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Familien oder Einzelne suchen Rat bei den Berner Pfarrei-Sozialdiensten: Gut 1000 Personen pro Jahr. (Foto: Caritas)

Lebensmittelhilfe – Teil des Corona-Hilfspaketes der Berner Kirche. (Foto: Stefan Maurer)

Ressourcen der Menschen stärken

Ein Beratungs- und Sozialdienst gehört zu allen Pfarreien und Missionen der Katholischen Kirche Region Bern. In der Kirchgemeinde Bruder Klaus in Bern ist Sozialarbeiterin Alba Reding zuständig. Sie erzählt von der Begegnung mit hilfesuchenden Menschen und der Suche nach Lösungen.

"Die Leute kommen mit vielfältigen Anliegen. Es gibt überall Ungerechtigkeiten - Menschen mit vielen Ressourcen haben mehr Chancen damit umzugehen", berichtet Alba Reding über die Ratsuchenden, die die Sozialberatung der Pfarrei Bruder Klaus aufsuchen. Ihre Herkunft sei breit gefächert, erklärt die 32-jährige Sozialarbeiterin: "Unsere Beratungsstelle ist niederschwellig. Wir sind offen für alle Menschen, das hängt nicht vom sozialen Status ab." Jedes Leben sei anders. Sie müsse das Umfeld verstehen, um längerfristig helfen zu können. Nicht nur Randständige und Armutsbetroffene brauchen Rat. "Wir unterstützen alle Menschen, die Hilfe suchen", betont Alba Reding.

Kirchliches Sozialhilfe-Netz

Die dreizehn lokalen Sozialdienste der Katholischen Kirche Region Bern werden koordiniert von der Fachstelle für soziale Arbeit (FASA) im Berner Pastoralraum. Alle zusammen führten letztes Jahr gut 4500 Gespräche mit insgesamt etwa 1000 verschiedenen hilfesuchenden Personen. Über die Hilfskasse konnten 210 Gesuche bewilligt werden. Damit wurden Notlagen in Bereichen wie Gesundheit, Wohnen oder Integration finanziell überbrückt. Alba Reding schätzt diese regionale Vernetzung sehr. Der Austausch unter den Fachleuten der Pfarreien sei hilfreich mit Besprechungen von Fällen und der Reflexion der eigenen Arbeit.

"Jedes Quartier ist anders geprägt", stellt Alba Reding fest: "Auf dem Gebiet der Pfarrei Bruder Klaus ist die reformierte Kirche präsent in der Gemeinwesenarbeit, zum Beispiel mit Kleiderbörsen oder dem interkulturellen Frauentreff." Zusammenarbeit hilft weiter und das katholische Angebot kann angepasst werden. Die eigenen Möglichkeiten seien zudem begrenzt, erklärt die Sozialarbeiterin, die seit November 2018 mit 60 Stellenprozenten für den pfarreilichen Sozialdienst Bruder Klaus arbeitet. "Nebst dem Pfarreigebiet sind wir auch für Menschen aus vier Sprachgemeinden zuständig. Zu Bruder Klaus gehören neben der deutschsprachigen auch die polnische, vietnamesische, philippinische und englische Community." Dass sie in Bern aufgewachsen und verwurzelt ist, hilft Alba ihr im hiesigen Berufsalltag.

Hilfe zur Selbsthilfe

Alba Reding erzählt von einem Mann, der einzelne Rechnungen nicht bezahlen konnte. Im Erstgespräch und beim Erstellen eines Budgets zeigte sich, dass wegen einer Spielsucht Schulden aufgelaufen waren. Jetzt war der Mann in Therapie und gut unterwegs, doch es drohte die Pfändung. Durch seine Arbeit und temporäre Aufträge an Samstagen verdiente er jedoch so gut, das eine Schuldensanierung möglich wurde und innert acht Monaten gelang. Die Sozialarbeiterin entlastete ihn administrativ, indem sie mit Stellen wie dem Betreibungsamt, Krankenkasse, Kreditfirma oder der Polizei Kontakt aufnahm und Lösungen wie Ratenzahlungen, Mahnstopps usw. aushandelte. Die Übernahme von drei Prämienrechnungen stoppte eine weiterführende Verschuldung. Als nochmals eine alte Forderung auftauchte, konnte der Mann eigenständig eine Lösung finden. "Solche Erlebnisse motivieren mich, denn ich möchte die Leute befähigen, ihre Probleme selber anzupacken", freut sich Alba Reding.

