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Das Restaurant 44 von „Wohnenbern“ ist zwar geschlossen. Doch die Küche produziert für den neuen Mahlzeiten-Lieferdienst, finanziert von der Katholischen Kirche. (Fotos: Stefan Maurer)

Sofortige Hilfe während der Krise

Ende März lancierte die Katholische Kirche Region Bern ein Hilfspaket von insgesamt einer Million Franken für Armuts­betroffene und Menschen am Rand der Gesellschaft, auf die sich die Corona-Krise besonders heftig auswirkt. Diese Soforthilfe ist bereits angelaufen - in Kooperation mit sozialen Institutionen.

Alltag vor der Coronakrise: Im Offenen Haus "La Prairie" der Dreifaltigkeitspfarrei sitzen zum Zmittag jeweils 40 bis 60 Menschen an den Tischen. Hier gibt's ein Menu für einen Fünfliber. Für den gleichen Betrag ist auch im Restaurant 44 im Wylerquartier ein "Soli-Menu" erhältlich, das zahlende Gäste finanzieren. Andere Armutsbetroffene können sich jede Woche eine Tüte voller Lebensmittel beim "Tischlein deck dich" abholen, allein die acht Abgabestellen der Region Bern erreichen damit über 1500 Personen und Familien. Fast alle dieser sozialen Angebote sind wegen der Bedrohung durch das Coronavirus seit Mitte März geschlossen. Damit fällt nicht nur der Zugang zu günstigen Lebensmitteln weg, sondern oft auch eine wichtige Alltagsstruktur. Für ihre Gäste sind etwa die "Prairie" oder das Restaurant 44 auch ein stützendes Daheim, ein verlässlicher Treffpunkt und hilfreicher Ort.

Über 200'000 Franken für Einkaufsgutscheine

Im Corona-Hilfspaket der Katholischen Kirche Region Bern bildet die Versorgung mit Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs einen prioritären Posten. Alleine 200'000 Franken aus dem 1-Million-Corona-Hilfspaket wurden in Einkaufsgutscheine der Migros umgewandelt, die ihrerseits durch ihr Kulturprozent noch einen beträchtlichen Betrag drauflegte. Familien oder Personen mit einer Bezugskarte von "Tischlein deck dich" bekommen wöchentlich einen solchen 50-Franken-Bon. Daneben gibt auch die Kirchliche Gassenarbeit Gutscheine zum Beispiel an Obdachlose ab.

Direkte Lebensmittelhilfe leistet auch "Wohnenbern". Dieser gemeinnützige Verein bietet Wohnraum und Begleitung für Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, damit sie wieder einen stabilen Platz in unserer Gesellschaft erhalten. Weil ihr Restaurant 44 wegen des Coronavirus geschlossen ist, läuft nun zusätzlich ein Mahlzeiten-Lieferdienst. Dank der Finanzierung durchs Corona-Hilfspaket der Katholischen Kirche werden aus der Restaurant-Küche nun täglich über hundert Menus an armutsbetroffene Menschen sowie an soziale Einrichtungen wie "Albatros" ausgeliefert, dem betreuten Wohnen für Drogenkonsumierende.

Soforthilfe an Partnerorganisationen

"Die Hilfe verteilen wir nicht nach dem Giesskannenprinzip", erklärt Mathias Arbogast, Leiter der Fachstelle Sozialarbeit FASA der Katholischen Kirche Region Bern. "Deshalb arbeiten wir mit bewährten Partnern zusammen, welche die Notbedürftigen kennen." Auf diese Weise sollen Versorgungslücken auch in der Krisenzeit in professioneller Art und Weise geschlossen werden. Neben der Nahrungsmittelhilfe ist der gezielte Support verschiedener Institutionen ein zentrales Element des kirchlichen Hilfspaketes. Mit rund zehn Organisationen wurden seit Ende März Leistungsvereinbarungen getroffen oder sie werden mit einer finanziellen Zuwendung so unterstützt, dass sie ihre Arbeit fortführen können.

Soforthilfe brauchte zum Beispiel die Notschlafstelle "Sleeper", deren Einnahmen wegen der Schliessung ihrer Bar weggebrochen sind. Auch die Passantenhilfe der Heilsarmee wird unterstützt, weil ihre Arbeitslast durch die Coronakrise stark angestiegen ist. Zusätzliche Leistungen erhalten für die Krisenlage die Kirchliche Gassenarbeit Bern, die Sans-Papiers-Beratungsstelle oder "Xenia", die Fachstelle für Sexarbeit. Mit andern Institutionen wie den Frauenhäusern, der Winterhilfe oder dem Entlastungsdienst des Kantons Bern liefen bei Redaktionsschluss noch die Verhandlungen. "Zum Teil geht es nicht um finanzielle Unterstützung, sondern um Räumlichkeiten und Infrastruktur", beschreibt Mathias Arbogast die Gespräche.

Ermutigende Zusammenarbeit

Ein derart grosses Hilfspaket in wenigen Tagen zu schnüren, ist eine ausserordentliche Leistung. Die dafür notwendige rollende Planung benötigt das Zusammenspiel vieler Beteiligter nur schon innerhalb der Kirche: In Gesamtkirchgemeinde und Pfarreien, Räten und Verwaltung, Pastoral und Kirchenbehörden, Fachstellen und Kommunikation. FASA-Leiter Arbogast wird bei seinen Abklärungen von seinem Team und Andrea Meier von der Fachstelle Kinder & Jugend unterstützt. Der Sozialarbeit-Fachmann freut sich sowohl übers Tempo wie die hohe Qualität des Hilfspaketes: "Mit unserer Soforthilfe bewirken wir enorm viel!"

Ausserdem liefert die Coronakrise eine wichtige Erkenntnis. Nicht nur die Rollen des Pflegepersonals oder der Logistik-Kräfte im Tieflohn-Sektor wurden bisher massiv unterschätzt. Die Krise macht auch die enorme Kraft der Freiwilligenarbeit sichtbar: Ganze Sozialbereiche funktionieren nicht ohne Ehrenamtliche im Pensionsalter. Wichtige Institutionen wie "La Prairie" oder "Tischlein deck dich" werden normalerweise von Menschen aus so genannten Risikogruppen getragen: Engagiert, kompetent und nachhaltig. Das sollte bei einer kommenden "Normalisierung" der Lage nicht vergessen gehen.

Karl Johannes Rechsteiner

Link zu "Kirche Region Bern beschliesst Corona-Hilfspaket von 1 Mio. Franken" vom 27.3.2020

 

 

15. April 2020
erstellt von Kommunikationsstelle
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