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Der zwölfjährige Flavio und seine Betreuerin vom Entlastungsdienst, der betroffene Familien im Alltag unterstützt. Die Katholische Kirche Region Bern unterstützt mit ihrem Corona-Hilfspaket die in der Krisenzeit zusätzlich notwendigen Angebote.

Familien entlasten in Corona-Zeiten

Hilfspaket der Katholischen Kirche Region Bern 

Der Entlastungsdienst im Kanton Bern unterstützt Menschen und Familien, die von einer chronischen Krankheit, einer Behinderung oder Demenz betroffen sind. Eine besondere Herausforderung angesichts der Bedrohungen durch das Coronavirus. Mit ihrem Corona-Hilfspaket unterstützt die Katholische Kirche Bern die besonderen Angebote.

Flavio Huber ist zwölfjährig und kam mit dem Pitt-Hopkins-Syndrom, einer seltenen genetischen Erkrankung, zur Welt. Er ist geistig behindert, sehbehindert und hat eine schwere Spracherwerbsstörung. Flavio wird seit seinem dritten Lebensjahr von einer Betreuerin des Entlastungsdienstes, Andrea Spring, begleitet. Hintergründe dieser Geschichte zeigt der Film «Geschwisterkinder» über die Arbeit des Entlastungsdienstes.

Der Entlastungsdienst hilft auch im Bernbiet betroffenen Familien bei der Bewältigung ihres Alltags, wenn jemand von einer chronischen Krankheit, einer Behinderung oder Demenz betroffen ist. Der gemeinnützige Verein Entlastungsdienst Kanton Bern bietet seit über 30 Jahren die zeitweise Betreuung der Angehörigen als stellvertretender Betreuungsdienst während Stunden, Tagen oder Wochenenden.

Zuhause gut betreut

Schon in normalen Zeiten ist die Belastung in diesen Familien gross: Sie sorgen für Betreuung von morgens früh bis abends spät und zeitweise während der Nacht, sieben Tage pro Woche, Monat für Monat, unter Umständen Jahr für Jahr. Wer zuhause einen Angehörigen pflegt, der an einer Behinderung, Demenz oder chronischen Krankheit leidet, leistet teilweise einen unglaublich grossen Einsatz, oft ohne Freizeit, Rücksicht auf eigene eigener Bedürfnisse, Pflege von Kontakten ausserhalb der Familie und unbeschwerte Stunden.

In der aktuellen Situation mit dem sich verbreitenden Coronavirus entfallen beispielsweise Schulbetrieb, Kinderbetreuung oder externe Betreuungsangebote. Oft müssen sich betreuende Angehörige aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend von den zu betreuenden Personen distanzieren. Es entstehen plötzliche Betreuungsengpässe – eine akute und problematische Herausforderung.

Direkthilfe für betroffene Familien

Wo möglich springen in dieser Lage geschulte Betreuungspersonen des Entlastungsdienstes kurzfristig und unkompliziert ein. Als Non-Profit-Organisation verrechnet dieser seine Arbeit zu sozialverträglichen Tarifen. Über ihr Corona-Hilfspaket unterstützt nun die Katholische Kirche Bern die Coronazeit-Dienstleistungen des Entlastungsdienstes mit 23'400 Franken. Mit einem Teil des Geldes werden etwa die Tarife bei Familien weiter gesenkt, welche die zusätzliche Betreuung sonst nicht bezahlen könnten.

Die Dienstleistungen des Entlastungsdienstes ergänzen die Angebote der spitalexternen Hilfe und Pflege zuhause. Dieser zuverlässige Support trägt dazu bei, für die anspruchsvolle Aufgabe der Angehörigen-Betreuung zuhause dank Pausen genügend Energie zu haben. Damit wird das wertvolle und unbezahlbare Familiensystem am Laufen gehalten. Dies kommt dem Familienmitglied mit Beeinträchtigung zugute, weil damit vielleicht eine Heimeinweisung oder andere schwerwiegende Massnahmen verhindert oder aufgeschoben werden können.

Eine Million Franken für Direkthilfe

«Das soziale Engagement der Kirche in dieser Coronazeit beeindruckt mich, sie besteht eben nicht nur aus Gottesdiensten», freut sich Udo Michel, Geschäftsführer des Entlastungsdienstes im Kanton Bern, zum Corona-Hilfspaket der Katholischen Kirche Region Bern. «Dies entspricht genau unserer Haltung – wir wollen unbürokratisch Hilfe bieten, die schnell wirkt!»

Der Leistungsvertrag mit dem Entlastungsdienst ist eine der vielfältigen Massnahmen, mit denen die Katholische Kirche in der Region Bern bewährte Organisationen stärkt, um den Herausforderungen der besonderen Lage mit dem Coronavirus begegnen zu können. Vom Mitte März bewilligten Budgetdach fürs Hilfspaket konnte innert weniger Wochen schon weit über die Hälfte des Geldes sofort eingesetzt werden – mit nachhaltiger Wirkung. Erreicht wurden damit wohl weit über 2000 Personen, viele davon als Familien.

Ein Eckpunkt des Programms ist die Lebensmittelhilfe von insgesamt 200'000 Franken: Mit Einkaufsgutscheinen zu 50 Franken pro Woche wird die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs von rund 400 Familien sichergestellt. Die 14 Sozialdienste der katholischen Pfarreien und Missionen sowie 20 weitere Sozialfachstellen vermitteln diese an Personen mit Bezugskarten von Tischlein deck dich, das seine Tätigkeit wegen Corona einstellen musste. Auch die Kirchliche Gassenarbeit vergibt Gutscheine à 20 Franken für den Einkauf von Lebensmitteln an 110 Personen.

Folgende Partnerorganisationen werden durch das katholische Hilfspaket mit Leistungsvereinbarungen und Spenden für akute Nothilfe unterstützt:

  • Die Passantenhilfe der Heilsarmee für erhöhten Hilfsbedarf in der Coronazeit.
  • Wohnenbern für Betreuung und tägliche Mahlzeitenlieferung - siehe separaten Bericht
  • Die Kirchliche Gassenarbeit für die temporäre Aufstockung des Personals und Budgets
  • Xenia, die Beratungsstelle für Sexarbeit: Beratung und finanzielle Nothilfe für bis 80 Personen
  • Die Sans-Papier-Beratungsstelle für Sachhilfen und erhöhte Beratungskosten während der Krise
  • Der «Sleeper» mit 20 Schlafplätzen für Obdachlose und eigener Gassenküche, dem wegen Schliessung des eigenen Barbetriebs die Finanzierung fehlt
  • Wege Weierbühl für Kosten wegen Pandemieprävention (u.a. Wohncontainer mit Zusatzraum)

Bei Redaktionsschluss liefen weitere Abklärungen mit gut einem Dutzend Organisationen, zum Beispiel mit der Dargebotenen Hand, Frauenhäusern, Winterhilfe, Pro Juventute, Kontextbern, usw.

Bericht zur Lancierung des Corona-Hilfspakets der Katholischen Kirche Region Bern

Bericht über den Einsatz des Corona-Hilfspakets am Beispiel von Wohnenbern

 

Weitere Informationen zum Entlastungsdienst

Link zum 30-minütigen Film «Geschwisterkinder»

 

 

 

27. April 2020
erstellt von Kommunikationsstelle
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