«Das Hobby fordert Herzblut»

Am 9. Juni lädt der Kirchliche Verein Radio Berner Oberland (KiBeO) zum Tag der offen Tür nach Interlaken ein. Nicht zuletzt mit dem Hintergedanken, Hörerinnen und Hörer zur Teilnahme an exklusiven Radiomacher- Kursen zu bewegen. Drei bewährte Macherinnen erzählen dem «pfarrblatt», was sie an ihrer Arbeit fasziniert.


Pia E. Gadenz-Mathys, Leiterin der Koordinationsstelle «Katholische Kirche Bern Oberland », ist als Dienstälteste seit der Gründung des Vereins vor 24 Jahren mit dabei. Vor zwei Monaten wurde sie als Nachfolgerin von David Pfister zur Präsidentin gewählt. Die Gründung des Vereins im Jahr 1996 relativiert sie mit dem Hinweis, dass kirchliche Beiträge schon vorher zum festen Bestandteil des Berner Oberländer Privatradios gehörten. Bereits bei der Gründung von Radio BeO im Jahr 1987 war die Religion mit an Bord.
Was sie seit über 25 Jahren an kirchlichen Radiosendungen fasziniert, erklärt Gadenz-Mathys mit dem Hinweis auf die Zusammenarbeit mit den meisten Freikirchen im Berner Oberland, die über die Ökumene der drei Landeskirchen hinausgehe. Sie betreut die jährlich viermal ausgestrahlte Sendung «Ökumenische Bibelgespräche» und koordiniert die Gottesdienstübertragungen der katholischen Pfarreien. Die «Frage der Woche» versteht sie als Dialog – «der uns in unsern Gedankengängen weiterbringt» – und nicht als Abhandlung. Eine Stunde Produktionszeit für die dreiminütige Sendung demonstriert den grossen Aufwand. Diese Anstrengungen aber lohnen sich, tragen sie doch wesentlich zur Qualitätssicherungen für Ton, Texte und Sendegestaltung bei.
Für Pia E. Gadenz-Mathys ist es eine Herausforderung, den Spagat zwischen allen beteiligten Kirchen mit ihren verschiedenen Anforderungen an den christlichen Auftrag zu finden. Gleichzeitig beflügelt es sie, genauso wie viele andere auch, die weitgehend ehrenamtliche Arbeit im KibeO weiterzuführen.

Tausende hören zu
Für Programmleiterin Christine Sieber-Feitknecht – Pfarrerin in Familienurlaub zugunsten des Vereins – stehen Spiritualität, neue Formen von Kirche und ganz allgemein Lebensgeschichten auf der Motivationsliste. Ebenso politische Themen, die mit dem Leiter des Privatsenders abgesprochen werden müssen. Etwa das neue Verhältnis von Kirche und Staat. «Das Hobby fordert viel Herzblut», gesteht sie. Das persönlich nötige Engagement für die Radioarbeit unterstreicht Sieber auch mit der finanziellen Entschädigung: «Mitarbeitende frönen einem Hobby, bei welchem sie zwar nicht drauflegen, aber auch nicht reich werden.» Zum Feedback aus dem Kreis der Zuhörenden sagen die Frauen: «Diese sind eher selten, wenn doch, beziehen sie sich meistens auf den Hinweis: Ich kenne die Moderatorin oder den Moderator.» Obwohl Radio BeO im Vergleich zu anderen Sendern wenig Möglichkeiten kennt, die Zuhörerzahlen zu ermitteln, gehen die Verantwortlichen von Einschaltquoten von über 12 000 Zuhörenden am Dienstagabend und fast 18 000 beim sonntäglichen Gottesdienst aus.*

Herausforderung: Gemeinsamkeiten erkennen
Sarah Maria Graber ist die einzige Radiofachfrau im Team. Die gelernte Kommunikationswissenschafterin mit eigenem Unternehmen – «Die Wortfabrik» – ist auf Auftragsbasis neben der Sekretärin die einzige Angestellte des Ki- BeO. Ihre Motivation begründet sie damit, «weil ich selber kirchlich interessiert bin». «Überkonfessionell!», fügt sie schnell an. Und ergänzt: «Das Verbindende sehe ich, nicht das Trennende.»
Als wir Sarah Maria Graber in Interlaken treffen, bereitet sie gerade die letzte Sendung vor ihrem Mutterschaftsurlaub vor. Als Beauftragte für die Sendung «Chilchestübli» muss sie einmal mehr viele Interessen unter einen Hut bringen. Die grösste Herausforderung sieht sie denn auch darin, «dass sich die verschiedensten Denominationen in einem Sendegefäss zusammenfinden». Damit geht sie mit ihren Kolleginnen einig.

Was dahinter steckt
Der «Kirchliche Verein Radio Berner Oberland» will die Medienpräsenz der Kirchen im Sendegebiet von Radio BeO fördern und unterstützen. Zur Produktion rekrutiert der Verein Tontechniker und Sendungsmacher auf freiwilliger Basis und hält sie mit Weiterbildungen immer auf dem neusten Stand. Trägergruppe des Vereins sind reformierte, römisch-katholische und christkatholische Kirchgemeinden sowie die meisten Freikirchen des Berner Oberlandes, die der Schweizerischen Evangelischen Allianz angehören. Die Finanzierung erfolgt nach einem Verteilschlüssel gemäss der Anzahl Mitglieder der verschiedenen Konfessionen. Mitglieder können auch Einzelpersonen werden.

Guido Lauper

3. Juni 2015