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Gut und Böse (Albrecht Mattner)

Als ich diesen Bibelvers, er ist die Jahreslosung der Herrenhuter Brüdergemeinde für das Jahr 2011, zum ersten Mal gelesen habe, hat er in mir ganz zwiespältige Gefühle ausgelöst. Auf den ersten Blick kommt diese Aufforderung des Apostels Paulus ganz locker und leicht daher. Schaut man aber genauer hin, kommt einem gleich die erste Frage in den Sinn: Wer oder was bitte schön ist eigentlich das Böse in meinem Leben? Und was ist das Gute? Sind wir denn nicht alle gut, zumindest mehr oder weniger?

Der Apostel Paulus legt diesen Satz der Gemeinde von Rom am Ende einer langen Reihe von Ermahnungen ans Herz. Ganz konkret malt Paulus ihr vor Augen, wie sich Christsein im persönlichen Alltag auswirkt. Und damit legt er die Messlatte recht hoch.

Ganz konkret kann das zum Beispiel bedeuten, dass ich nicht nach Vergeltung rufe, wenn mir persönlich Unrecht zugefügt wird. Mein Chef hat mich ungerecht behandelt. Ein Verwandter, dem ich bisher immer vertraut habe, hat mich übervorteilt und hintergangen.

Wie reagiere ich jetzt in einer solchen Situation?

Ich weiss nicht wie es Ihnen bei diesem Gedanken geht, aber wenn ich ehrlich bin, ist mir in solchen Situationen des Lebens der Sinn eher nach Rache, nach Vergeltung. Von der Forderung des Paulus fühle ich mich eher überfordert. Sie ist so ganz gegen unser natürliches menschliches Empfinden.

Aber Gottes Massstäbe sind eben anders. Sie sind radikal anders. Eine Überforderung, wenn die Umsetzung nur von unseren Möglichkeiten abhinge. Aber Gott fordert von uns nichts, was er uns nicht zuvor geben möchte: Jesus hat das Böse am Kreuz ein für allemal überwunden. Er allein hat die Möglichkeit geschaffen, den verhängnisvollen Kreis der Vergeltung zu durchbrechen. Wenn es uns gelingt, uns auf Ihn und seine Möglichkeiten einzulassen, kann daraus Trost erwachsen, der nicht auf Rache und Vergeltung basiert.

Dann kann es uns ansatzweise gelingen, Böses nicht immer wieder mit Bösem zu vergelten.

Ich wünsche Ihnen dass es Ihnen gelingt,  diese Bereitschaft als Vorsatz  mit in das Neue Jahr zu nehmen.

Albrecht Mattner

13. Januar 2011