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Eine alte spirituelle Praxis neu definiert. Sylvia Rui und Felix Weder. Foto: Sebastian Schafer

Hände auflegen

Eine der ältesten spirituellen Praktiken des Segnens ist das Handauflegen. Auch Jesus von Nazareth gab seinen Jüngerinnen und Jüngern den Auftrag, den Kranken in seinem Namen die Hände aufzulegen. Die Sozialarbeiterin Sylvia Rui und der Gehörlosen-Seelsorger Felix Weder der Pfarrei St.Franziskus bieten zum dritten Mal eine Segnungsfeier mit «Hände auflegen» an.

Der Ablauf der Feier ist schlicht. Nach einer Einstimmung wird zur Stille eingeladen. Die beiden Seelsorgenden gehen von Person zu Person und legen ihr während 10 Minuten die Hände auf. «Das kann auch ohne Berührung geschehen», sagt Felix Weder. Die Feier dauert insgesamt zwei Stunden. Innerhalb dieser Zeit kann man kommen und wieder gehen. Letzte Einfindungszeit ist jeweils um 19.30.

Ich treffe die beiden in der alten reformierten Kirche Bremgarten. Sowohl Sylvia Rui wie auch Felix Weder absolvierten spirituelle Ausbildungen in Energiearbeit und Heilpraktiken in verschiedenen Institutionen. Bei Krankenbesuchen und als Sterbebegleiterin erfuhr Sylvia Rui immer wieder die beruhigende Wirkung der Berührung. «Das Auflegen der Hände während des Sterbeprozesses wirkt angstlindernd, herz- und geistöffnend, so meine Erfahrung. Es ist eine tiefe und sehr persönliche Arbeit, die nicht über Willen und Wort geht, sondern einem inneren Öffnen dient. Durch das Händeauflegen überträgt sich Energie und Wärme. Auch in meiner Arbeit mit Senioren wurde mir bewusst, dass das bewusste Wahrnehmen der Person, das Angenommensein und Akzeptiertsein, wie man ist, schon eine befreiende, wohltuende Wirkung haben kann. Das kann durch Händeauflegen vestärkt werden.»

«Ich begleite seit sieben Jahren einen schwerkranken Mann», erzählt Felix Weder. «Anfänglich brachte ich ihm die Kommunion. Als er die nicht mehr nehmen konnte, wechselten wir zu Messwein. Jetzt lege ich ihm die Hände auf. Dieser Kontakt», so Felix Weder, «vermittelt ohne Worte Nähe und so entwickelt sich Vertrauen.»

Das Händeauflegen kann aber schnell zu einer Grenzverletzung führen, werfe ich im Gespräch ein, dann, wenn damit Heilungserwartungen verbunden werden. Das kann gerade bei Menschen, die in labilen Situationen leben, geschehen. Wie gehen die beiden damit um? «Mit Klärung. Wir stellen beim Händeauflegen keine Diagnosen, sprechen nicht von Heilung», betont Weder, «das schreiben wir immer auch explizit in jeder Ausschreibung. Es ist keine medizinische Ersatzhandlung oder eine heilende Zauberei, sondern die Einladung, sich ganz von Menschen und Gott angenommen zu wissen.» Sylvia Rui ergänzt: «Im eigentlichen Sinne geht es um eine einfache Form der Meditation, um die Möglichkeit, den Alltag mit seinen vielfältigen Belastungen ziehen zu lassen und ganz da zu sein, sich innerlich auf einen heilenden Prozess einzulassen. Das Wort Heilung kommt dabei nur als Bitte vor und ersetzt keine ärztlichen Behandlungen.»

Ist das Handauflegen liturgisch zwischen Krankensalbung und umgekehrtem Exorzismus, der nicht das Böse austreibt, sondern das Gute herabbetet, einzuordnen, frage ich. Felix Weder lacht: «Nein, nein, es ist eine eigenständige Segensfeier. Der für unsere Bistumsregion zuständige Bischofsvikar Arno Stadelmann, den ich über die Feiern informierte, liess sie zu mit den Worten ‹Mach’s im Namen Jesus Christus, mache keine Heilungsversprechen und schau gut zu dir.›», erläutert Weder. «Die katholische Kirchenleitung der Region Bern bewilligte sie vorerst als Angebot in der Pfarrei. Die Teilnehmenden entscheiden ja aus freien Stücken, ob sie den Einladungen folgen. ‹Hände auflegen› wird in der ganzen Schweiz, in verschiedenen ‹offenen Kirchen›, in reformierten wie katholischen Gemeindekirchen angeboten».

Wer sich selbst ein Bild machen will, kann das diesmal an einem besonderen Kraftort tun. «Hände auflegen» ist laut Weder und Rui offen für alle Interessierten, auch für Erwachsene mit Kindern und für Gehörlose. Am Freitag, 23. Juni findet die Feier ab 18.00 in der reformierten Kirche Bremgarten bei Bern auf der idyllischen Engehalbinsel statt. Das Gotteshaus stammt aus dem 10. Jahrhundert (Bus 21 bis Bremgarten Schloss). «Ein ganz wunderbarer Ort für diese Feier», bemerkt Sylva Rui und schaut sich im alten Sakralraum um. «Es ist für mich ein Erlebnis, dass wir ‹Hände auflegen› in Kirchen anbieten dürfen, in einer schlichten Form.» Nach einer kurzen Stille meint Felix Weder: «Wie ein gelebtes Gebet.»

Jürg Meienberg

Hinweis: «Hände auflegen»-Segensfeier auf der Engehalbinsel in der alten reformierten Kirche Bremgarten bei Bern. Freitag, 23. Juni, 18.00–20.00
Letzte Einfindungszeit 19.30

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7. Juni 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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