kath: bern

News-Artikel

News

"Und der Mensch heisst Mensch..." (Nicole Arz)

Kennen Sie Herbert Grönemeyers Lied "Mensch"? Darin heisst es unter anderem "Und der Mensch heißt Mensch, weil er hofft und liebt, weil er mitfühlt und vergibt.. Und weil er lacht, weil er lebt..." Der Liedtext zeichnet ein sehr sympatisches Bild vom Menschen, eines, wie er in seiner Menschlichkeit sein sollte. Das Fremdwort "humanitär" spielt auf weitere Eigenschaften an, die uns als Menschen auszeichnen: solidarisch, sozial handelnd, Hilfe leistend.

Zum Wort "menschlich" gibt es auch das Gegenwort "unmenschlich". Unmenschlich ist, wer über das hinausgeht, was einem Menschen an negativem Verhalten zugestanden wird, beispielsweise das Quälen, Misshandeln oder Töten von anderen. Unmenschlich können aber auch die Bedingungen sein, unter denen jemand leben muss. Eingesperrt oder in notdürftigen Behausungen, frierend, hungernd, ohne Medikamente, ohne Ansprache, ohne soziale Zuwendung. Das Unmenschliche überfordert uns. Es ist jenseits der Grenzen, die für uns nachvollziehbar oder akzeptabel sind. Unmenschliches Verhalten oder unmenschliche Bedingungen lassen sich nicht so einfach einordnen.

Was machen wir mit jemandem, der jenseits alles menschlichen handelt? Der den Tod von hunderten, tausenden Menschen in Kauf nimmt oder verantwortet? Der andere Menschen quält oder quälen lässt, sich Grausamkeiten ausdenkt? Es gibt hier nicht mal mehr eine Vergeltung, die uns angemessen erscheint, weil solche Taten über das hinaus gehen, was wir uns vorstellen können. Was sagt Gott zu diesen Menschen? Wird er sie bestrafen? Verzeiht er ihnen? Und was ist mit jenen, die unter unmenschlichen Bedingungen vor sich hin vegetieren? Für die uns die Worte fehlen, weil ihr Schicksal das, was wir noch mit Trost bedenken könnten, übersteigt.

Ich weiss nicht, warum das Unmenschliche in der Welt ist. Warum es Menschen gibt, denen Dinge zustossen, die so fürchterlich sind sind. Und warum es Menschen gibt, die – anscheinend gewissenlos – zu unfassbaren Gewalttaten fähig sind.

Beides wird uns im Moment sehr eindrücklich vor Augen geführt.

Nicole Arz

26. März 2011