Jenseitige Erlebnisse

Eine musikalisch-literarische Reise mit Musiker Patrick Zeller und Erzähler Jürg Steigmeier - urige Geschichten und faszinierende Klänge. Im Rahmen des Thementages "Endlich - unendlich" im Haus der Religionen am Sonntag, 16. Dezember um 19 Uhr.

"Einisch isch e Bueb zume Meitli gange. Du chunnt e graui Chatz zum Pfäischter ihe. Gli druf schüttlets das Meitli, wie wen es tät früre. Du merkt der Bueb erscht, dass er no schlofsturm isch u im Erwache u fragt das Meitli, was gange sig, ob es sig furt gsi. Das het ihm ume mutze Bscheid gä. Dr Bueb het gnue gwüsst. Er het das Meitli lo ne graui Chatz si u isch nie meh zue-n-ihm gange."

Jürg Steigmeier, was erzählt die Geschichte der grauen Katze?

Sie berichtet, wie eine Seele als Katze fort geht - der menschliche Leib bleibt leblos zurück. Die Seele schlüpft bei der Rückkehr durch den Mund ins Mädchen zurück, bei der Vereinigung schüttelt es die junge Frau. Hier erkennen wir die Katze als Seelentier. Solche Sagen führen uns weit in die Vorgeschichte der Menschheit zurück, quasi in ihre Kindheit und zu allen Völkern, denn überall herrschen die gleichen Gesetze.

In solchen Geschichten gehen Seelen auf Wanderschaft?

Und wir hoffen, sie kehren zurück. Manche Leute nennen es träumen, wenn die Seele unterwegs ist. Im Volksglauben kehren etwa Maus, Fliege, Wiesel und Vogel als Seelentierchen wieder, als flinke und behände Wesen. Auch in modernen Stories oder Filmen, wo Menschen plötzlich die Fähigkeit haben zu fliegen, schwingt die alte Vorstellung der Seelentiere mit.

Interpretieren Sie als Erzähler die Sagen?

Einordnen kann das jeder selber. Es ist immer wieder überraschend, wie die Geschichten verschieden betrachtet werden. Manchmal haben sie klare Anweisungen: Wie soll man eine Mutter behandeln, wenn ihr Kind gestorben ist, dass wir sie kleiden sollen, die Schuhe anziehen usw. Es sind weise Erkenntnisse, eine Mischung von Regeln voller Tiefenpsychologie.

Vertragen sich die alten Geschichten mit christlichem Glauben?

Oft verbindet sich katholischer Volksglaube mit einem urtümlichen magischen Denken. Typisch ist bei Alpensagen die Vorstellung, dass Seelen aus Gletscherspalten kommen und heimkehren. Wenn es zum Rosenkranz läutet, müssen die Seelen wieder gehen. Für sie zünden wir in der Nacht ein Licht an, auch damit sie ihren Weg finden. Heute noch lassen wir auf dem Friedhof Kerzen leuchten. So sind wir verbunden mit urtümlichen Gedanken und Geschichten.

www.haus-der-religionen.ch

6. Dezember 2018
erstellt von Kommunikationsstelle
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