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Foto: Silke Mattner

Die Frage nach dem Fasten (Albrecht Mattner)

 Heilfasten, Gesundfasten, durch Fasten abnehmen, wer kennt das nicht. Die Wellness Bewegung motiviert uns heutzutage alle, sorgsam mit unserem Körper umzugehen. Wir sollen durch ausgeklügelte Ernährungsprogramme Schlacken abbauen, kontrolliert abnehmen mit dem Ziel, das Wohlfühlen zu steigern und die Figur wieder mehr dem allgemeinen Schönheitsideal anzupassen, oder die Gesundheit zu verbessern. 

Aber das Fasten ist keine Erfindung der Neuzeit. Es ist viel älter: Schon im Judentum sollten durch das Fasten Körper und Geist gereinigt und so neu auf Gott ausgerichtet werden. Auch zu Jesu Zeit war das Fasten üblich. Die Pharisäer fasten und auch die Jünger des Johannes.

Und hier überrascht uns Jesus in dieser kleinen Episode aus dem Matthäusevangelium: Seine Jünger fasten nicht. Seine überraschende Antwort lautet: Wie können die Hochzeitleute Leid tragen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Das bedeutet: Seine Jünger fasten nicht, solange Er unter ihnen weilt. Er ist der Bräutigam, das gilt es zu feiern.

Jesus setzt hier bewusst andere Prioritäten, Er hat andere Massstäbe. Seine Jünger werden auch fasten, aber zu einem anderen Zeitpunkt, dann, wenn Er nicht mehr unter ihnen weilt. Fasten kann nämlich auch zum Selbstzweck werden, etwa wenn nur vordergründige Ziele im Mittelpunkt stehen.

Für Jesus ist das Fasten kein Selbstzweck. Wer in seinem Sinne fastet, verzichtet auf billigen Trost, auf die Erfüllung vordergründiger Genüsse. Er ist vielmehr auf der Suche nach dem Wesentlichen. Er gesteht sich ein, dass ihm etwas Wesentliches fehlt und ist auf der Suche danach.

Auch bei uns Christen hat das Fasten schon eine sehr lange Tradition. Hier ist die Fastenzeit eine Zeit der Vorbereitung. Eine Vorbereitung auf ein Ziel hin. Wenn die Fastenzeit  am Aschermittwoch beginnt, trägt sie die Hoffnung auf dieses Ziel schon in sich. Nach vierzig Tagen wird das Ziel erreicht. Denn die Fastenzeit ist nicht das Ziel, das Ziel ist Ostern. Der auferstandene Christus ist unsere Hoffnung.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete und frohe Osterzeit!

Albrecht Mattner

 

23. April 2011