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Foto: cc, anders_hh, flickr.com

Die Sache mit der Ewigkeit (Nicole Arz)

Die Familie, in der ich aufgewachsen bin, war keine strenggläubige, aber eine doch sehr christlich geprägte. Und etwas war für mich als Kind eine unumstössliche Tatsache: nämlich dass wir nach unserem Tod im Paradies sein würden. Ich weiss nicht, zu welchem Zeitpunkt mir daran Zweifel gekommen sind. Vielleicht dann, als ich gehört habe, dass andere Menschen sich ganz andere Vorstellungen machen und davon ebenso überzeugt sind. Oder einfach dann, als die zunehmende Lebenserfahrung es mit sich brachte, Fragen zu stellen und Zweifel zu haben.

Aber denken Sie nun nicht, ich würde jene Zeit, an der mein Glauben an ein Leben im Jenseits gefestigt war wie ein Stück Fels, vermissen. Zwar hatte ich damit keinerlei mit Ungewissheit verbundener Angst vor dem Sterben, aber die Angst vor der Ewigkeit, die meiner harrte, war beinahe noch erdrückender.
Abends vor dem Einschlafen überfiel sie mich dann, diese Angst, einmal für immer und immer und immer irgendwo zu sein. Ohne Aussicht auf Veränderung, ohne Aussicht, jemals wieder dort wegzukommen. Ein langweiliges Dasein in die Unendlichkeit hinein. Und in meiner Vorstellung versuchte ich mich in diese unfassbare Dimension "Ewigkeit" hineinzusteigern und fühlte mich schauerlich dabei. Denn keine einzige Sekunde erwägte ich, dass es vielleicht auch ganz anders werden könnte.

Natürlich empfinde ich auch heute den Gedanken an den Tod oftmals als bedrohlich und das Ungewisse als beunruhigend. Aber was auch immer dann sein wird, so tröstet es mich doch, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht für die Ewigkeit - und ich meine wirklich für die Ewigkeit! - auf derselben Wiese sitzen müssen. Und anstatt mir zu überlegen, wie es dann sein könnte nach dem Sterben, überlege ich mir immer öfter, was ich mir denn eigentlich wünschen würde. Und das, kann ich Ihnen sagen,  ist gar nicht so einfach. Probieren Sie es selbst aus!

Nicole Arz

22. Januar 2011