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Wegweisende Entscheide in der Rotonda der Berner Dreifaltigkeitspfarrei. Am 28. April beschloss der Grosse Kirchenrat ein neues Organisationsreglement für die Gesamtkirchgemeinde - es bringt insbesondere eine Besserstellung der Anderssprachigen Gemeinschaften.

Mitsprache für die Migrationsbevölkerung

Das katholische Kirchenparlament der Region Bern verabschiedete in einer einzigen Lesung ein neues Organisationsreglement. Es bringt insbesondere eine bessere Integration und Mitsprache der anderssprachigen Gemeinschaften. Trotz Pandemie schaut die Gesamtkirchgemeinde auf ein erfolgreiches Jahr 2020 zurück.

Wegen der Pandemie wagte der Kleine Kirchenrat vor dem katholischen Parlament der Region Bern keine Prognose in Sachen Kirchensteuern. Der vom Grossen Kirchenrat genehmigte Rechenschaftsbericht weist für 2020 gestiegene Steuererträge von insgesamt 29,6 Millionen Franken aus, obwohl der Steuersatz 2019 gesenkt wurde. Damit werden insbesondere Personal und Gebäude in den zwölf Kirchgemeinden der Region finanziert. Den grössten Ausgabeposten bilden die Sozialausgaben – 2020 betrugen sie 7,8 Millionen Franken oder rund einen Viertel der Jahresrechnung. Eine Million davon floss ins ausserordentliche Corona-Hilfspaket für Menschen, die besonders unter der Pandemie leiden. Finanziell unterstützt wurden hier Projekte von über 20 sozialen Institutionen von der Kirchlichen Gassenarbeit über «Wohnen Bern» bis zur Offenen Jugendarbeit. Mehrere hunderttausend Franken finanzierten Einkaufsgutscheine und Nahrungsmittelhilfe.

Katholisch-Bern als Migrationskirche

Der Rechenschaftsbericht dokumentiert auch die Mitgliederstatistik – die römisch-katholische Gesamtkirchgemeinde Bern und Umgebung zählt in ihren Pfarreien weiterhin über 60'000 Mitglieder. Davon sind ein Drittel Ausländerinnen und Ausländer, die oft in anderssprachigen Gemeinschaften organisiert sind. Dazu gehören insbesondere die Missione cattolica di lingua italiana und die Misión de lengua española. Durchs neue Organisationsreglement sollen sie besser in der Berner Kirche verankert werden.

Vor zwei Jahren hatte der Grosse Kirchenrat das Projekt zur Zukunft der Katholischen Kirche Region Bern lanciert, um die aktuellen Herausforderungen anzupacken. Eine Fusion aller Kirchgemeinden lehnte er damals ab, zugunsten einer Totalrevision der Gemeindeverfassung von 2005. Nach einem intensiven Prozess mit externen Experten und diversen Arbeitsgruppen stimmte das Kirchenparlament klar gegen alle beantragten Änderungen und verabschiedete das neue Organisationsreglement in einer einzigen Lesung.

Kirchgemeinde-ähnliche Missionen

Zur Neuorganisation gehört eine Pioniertat für die Integration der Migrationsbevölkerung, die die Kirche auch mit Steuergeldern mitträgt. Weil diese sich oft in anderssprachigen Gemeinschaften engagiert, werden ihre Mitsprachemöglichkeiten in den Ortskirchgemeinden kaum wahrgenommen. Deshalb sollen nun anerkannte anderssprachige Gemeinschaften in der Region Bern möglichst kirchgemeinde-ähnlich behandelt werden, samt Vertretung im Grossen Kirchenrat. Der Berner Rechtsanwalt Ueli Friederich informierte als Experte das Parlament, dass eine Vorprüfung des neuen Reglements durch den Kanton positiv ausgefallen sei. Nun wird das katholische Kirchenvolk gegen Ende 2021 in einer Abstimmung über die Einführung des neuen Organisationsreglementes entscheiden.

30. April 2021
erstellt von Kommunikationsstelle
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