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Niklaus Baschung Redaktor Angelus

Keine Vereinnahmung von Jesus

Moises Mayordomo, Professor für Neues Testament an der Uni Basel hat auf Anfrage der Zeitung „Tageswoche“ das wahrscheinliche Abstimmungsverhalten von Jesus Christus untersucht. Er kommt zum Schluss, dass Jesus gegen eine zweite Gotthardröhre und gegen die Durchsetzungsinitiative wäre. Denn die Bibel gebe einerseits eine klare Stellungnahme für die Bewahrung der Schöpfung ab, andererseits würde Jesus schon die Unterscheidung in In- und Ausländer ablehnen. Der „Volksinitiative „keine Spekulation mit Nahrungsmitteln“ hingegen würde er zustimmen, denn die Vorstellung, dass man mit Grundnahrungsmitteln Handel betreibt, stehe völlig quer zur Bibel. Bei der Heiratsinitiative ist der Professor am unsichersten, haben sich doch die sozialen Wirklichkeiten seit dem 1. Jahrhundert stark verändert. Er tendiert eher zu einem Nein.

Nun räumt Moises Mayordomo den spekulativen Charakter seiner Einschätzungen selber ein. Denn die heutigen gesellschaftlichen Realitäten sind kaum ins Judäa des ersten Jahrhunderts zu übertragen. “Aber es gibt ein paar Grundsätze, die man auch heute anwenden kann: Die Bewahrung der Schöpfung als Prinzip, oder dass Jesus auf der Seite der Armen stand und nicht der Reichen.” Er hat sich daher zu diesem Experiment bereit erklärt, weil er sich selbst häufig ärgert, wie oft Jesus in politischen Auseinandersetzungen als Komplize missbraucht wird.

Nun macht er allerdings, wenn auch in guter Absicht, dasselbe. Doch niemand sollte Jesus vereinnahmen und ihn für seine Interessen zurechtbiegen. Glaubwürdiger ist folgende Argumentation: Ich als Christ, der ich mich in der Nachfolge von Jesus und seiner vorgelebten Werte verstehe, komme zu diesem oder jenem Abstimmungsentscheid. Selber Verantwortung für seine Handlungen übernehmen, ist christliches Verhalten. Nicht immer, aber durchaus kann dies zu unterschiedlichem Abstimmungsverhalten führen.  

Niklaus Baschung

8. Februar 2016