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Ostern - Silke Mattner

Ein türkischer Vater fragte einmal seinen Sohn, der in Deutschland studierte, nach den Sitten und Gebräuchen der Christen in Deutschland: 
"Feiern die Christen dort eigentlich auch ein Bairam so wie wir, ein Zuckerfest nach dem Fastenmonat?" 
Der Sohn überlegte eine Weile. Dann sagte er: "Doch, ich glaube schon. Im Frühjahr kaufen sie Schokoladeneier und Hasen. Sie verstecken sie und lassen sie von den Kindern suchen. Sie hängen auch Hühnereier in die Fenster und in Zweige und beten sie an." 

Als ich die Geschichte las, musste ich zuerst lachen, aber sehr schnell überwog die Betroffenheit von dem, was hinter dieser Beobachtung des jungen Moslem steht.

Ostern - ein Zuckerfest mit religiöser Verehrung von Eiern. 
Was ist übriggeblieben von dem, was Ostern wirklich ausmacht? 
Was ist von der frohen Botschaft geblieben, daß Jesus Christus von den Toten auferstanden ist? Ostern - nur ein Zuckerfest für Kinder, mit Schokoladeneiern und Osterhasen? 

Bei den vielen offenen Fragen rund um all das, was da vor 2000 Jahren geschehen ist, da scheint es schon eine rechte Zumutung zu sein, an Auferstehung Jesu zu glauben – sollten wir da nicht lieber Ostereier suchen gehen?

Paulus findet zum Thema Auferstehung deutliche Worte: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“ So sagt er es im 1. Korintherbrief im 15. Kapitel. Harte Worte! So ganz beliebig scheint es also nicht zu sein, welchen Stellenwert wir dem Glauben an die  Auferstehung Jesu geben. Paulus ist sich ganz sicher: Diese Auferstehung, die wir uns vielleicht nicht vorstellen können, die wir als naturwissenschaftlich denkende Menschen anzweifeln mögen, die wir nicht beweisen können, sie hat stattgefunden! 

Eines ist sicher: Die Auferstehung Jesu werden wir bis ans Ende der Welt nicht beweisen können! Wir müssen es offensichtlich „einfach“ wagen, ihr zu glauben. Ich meine, dass wir etwas von dem heutigen Osterbräuchen lernen können: das Suchen. Haben Sie einmal Kinder beobachtet, die Ostereier suchen? Sie werden so lange suchen, bis sie etwas gefunden haben! Und enttäuscht sein, wenn sie nichts mehr finden. Wo sollen wir mit dem Suchen beginnen?
 Ein Ort kann das Gebet sein, wenn wir einmal kurz innehalten und mit Gott sprechen, über das, was uns bewegt.
 Vielleicht auch, indem wir die Bibel nehmen und noch einmal lesen, was da an Ostern alles geschehen ist und wie es danach weitergegangen ist.
 Vielleicht auch, indem wir mit anderen Menschen über unseren Glauben und auch unsere offenen Fragen zu reden anfangen und gemeinsam nach Antworten suchen.

Wie wäre es, wenn der junge Moslem seinem Vater auf die Frage nach dem Zuckerfest antworten würde:„Doch, ich glaube schon dass sie so ein Fest haben. Im Frühjahr kaufen sie Schokoladeneier und Hasen. Sie verstecken sie und lassen sie von den Kindern suchen. Sie hängen auch Hühnereier in die Fenster und in Zweige. Aber das ist für die Christen nicht das Wichtigste. Die Christen freuen sich und strahlen an diesem Tag, weil sie das Wichtigste im Leben gefunden haben: den Glauben an den auferstandenen Christus!“           

7. April 2012