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Ist Christ, der Retter da? (Marie-Louise Beyeler)

Jahr für Jahr winkt Silvester bereits vor Weihnachten zu uns herüber: Es warten Tischbomben, Billigsekt und Marzipansäuli. Kaum haben wir „Stille Nacht“ gesungen, kommt eine extrem laute Nacht, die Silvesternacht. Es darf knallen, zischen und knattern, es wird gefeiert, dass die Wände zittern. 

Das sind die bösen Winterdämonen, denen mit diesem Lärm der Garaus gemacht wird. Die Botschaft von Weihnachten, gerade erst ein paar Tage alt, hängt schon schief: Sangen wir doch aus voller Kehle von Christ, dem Retter, bewunderten das göttliche Kind in der Krippe, das meistverwendete Wort war „Licht“ - und jetzt, ein paar Tage später, veranstalten wir ein geradezu heidnisches Getöse. Essen Schweinisches, ob Hinterschinken oder Marzipan spielt keine Rolle, Hauptsache, es bringt Glück, mehr oder weniger angeheitert wünscht man sich, wenn’s endlich Mitternacht ist, ein glückliches Jahr und reibt sich dann am Neujahrsmorgen verwundert die Augen: Mit Ausnahme des Kalenderblatts hat sich nichts verändert. Im Spülbecken steht das Geschirr aus dem alten Jahr. Die Erde dreht sich weiter. 

Neujahr ist ein fliessender Übergang. Ich möchte all die übertriebenen Vorsätze und Wünsche weglassen, die Erwartungen dämpfen, mich im Kontinuum der Zeit begreifen und nicht als ruheloses, von einem Jahr zum andern hüpfendes Wesen. Ich möchte meine Pfade gehen, unbeirrt und vertrauensvoll und bei Frau Torheit möglichst wenige Besuche machen.

31. Dezember 2011