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Den Geist Gottes wirksam werden lassen! Foto: photocase/sör alex

Perspektive in die Gräberstimmung

Gedanken zum 5. Fastensonntag – 2. April: Ez 37,12b–14; Röm 8,8–11; Joh 11,1–45

«Es stinkt!» so brachte es letzthin ein Bekannter auf den Punkt, als wir von seinem Arbeitsumfeld redeten. Er verliere zunehmend die Freude an der Arbeit. Ist das eine Frage seiner Einstellung, seiner gegenwärtigen familiären Belastung oder arbeitet er zu viel? Doch er erzählt weiter, sie würden als Arbeitende von der Geschäftsführung in keiner Weise ernst genommen. Einzig Produzieren und Finanzen zählen. Im einen Ohr höre ich von unbefriedigende Arbeitsbedingungen und im andern Ohr Papst Franziskus’ Aussage: «Diese Wirtschaft tötet.» Es sind Strukturen, die hier faul sind und stinken.

In solche Situationen sprechen die Lesungen des 5. Fastensonntags. Sie sagen, was nötig ist: Es braucht Geist! Diesen Geist – so Ezechiel (37,14) – haucht uns Gott ein. Es ist ein Geist, der neue Perspektiven eröffnet, der Kraft gibt, Situationen zu verändern und weiterzuentwickeln. In der Lazarus-Geschichte bringt der Geist einen radikalen Wandel. Revolutionär mutet es an, wenn der tote Lazarus lebendig aus dem Grab tritt. Ein ganzes Denksystem verändert sich.

Welche Art von Revolution und Perspektive bewirkt dieser Geist? Es ist «Leben aufgrund der Gerechtigkeit» (Röm 8,10). In unserer christlichen Tradition hat diese Gerechtigkeit ihren Ausgangspunkt in der Zusage, dass alle Menschen nach dem Abbild Gottes geschaffen sind und darum eine unverletzbare Würde haben. Darum orientiert sich Gerechtigkeit an den Schwächsten und schaut, dass besonders sie wie auch alle andern menschenwürdig behandelt werden. Diese Gerechtigkeit will aber auch, dass wir gemeinsam Wege finden, dass Regeln nicht einseitig zum Vor- oder Nachteil weniger ausgenützt werden.

Arbeitswelt wie Gesellschaft können verändert werden. Das wissen wir. Wir wissen auch, wenn etwas faul ist und stinkt in unserer Welt und in der Wirtschaft. Und wir kennen diese Grundsätze der Gerechtigkeit.

Wir sind darum herausgefordert, diesen Geist dort in unserer Welt wirksam werden zu lassen, wo es stinkt. Wir sind aufgefordert zu fragen, wie wir Arbeitsplätze gestalten können, damit alle Arbeitenden ernst genommen werden, und wie wir Unternehmen formen, damit die Menschenwürde und nicht allein das Geld im Zentrum steht.

Thomas Wallimann*

* Thomas Wallimann-Sasaki ist Theologe und Sozialethiker. Er ist Präsident a.i. der Nationalkommission Justitia et Pax der Schweizer Bischofskonferenz.

29. März 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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