Ratsuchende kommen mit unterschiedlichen Anliegen zum Sozialdienst: "Ich versuche immer herauszufinden, wo ihre Ressourcen sind", erklärt Alba Reding und fragt sich: "Wo kann ich etwas beisteuern? Kann ich etwas zur Klärung beitragen? Oder braucht es eine Vermittlung?" Hilfe zur Selbsthilfe steht im Mittelpunkt. Dazu gehört das Aufzeigen von Auswegen und Entwicklungen. "Wir können die Leute nicht retten. Wir sind nur die Anlaufstelle, die mithilft, die Schwierigkeiten zu erkennen und Ressourcen zu finden. Wir ermutigen zu nachhaltigen Lösungen." Offene Rechnungen sind oft nur Symptome - dahinter stecken vielleicht Schulden die angegangen werden müssen, Sozialversicherungsansprüche die geltend gemacht werden können, Anspruch auf Sozialhilfe oder fehlender Zugang zu Angeboten, die erschlossen werden können. Manchmal verstecken sich dahintere Probleme mit der Gesundheit, Behörden, der Schule, oder in der Familie, welche sich oft erst im Verlaufe der Beratungen zeigen.

Behördenangst

Der kirchliche Sozialdienst kann nur mit Nothilfe oder Überbrückung finanziell helfen. "Wenn 1500 Franken pro Monat fürs Leben fehlen, braucht es den Gang zum Sozialdienst der Gemeinde", stellt Alba Reding fest: "Vielen Sozialhilfe-Berechtigten fällt dies enorm schwer." Sie schämen sich, haben Angst vor Behörden oder wollen sich nicht in ihr Leben reinreden lassen. Da wird Begleitung und Beratung durch die unabhängige Sozialarbeiterin der Kirche besonders wichtig, um Entlastung zu bieten, Vertrauen zu schaffen oder Administratives zu erleichtern. Alba Reding stösst auch an ihre Grenzen: "Manchmal können wir nicht bieten, was sich die Leute wünschen." Alle sind frei, ihren Rat anzunehmen oder nicht.

Die Pandemie hat die soziale Lage verschärft. Manche Ratsuchende hatten zuvor nie Existenzprobleme. Deshalb schätzt Alba Reding das Corona-Hilfspaket, das die Katholische Kirche Region Bern vor einem Jahr lanciert hat. Dazu gehören auch Einkaufsgutscheine, die sie verteilen kann oder das Lebensmittel-Angebot von "Tischlein deck dich". Die Sozialarbeiterin hält fest: "Wir haben ein gutes Sozialsystem in der Schweiz." Trotzdem fallen Leute durch die Maschen: "Oft wissen sie nicht, wohin mit ihren Problemen." Es gäbe nicht nur Armut, sondern etwa auch häusliche Gewalt oder Schwierigkeiten mit Behörden. "Und ich treffe traumatisierte Menschen, die ganz Schlimmes erlebt haben", erzählt Alba Reding. "Es ist eine dankbare Arbeit, hier Orientierung und etwas Halt zu geben", erkennt sie: "Es ist wichtig und ein Glück, dass die kirchliche Sozialberatung für alle Menschen da ist.

Sozialberatung Pfarrei Bruder Klaus Bern

Karl Johannes Rechsteiner

 

 

 

3. Mai 2021
erstellt von Kommunikationsstelle
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