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Von der anderen Seite gesehen - Elisabeth Spichiger

Begleitet von meinem treuen Vierbeiner marschierte ich an einem freien Augustnachmittag Richtung Dorf und schon bald ging‘s bergwärts, auf die Höhe. Von dort hat man einen wunderbaren Ausblick auf das Dorf und auf mein Daheim.

Im Normalfall komme ich mit dem Auto von der Strasse her nach Hause, meistens mehr als ein Mal pro Tag. Der Anblick unseres Hofes, etwas ausserhalb des Dorfes aber direkt an der Strasse, ist mir so selbstverständlich geworden wie allen anderen Mitbewohnern und Besuchern auch. Aber der Anblick von der anderen Seite, aus der Höhe – da klingt etwas in meiner Seele an: Staunen, Glück, tiefe Dankbarkeit. Seit gut 33 Jahren bin ich nun hier zu Hause, geborgen unter diesem riesigen Bauernhofdach, vertraut mit Mensch und Tier, hier bin ich zu Hause. Hier darf ich mein Leben mit anderen teilen, werde verstanden und geliebt, alles ist so selbstverständlich.

Von der anderen Seite, aus der Höhe gesehen, ist mein Zuhause eingebettet in eine wunderbare Ebene, sanfte Hügel umgeben es schützend. Es strahlt wohltuend Ruhe und Frieden aus. Im Alltag wird mir das nicht bewusst, erst das Schauen von der anderen Seite bringt diese Sicht ins Bewusstsein. Es braucht ab und zu Abstand, um mit anderen Augen zu sehen, den Alltag zu durchbrechen, wieder einmal „wahr zu nehmen“, was tagtäglich selbstverständlich ist, nicht nur beim „Zuhause“ sondern im gesamten Leben.

 

8. September 2012