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Kaffee oder Zigis?

Sein Bogenstrich war unvergleichlich. Baschi brachte Djangos Melodien in meiner Stadt zur Welt. Er war Zigeuner aus Berufung und die personifizierte Strassenmusik. Junge Gitarren gaben den Rhythmus. Trocken, präzis und rasant. Seine ungestüme Geige hatte viele Geliebte: All Of Me, Lady Be Good oder Bei Mir Bist Du Scheen. Doch die Münzen im Geigenkasten und die lausigen Gagen von gut Betuchten äufneten keine Pensionskasse. Wenn Baschi jemandem die Hand auflegte oder als Kunstmaler ein Bild verkaufte, füllte sich kein Bankkonto. Manchmal fror er in seiner Altwohnung, weil die Kohle fehlte. Mit 70 musste er sich jeden Morgen fragen, ob das Geld für einen Kaffee oder für die Zigis reichte. So wurde Baschi des Lebens müde. Eines Morgens wachte er nicht mehr auf. All die grossen Geiger, die von ihm gelernt hatten, spielten auf dem Friedhof. Ein letzter Hot Club für Baschi beim Gemeinschaftsgrab.

kjr

8. Juni 2018