Was uns antreibt - Esther Aeschlimann

Obwohl jeden Tag die Sonne auf- und untergeht, ziehen Sonnenauf-und Untergänge uns in ihren Bann. Wir richten uns aus, halten inne, behalten das Licht im Fokus, sind nur noch Auge, geniessen das Hier und Jetzt und spüren wie tief wir berührt werden von diesem Schauspiel, das uns umgibt von allen Seiten. Unzählige Bilder halten solche Momente fest, lassen diese Erfahrungen, dieses Ergriffensein nachklingen. Und trotzallem sind diese Bilder nur unbedeutende Ausschnitte der weit grösseren Kulisse, die jedes Objektiv überfordert. Der weite Horizont, die unendliche Weite des Himmels und das faszinierende Lichtspiel sind zu grossartig und zu mächtig, als dass wir deren Dimensionen im Bilde festhalten könnten. Und trotz allem lieben wir diese Bilder, rühren sie uns an, ziehen sie uns in ihren Bann, treffen uns im Kern und verführen uns, es beim nächsten Sonnenauf- oder Untergang nochmals mit dem Festhalten zu versuchen. Nicht das Vollkommene treibt uns an, sondern das noch nicht vollständig Gelungene.

23. Februar 2013