaft und die steigende Zahl von Armut betroffener Menschen sei eine grosse Gefahr für das Zusammenleben.

Stellungnahme Berner Kirchen

Stellungnahme Caritas Bern und Kath. Landeskirche

5. Dezember 2017
erstellt von Kommunikationsstelle
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