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Herbstbilder (Nicole Arz)

Trübe Wolken, Herbstesluft,
Einsam wandl' ich meine Straßen,
Welkes Laub, kein Vogel ruft.
Ach, wie stille! wie verlassen!

Todeskühl der Winter naht;
Wo sind, Wälder, eure Wonnen?
Fluren, eurer vollen Saat
Goldne Wellen sind verronnen!

Es ist worden kühl und spät,
Nebel auf der Wiese weidet,
Durch die öden Haine weht
Heimweh; - alles flieht und scheidet.

Aus "Herbstentschluss" von Nikolaus Lenau


Im November, wenn es Spätherbst geworden ist, gedenken wir der Toten und des Abschieds von jenen Menschen, die uns nahestanden.
Die Gärten sind braun geworden, welkes Laub liegt auf den Wegen und in der Luft ein Hauch von Moder und Vergänglichkeit - die richtige Zeit dazu.

Letzte Woche war ich in der Höhe unterwegs. Blauer, wolkenloser Himmel, die Gärten und Blumenkästen an den Häusern üppig in rot und violett blühend, das Laub noch an den Bäumen, erst an den Rändern ein Hauch von Gold. Ein froher Tag und sicherlich keiner zum Sterben.
Von weitem sah ich am Strassenrand zwei Notarztwagen mit blinkenden Lichtern. Beim Näherkommen sah ich dann den Mann: er lag auf dem Gehsteig, gänzlich zugedeckt mit einer gelben Plastikfolie. Nur seine Schuhe waren sichtbar - robuste Wanderschuhe. Etwas weiter entfernt sass ein weiterer Mann ebenfalls in Wanderkleidung, der ins Leere starrte. Passanten kümmerten sich um ihn.

Vielleicht war es sein Freund oder sein Bruder, der dort auf dem Asphalt lag. Und bestimmt hätte er niemals gedacht, als er sich mit ihm frohgemut auf den sonnigen Weg gemacht hat, dass der Nachmittag ein trauriger Abschied wird.

2. Oktober 2011