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"Wann wird der grüne Zweig aus dem alten Holz spriessen?" - Landschaft auf Teneriffa. Foto: HPV

WANN BEGINNT DER FRÜHLING?

NACH EINER ZEIT DES SICHTBAREN AUFBRUCHS IST ES IN DER KIRCHE WIEDER WINTER GEWORDEN.

Haben wir denn nicht alle gelernt, dass der Frühling nach einem strengen Winter am 21. März beginnt? Auch wenn das Wetter hier bei uns nicht so richtig kalt und schneereich war, der Frühling kommt mit Sicherheit…

Die März-Tagundnachtgleiche findet aber nicht jedes Jahr am selben Tag statt. Zusätzlich hängt das örtliche Datum von der jeweiligen Zeitzone ab. In Mitteleuropa - da liegt ja die Schweiz - findet die Frühlings-Tagundnachtgleiche in den nächsten Jahrzehnten immer am 20. März statt. In diesem Jahrhundert fiel sie 2011 zum letzten Mal auf den 21. März. Und - im Jahr 2048 wird sie dann sogar auf den 19. März fallen. Wann also wird der Frühling beginnen?

Nochmals: Wann wird der Frühling anbrechen – in der Kirche? Wer die Presse innerhalb der römisch katholischen Kirche aufmerksam liest und sich Zeit nimmt, die verschiedenen Meinungen von „links bis rechts“ zu lesen, der erlebt alle Bilder, die für die Winterzeit stehen: Da gibt es Stürme – Eisregen – Schneefall – Gewitterregen – Trockenheit – und auch Sonnenschein. Die einen stürmen mit ihren Forderungen nach vorne und die anderen bremsen, damit nichts und niemand ihre Ruhe stören kann. Und - was da ganz besonders auffällt, ist die deplatzierte Wortwahl. Kaum zu glauben, dass die verschiedenen Kommentare und Aufrufe von geweihten Amtsträgern verfasst wurden. Da werden engagierte Personen verunglimpft, die sich um das Leben in der Kirche sorgen.

Unversöhnlich sind die gegenseitigen Anwürfe, bisweilen verdächtigen oder verurteilen sich die verschiedenen Lager gegenseitig der Häresie. Dabei ist es doch eine schon ältere Forderung, die uns der Heilige Papst Johannes XXIII in den 60er Jahren mit auf unseren kirchlichen Weg gegeben hat: Die katholische Kirche im 20.Jahrhundert soll ein „Aggiornamento“ („Aktualisierung“) einleiten und verinnerlichen. In diesen Jahren – während des 2. Vatikanischen Konzils – wurden die Türen und Fenster der Kirche geöffnet um mit den Menschen der Neuzeit ins Gespräch zu kommen. Der Angst vor dem Anderen wurde Beachtung geschenkt, damit ein neues Miteinander entstehen konnte. Viele Menschen engagierten sich im Sinne dieser Öffnung, im festen Glauben, dass die Kirche sich nicht noch weiter vom Leben der Menschen entfernt.

Nun leben wir schon im Jahr 2020. Nach einer Zeit des sichtbaren Aufbruchs, da die Sonne warm durch die Kirchenfenster leuchtete, ist es wieder Winter geworden. Graue Wolken verdunkeln die kalten Räume der katholischen Welt und viele Menschen fragen sich: Wann wird es denn geschehen – wann wird in der Kirche der Frühling anbrechen – wann wird der grüne Zweig aus dem alten Holz spriessen? Vielleicht können uns die Worte des Propheten Sacharia helfen. Er bittet Gott um warmen Regen zur Frühlingszeit – um mit Wasser gefüllte Wolken – damit die Felder endlich grün werden können… (Sach 10,1)

Hans-Peter Vonarburg, Diakon

19. Februar 2020
erstellt von angelus
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