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Keine Angst vor nassen Füssen - Esther Aeschlimann

Auf Kreta, in Geogioupoli, steht diese kleine, dem Heiligen Nikolaus geweihte Kapelle mitten in der Bucht. Nur wenig über dem Wasserspiegel steht sie, auf einem Steinbrocken. Wer zur Agios Nikolaos Kapelle gehen möchte, muss über den schmalen Damm aus lauter schwarzen Steinen gehen. An windstillen sonnigen Tagen ist das nicht weiter schwierig. Es gilt auf die Steine zu achten, damit man nicht dazwischen tritt, eben nicht den festen Boden unter den Füssen verliert. An solchen Tagen gehen Menschen aus den verschiedensten Ländern diesen Weg. Nicht alle tragen das ideale Schuhwerk aber meist ist jemand da, der seinen Arm anbietet, der Sicherheit gibt für den nächsten Schritt. An Tagen mit Wind wird der Weg zum Abenteuer. Die Kapelle ist kaum zu erreichen ohne dass die Wellen über den Damm schlagen und Schuhe und Hosen erwischen. An diesen Tagen geht es fröhlicher zu und her. Lautes Lachen ist zu hören und manch ein Mutiger muss für den Spott nicht sorgen, wenn er tropfnass zurückkehrt. Besonders Kinder nehmen die Herausforderung gerne an, nicht immer zur Freude der Eltern. An solchen Tagen macht es Freude, zu schauen, wer den Weg wagt, trotz nasser Füsse und zügigem Wind. Es ist wie im richtigen Leben: Manche trauen sich, andere schauen bedächtig zu und wüssten genau, wie die Mutigen den Weg zu gehen hätten. Aber nur die Mutigen kommen ans Ziel, können eintreten in die kleine Kapelle, können zurückschauen auf den waghalsigen Weg. Auf dass es ihnen doch hie und da gelingen möge, einem Kleinmütigen die Angst vor nassen Füssen zu nehmen!

9. Februar 2013