Der Habit jeder Gemeinschaft sieht etwas anders aus: Vielfältige Ordenstrachten bei der Eröffnung des Jahres des geweihten Lebens in Einsiedeln. Foto: Cornelia Lischer

Wie kleiden sich Ordensleute?

Einst schuf Ordenskleidung Vertrauen und sogar Schutz für ihre Trägerinnen und Träger. Heute eckt der Habit auch an – wer ihn trägt, muss mit beleidigenden Sprüchen rechnen.

Mit ihrem Gewand werden Ordensleute sofort als Frauen und Männer der Kirche erkannt. Um nicht aufzufallen oder gar angepöbelt zu werden, ziehen deshalb manche Ordensleute in der Öffentlichkeit zivile Kleidung vor. Doch innerhalb der Gemeinschaft bleibt das Ordenskleid ein Identität bildendes Merkmal: Die Persönlichkeit Einzelner wird zurückgenommen – die einheitliche Kleidung betont die Gemeinschaft. Der Habit ist ein Zeichen fürs gewählte einfache Leben und die Armut. Mit Habitus wird das Auftreten und Verhalten eines Menschen benannt. Die Nebenbedeutung von Habitus meint auch die Gesinnung und innere Haltung – der Habit ist Ausdruck davon, zeigt die innere Einstellung und wird zum Glaubensbekenntnis.
Bereits im sechsten Jahrhundert hat sich die Ordenstracht entwickelt, angelehnt an die einfache Arbeitskleidung der Bevölkerung in Oberitalien. Schon damals wurde in der Kirche die symbolische Rolle der Bekleidung erkannt. Heutzutage bilden Uniformen oder die Corporate Fashion, die Firmenkleidung, in Staat und Wirtschaft wichtige visuelle Identitätsmerkmale: Ob mit einheitlichen T-Shirts, langen Schürzen des Personals eines Cafés oder der Kluft von Stewardessen. Solche Zugehörigkeitszeichen wirken nach innen und prägen gleichzeitig das Image einer Organisation gegen aussen.
Die Orden variieren ihre Tracht etwa mit Schleier, Tunika oder Chormantel. Beispielhaft bei den Kapuzinerinnen und Kapuzinern. Mit ihren Kapuzen, Kutten und dem weissen Strick als Gürtel haben sie quasi ein globales Vor- Bild geschaffen, das sich einprägt und ihre Träger unverwechselbar macht.

24. Juni 2015