André Flury und Angela Büchel Sladkovic. Foto: Pia Neuenschwander

Frische christliche Sichtweisen

Im Frühling 2018 startete www.glaubenssache-online.ch als Internet-Zeitschrift der Fachstelle «Kirche im Dialog» in Kooperation mit dem Berner «pfarrblatt». Sie schafft neue Zugänge zu heutigen Glaubensfragen und erzielte bereits im ersten Jahr rund 30 000 Seitenbesuche von über 6 500 Leser*innen.

von Karl Johannes Rechsteiner


«Schöpfung – Gottes Vision einer guten Welt» heisst ein Beitrag der Berner Theologin Angela Büchel Sladkovic im heissen Sommer und der Klimakrise. «Glaubenssache-online» thematisiert nicht nur grundsätzliche Themen von Bibel und Kirche, sondern stellt auch Bezüge her zu aktuellen Fragen, die uns auf Facebook bis zum Familientisch umtreiben.

André Flury schafft in seinem Beitrag «Was ist das Wichtigste im Glauben?» eine Verbindung vom biblischen Gebot der Gottes- und Nächstenliebe zur unsäglichen Not heutiger Flüchtlinge. Illustriert werden die Aussagen mit einem Bild der Kapitänin Rackete, die mit ihrem Schiff im Mittelmeer Flüchtlingen das Leben rettete und dafür verhaftet und angeklagt wurde. Für Theologe Flury zeigt sich der Glaube, das Religiös-Sein, im konkreten Verhalten gegenüber dem Mitmenschen. Gottes- und Nächstenliebe gehören zusammen. So ist auch die Erzählung vom barmherzigen Samariter eine Aufforderung zum humanitären Handeln heute.

Neue Zugänge zum Glauben

André Flury ist als Leiter der Fachstelle «Kirche im Dialog» der Katholischen Kirche Region Bern auch Initiant und Redaktor dieser digitalen Zeitschrift zu christlicher Theologie und Praxis. Im April 2018 ging das Magazin online. Seither folgen regelmässig neue Beiträge in vier Rubriken: Gott – Rabbi Jesus – Mensch – Schöpfung.

Wer durch diese Gliederung navigiert, findet vielfältige Reflexionen, meist in der prägnanten Kürze des heutigen Qualitätsjournalismus. Zum einen wird in den Beiträgen nach der aktuellen Bedeutung der biblischen Schriften gesucht. Zum anderen werden Ereignisse des Tages, von neuen Filmen bis hin zu politischen Diskussionen, als Anlass genommen, um theologische Reflexionen anzustellen. «Wir möchten neue Zugänge zum christlichen Glauben schaffen», erklärt André Flury, «zum Beispiel mit überraschenden Einblicken in biblische Erzählungen.» Es gehe um einen aufgeschlossenen, verantwortungsbewussten Glauben. «Wir bieten eine Alternative zu vielen religiös-fundamentalistischen Seiten im Internet, indem wir naturwissenschaftliche Erkenntnisse, andere Religionen und die theologische Forschungernst nehmen.»
Fundierte Theologie in gut verständlicher Sprache auch für Menschen, die wenig bis nichts mit der Kirche am Hut haben, heisst die Devise.

Dank Vorgängerprojekten

Glaubenssache-online.ch ist eine Publikation, die über klassische Bücher, Predigten oder Kirchenzeitschriften hinausgeht. Das Internet-Magazin entwickelte sich aus Projekten, mit denen man bereits vor Jahren an die Öffentlichkeit trat. Da war etwa eine gleichnamige Ausstellung im Stapferhaus, oder das Berner «pfarrblatt» lancierte in Anlehnung an die damaligen «theologiekurse.ch» eine Art digitalen Glaubenskurs. Auch im neuen Online-Magazin arbeitet die heutige Redaktion des Berner Blattes aktiv mit.

Kooperation steht im Mittelpunkt der Redaktionsarbeit von «glaubenssache-online». Denn die finanziellen Mittel sind beschränkt. Trotz Start ohne kommerzielle Werbung wurden im ersten Jahr rund 30 000 Seitenbesuche von über 6 500 Nutzer*innen gezählt. Die Texte sorgen via Facebook immer wieder für Diskussionen. Manche Leute danken persönlich für die Publikation. Es kommen auch Anfragen zum Abdruck von Artikeln, selbst aus freikirchlichen Kreisen, weil die thematischen Zugänge offen, fundiert und sinnerhellend sind. Deshalb sollen die Beiträge nun auch auf Französisch und Italienisch übersetzt werden.

Gefragt: Adam und Eva

«Adam & Eva – oder vom Nacktsein» war einer der ersten Beiträge, als das Portal im April 2018 neu startete. Dieser aufschlussreiche Beitrag liegt seither an der Spitze der Klickraten von «glaubenssache-online». Wohl gerade weil er mit den historischen Fehlinterpretationen des «Sündenfalls» aufräumt und zeigt, dass diese biblische Urgeschichte keineswegs frauenfeindlich gemeint ist. Insgesamt werden Beiträge zu den grossen biblischen Themen wie zur Sintflut, zu Mose oder Maria Magdalena besonders häufig nachgefragt. Wenn bei ihnen ein neues Verständnis für die Texte gelingt, ist das Echo gross.

Gegenüber anderen Religionen ist das theologische Online-Journal sehr wertschätzend. Voneinander lernen, statt abgrenzen ist gefragt. Auch das tägliche Umfeld aus Kunst, Kommerz und Kirche kommt ins Gespräch und damit das Lebensnetzwerk und die existenziellen Fragen von Hoffnungen, Perspektiven und Gerechtigkeit. «Wir wollen keine billigen Antworten geben, sondern ehrlich und offen fragen und auch Widersprüche aushalten», erklärt André Flury. Er und sein Team von Autor*innen haben mit «glaubenssache-online» eine erfrischende und kreative Stimme in der religiösen Internet-Landschaft geschaffen.

 

www.glaubenssache-online.ch

 

 

5. September 2019
erstellt von Kommunikationsstelle
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